Gesellschaft

Erlend Moster Knudsen: Von der Arktis bis zur COP21 nach Paris

Artikel veröffentlicht am 18. November 2015
Artikel veröffentlicht am 18. November 2015

Tausende Wissenschaftler, Akademiker und Aktivisten werden sich im Dezember für den Klimagipfel in Paris versammeln – aber nur einer von ihnen kommt direkt vom Nordpolarkreis, und zwar zu Fuß. Wir stellen Erlend Moster Knudsen vor: einen von zwei unglaublichen Abenteurern, die sich mit der „Pole to Paris“-Initiative für Klimaschutz einsetzen. 

Der Kampf gegen den Klimawandel wird oft als Marathon beschrieben, nicht als Sprint – aber Erlend Moster Knudsen ist ein Akademiker, der das wörtlich nimmt. Er ist Ko-Direktor des Projekts „Pole to Paris“, das mit zwei unglaublichen Abenteuern darauf abzielt, die Aufmerksamkeit auf eine wissenschaftliche Auseinandersetzung zum Thema Klima zu lenken. Für Erlend bedeutet das: Vor der 21. Klimakonferenz (COP21) zu Fuß den kompletten Weg von der Arktis bis nach Paris laufen.

Die Idee für diese imposante Herausforderung entstand, nachdem er Daniel Price bei einer Summer School auf dem norwegischen Archipel Svalbard getroffen hatte. Erlend steckte mitten in seiner Doktorarbeit über arktisches Eis, während Daniel Price dasselbe Phänomen in der Antarktis untersuchte. „Wir waren uns einig, dass wir zu viel Zeit damit verbringen, wissenschaftliche Artikel zu schreiben, die nur von anderen Akademikern gelesen werden“, erklärt Erlend. „Das größte Potenzial für Veränderung liegt in der Zivilgesellschaft... und die Leute lieben diese Abenteuer: das ist eine großartige Möglichkeit, Menschen zu mobilisieren.“

Erlend ist bereits ein Mal komplett durch sein Heimatland Norwegen gejoggt, rund 1900 Kilometer in 72 Tagen. Obwohl die Naturlandschaft des Landes eine der schönsten in ganz Europa ist, sind es die Menschen, die er unterwegs traf, die den größten Eindruck hinterlassen haben: „So viele Leute haben mir geholfen, auf die eine oder andere Art: mit einem Schlafplatz, einer warmen Dusche oder einfach einem freundlichen Gespräch unterwegs.“

Diese persönliche Unterstützung wurde für ihn zur zentralen Motivation weiterzulaufen. „Die Herausforderung hat natürlich eine körperliche Komponente, aber die mentale Herausforderung ist noch viel größer“, sagt der 29-Jährige. „Dass mich so viele Leute unterstützen, hilft mir weiterzulaufen, auch wenn meine Beine sich fürchterlich anfühlen oder es draußen stürmt. In diesen Momenten realisiere ich, dass ich das hier nicht für mich selbst tue, sondern aus einem viel wichtigeren Grund.“

Seine Begeisterung für Umweltthemen hat Erlend schon früh, dank enthusiastischer Wander-Ausflüge mit seinem Vater entwickelt: „Er ist immer mit mir raus gegangen zum Wandern. Ich habe gelernt, die Natur zu lieben und wie wundervoll es sein kann, ein Teil von ihr zu sein. Aber wenn ich jetzt zu diesen Orten zurückkehre, merke ich, wie die Natur sich verändert und wie verletzlich sie ist, wie ungeschützt vor unserem Einfluss. Das ist ganz schön traurig. Ich hätte gerne, dass meine Kinder in Zukunft die gleichen Naturerlebnisse haben können wie ich.“

Momentan gönnt Erlend sich eine Lauf-Pause, um in einer Reihe von Universitäten und auf Konferenzen von seinem Projekt zu erzählen. Freiwillige übernehmen währenddessen den Teil seines Laufs durch Großbritannien. In Cambridge wird er seine Staffel-Läufer treffen und seinen Lauf wiederaufnehmen. Von London nimmt er den Zug nach Brüssel, und läuft von dort aus den letzten Teil der Strecke bis nach Paris.

Paris ist das große Ziel – aber wie zuversichtlich ist Erlend, dass der Klimagipfel dort ein Ergebnis liefert, für das sich sein kräftezehrender Einsatz auch lohnt? „Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass ein neues Abkommen verabschiedet wird“, prognostiziert er. „Aber ich glaube nicht, dass es stark genug sein wird. Dafür brauchen wir mehr Leute, die über Klimaschutz reden.“

Erlend ist sich sicher: „Ein Wandel ist möglich. Politiker achten auf die Aktionen von jungen Leute, weil sie wissen, dass das die Generation der Zukunft sind.“ Allen, die diesen Wandel mitgestalten wollen, möchte er einen Rat reben: „Engagiert euch für etwas und glaubt an euch. Es ist verblüffend, wie weit ihr kommen könnt, wenn ihr entscheidet, alles dafür zu geben.“

Erlends unglaublicher Reise kannst du auf der „Pole to Paris“-Homepage und unter dem Hashtag #NorthernRun folgen. Zeitgleich ist der Projektdirektor Daniel Price zur Zeit mit dem Fahrrad von der Antarktik zur Klimakonferenz unterwegs  

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Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.