Gesellschaft

Erneuerbare Energien: Sonnige Aussichten in Griechenland

Artikel veröffentlicht am 27. Juli 2010
Artikel veröffentlicht am 27. Juli 2010
Ein Land des Windes und der Sonne - Griechenland besitzt beträchtliches Entwicklungspotential für erneuerbare Energien. Zurzeit nutzen 99% der privaten Haushalte Solarenergie. Aber die Krise wirft ihre Schatten voraus: Europäische Fonds versiegen und der Verwaltungsaufwand der Energieindustrie ist hoch. Kann Griechenland von seinen Reichtümern profitieren, ohne sie zu verschwenden?

Avantgardistisch wie sie sind, finden sie Nachamer in ganz Europa ... diese sind mehr oder weniger professionnell. Es überrascht, dass in einem Land, das nicht gerade für sein ökologisches Bewusstsein berühmt ist, 99% der Privathaushalte Solarenergie verwenden, um heißes Wasser für Bad, Küche und elektronische Haushaltsgeräte zu bekommen. Mittlerweile belegt Griechenland hinter Zypern weltweit den zweiten Platz, was die Nutzung von erneuerbaren Energien pro Einwohner betrifft. Europa ist insgesamt fortschrittlich in diesem Bereich. Seit 2000 fordert die Europäische Union (EU) ihre Mitgliedstaaten auf, 12% ihrer Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen zu beziehen: Das Land am Mittelmeer hat bereits die 15%-Grenze überschritten. Mehr als 320 Sonnentage im Jahr stehen nun im Dienste der Wissenschaft und Energie-Einsparung. Griechenland in der Krise? Nicht in jeder Hinsicht.

Frühzeitiger Einsatz

Noch bevor finanzpolitische Maßnahmen der EU beschlossen wurden, haben die Hellenen vorausschauend gehandelt. Neubauten wurden mit Solarzellen ausgestattet - eine Maßnahme, die heute per Gesetz eingefordert wird. Seit der griechische Premierminister Konstantinos Karamanlis 2005 Solarzellen auf seinem Haus und auf dem Dach des Parlaments installieren ließ, sind erneuerbare Energien populär geworden. Griechenland profitiert von so viel Sonnenlicht, dass das wirtschaftliche Potential immens ist. Das Mittelmeerland, gefangen in einer Systemkrise, könnte mithilfe der "grünen Wirtschaft" einen Ausweg aus seinen Haushaltsproblemen finden.

Ein lang anhaltendes Engagement

Bereits seit 1980, lange vor der etwas größenwahnsinnigen Initiative von Karamanlis, haben Pionier-Unternehmen in diesem Sektor das Licht der Welt erblickt. Firmen wie Sole S.A. haben sich zusammengeschlossen, um das aufkommende ökologische Bewusstsein zu unterstützen. Eine Werbekampagne und einen vorbildlichen Minister später, stürzen sich die Griechen regelrecht auf die Sonnenkollektoren. "Der Erfolg ist so groß, dass es schwierig ist, ein Haus ohne Kollektoren zu finden", betont Vangelis Lamaris, Marketing-Chef von Sole S.A. Es bleibt jedoch eine Sorge: die Ästhetik.

Aber im Gegensatz zu Spanien oder Italien hat Griechenland kein Gesetz erlassen, dass die Verbreitung der Kollektoren verbietet. Ganz im Gegenteil: Der Staat subventioniert entsprechende Initiativen. Das ermöglicht es einer vierköpfigen Familie, eine Solaranlage für die symbolische Summe von 1000 Euro zu kaufen. Das Dorf Pefki ist in dieser Hinsicht ein glänzendes Beispiel: Angesiedelt in Athens Peripherie wurde "solare Ausrüstung" an mehrere Sozialwohnungen verteilt. Das Gebiet ist heute unter dem Namen "shine floor" („strahlender Boden“) bekannt.

Strom mit bürokratischer „Geschwindigkeit“

Könnte das an einer generellen "Überhitzung" des griechischen Systems liegen?Im Gegensatz dazu wird die Errichtung von Photovoltaik-Sonnenanlagen durch bürokratische Hindernisse verlangsamt. Trotz des vielversprechenden Marktes, der sich in diesem Sektor entwickeln könnte, fällt es dem Land schwer, Anschluss an die entsprechenden Technologien zu finden. Quellen aus dem Umweltministerium haben cafebabel.com bestätigt, dass sich Subventionsanfragen wegen mangelnder technischer Kenntnisse der Gutachter auf den Fluren des Ministeriums stapeln. „Manchmal laufen die Genehmigungen aus und man muss wieder von vorn anfangen“, bestätigt ein Beamter. Tigás Kostas, Vertreter des CRES (Center for Renewable Energy Sources and Saving) beklagt das schlechte Management der europäischen Gelder in seinem Land.

2010 wurde 1 Milliarde Euro dafür ausgegeben, die Verwendung von erneuerbaren Energien anzukurbeln, aber "mehr als die Hälfte davon wird nicht umgesetzt. Das erklärt auch das technische Defizit in der Nutzung von Sonnen- und Windenergie. Das Überleben der Politiker hängt noch nicht von ihrem ökologischen Programm ab, wie im Norden Europas. Deswegen sind sie bei den Wahlen für diese Verschwendung noch nicht bestraft worden", argumentiert Kostas.

Alten Klimaanlagen an den Kragen

Zurzeit betrifft das große technische Engagement die Klimatisierung und Kühlung durch Sonnenenergie ("illiakós klimatismós"). Vor Beginn der Wirtschaftskrise hat die EU 50% der Maßnahmen subventioniert. Aber jetzt, so ein Techniker der Firma Sole S.A., "arbeiten dort, wo früher 26 Arbeiter angestellt waren, gerade noch vier." Das Einfrieren europäischer Fonds, das Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte und Einbrüche in der Nachfrage: So lauten nur einige der Aspekte, die jegliche Entwicklungsperspektive griechischer Firmen behindern.

Griechenlands wirtschaftliche Wiedergeburt?Sole S.A. war ein Pionier in seiner Branche, der die mediterrane Sonne im großen Stil zu nutzen wusste. Bereits vor zwölf Jahren hatte die Firma das Risiko auf sich genommen, Solarzellen auf einer Fläche von 1.500 m² zu installieren, um eine 50 Kilometer von Athen entfernte Parfümerie  mit Klimatisierung und Strom zu versorgen. Die Kosten betrugen damals 240.000 Euro, die 2.200 Euro für den monatlichen Unterhalt sind jedoch nicht mit eingerechnet. Heutzutage wäre ein solches Unterfangen wirtschaftlicher Selbstmord.

Dem Land geht aber langsam die Luft aus - und mit 320 Tagen direkter Sonneneinstrahlung wäre eine Abkühlung - besonders angesichts des finanziellen „Sonnenstichs“ - sehr willkommen. Heute können sich nur noch die Wenigsten den Luxus einer "illiaks klimatismós" (solarbetriebenen Klimaanlage) leisten. In der Tat würden die Kosten für eine Wohnfläche von 200 m² bei ungefähr 20.000 Euro liegen. Vangelis Lamaris sieht die einzige Hoffnung darin, dass die Gewinne aus dem Export von Solarenergie nach Budapest, Kreta oder Spanien - die gierig nach griechischem Know-How sind - die Kosten für die Errichtung von Solaranlagen für Privathaushalte senken. Es bleibt zu hoffen, dass das Interesse der Menschen in Griechenland für Solarenergie von der Regierung aufgegriffen wird… sobald diese aus der Krise „aufgetaut“ ist.

Fotos : Logo ©Tom Ollivier/flickr ; ©fermedesmeuniers/flickr; "Burned out" ©Lefteris Koulonis/flickr ; Klimatisierung ©bondidwhat/flickr