Gesellschaft

Erdbeeren ohne osteuropäische Erntehelfer

Artikel veröffentlicht am 23. Juli 2012
Artikel veröffentlicht am 23. Juli 2012
Während sich potentielle EU-Arbeiter um Jobs rangeln, beklagen Besitzer von Erdbeerfeldern in Spanien und England einen gravierenden Arbeitskräftemangel. Die strengeren Gesetze der vergangenen fünf Jahre haben es erschwert, Arbeitskräfte aus nicht-EU-Ländern unter Vertrag zu nehmen. Aber EU-Bürger weigern sich, diese Arbeit selbst auszuüben. Analyse und ein Rezept… mit Erdbeeren.

In ihrem Song aus dem Jahr 1967 proklamierten die Beatles immerwährende Erdbeerfelder: „Strawberry fields forever“. In der Tat prägen Erdbeerfelder seit langem das Gesicht der europäischen Landwirtschaft, nicht minder wie die unentbehrlichen Erdbeerpflücker. Mit dem Anbruch der Winter- und Frühlingszeit, jedes Jahr von Dezember bis Juni in Spanien und von Mai bis August im Vereinten Königreich ist man auf tausende von Händen angewiesen, um diese Obstsorte anzubauen – eine arbeitsintensive Tätigkeit, die Präzision und Sorgfalt erfordert.

Rumänen in Huelva, Spanien

Während einige Spanier über die Immigration aus Osteuropa besorgt sind, klagen Erdbeerbauern in der südwestlichen Stadt Palos de la Frontera darüber, dass ein Mangel an rumänischen Erntehelfern dieses Jahr zu Einbußen bei ihrer Ernte führen könnte. Der Erdbeeranbau in der Provinz Huelva macht 90% der spanischen und 30% der EU-weiten Produktion aus. Und dennoch sagen Exporteure in Palos de la Frontera, dass sie mindestens 14 000 Obstpflücker benötigen, andernfalls werden Erdbeerpflanzen verfaulen, bevor die Erdbeeren es in die Regale der Supermärkte schaffen. In der Vergangenheit konnten sie im Notfall auf saisonale marokkanische Aushilfskräfte zurückgreifen. Aber wie die regionale Regierung Andalusiens bekannt gab, können – angesichts der 30% Arbeitslosigkeit in der Region – nur spanische Staatsbürger angeworben werden, in der Absicht, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

In einem Artikel der New York Times äußerte Luis Romero, Erdbeerexporteur, dass es kein gangbarer Weg sei, nur spanische Arbeitskräfte zu beschäftigen, weil sich Spanier heutzutage nicht dazu herablassen, Hilfsarbeiten für 900 Euro monatlich zu verrichten. Andererseits ist Romero gezwungen, arbeitswillige rumänische Immigranten, die damit rechnen, in den Erdbeerfeldern Arbeit zu finden, zurückzuweisen, da sie gemäß der neuen Gesetzgebung nicht autorisiert sind, ohne Genehmigung zu arbeiten. Konform mit den EU-Bestimmungen dieses Jahres wird gerade mal 1700 rumänischen Migranten eine Arbeitserlaubnis in dieser Region zuteilwerden. Ein sechsmonatiges Arbeitsverhältnis als Erdbeerpflücker in Spanien dürfte den Saisonarbeitern, unter denen sich ehemalige Ärzte, Computerprogrammierer sowie Führungskräfte im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit befinden, mehr als doppelt so viel dessen einbringen, was sie zurück in der Heimat verdienen.

Kent, England

Während es in der Vergangenheit überwiegend Migranten aus Litauen und Polen waren, die im Vereinten Königreich die Nachfrage nach Erdbeerpflückern deckten, ist es Erdbeerbauern in Kent (einer Grafschaft im Südosten Englands), genauso wie in Huelva, nicht länger möglich, ausreichend Arbeitskräfte zu bekommen. Um das Problem zu lösen, führte die britische Regierung mit Hilfe des Programms für in der Landwirtschaft tätige Saisonarbeiter (Saws) eine Quote ein, welche die Arbeitserlaubnis für bulgarische und rumänische Saisonarbeiter regelt. In den Jahren 2012 und 2013 liegt die Obergrenze dieser Quote bei 21 500 Stellen im Vereinigten Königreich.

Jedoch ist diese Quote nicht hoch genug, um die Nachfrage nach Arbeitskräften, die man in einem Land braucht, in dem Erdbeeren 80% des in Supermärkten verkauften Obsts ausmachen, decken zu können. Die Entscheidungsträger argumentieren damit, dies gereiche der regionalen Wirtschaft zum Wohl. „Wir bauen Migration in Zusammenhang mit gering qualifizierten Tätigkeiten ab, da Unternehmen unserer Auffassung nach zuerst unqualifizierte Arbeiter aus der Region rekrutieren sollten“, so die Verlautbarungen eines Sprechers der Grenz- und Einwanderungsbehörde in einem Artikel, der 2008 bei BBC News erschien. „Einige Menschen halten unsere Reformen zur Integration für zu drakonisch, aber wir denken, sie sind richtig für Großbritannien.“ Doch auf den Erdbeerplantagen in Kent ist etwas faul: Dort greift die beginnende Fäulnis um sich.

Rezept: Erdbeerpizza (aus Cleveland)

Das Rezept stammt von dem amerikanischen Blog Strawberry moon festival, einem Wettbewerb für Rezepte aus aller Welt, die Erdbeeren enthalten. Dem Blogger zufolge sind Erdbeeren süße rote Früchte und, genau wie Tomaten, ein perfekter Belag für Ihre Pizza.

Zutaten:

Fertigteig, wahlweise hausgemacht – Tomatenpüree – Parmesan und frischer Mozzarella, gerieben – Olivenöl, nach Geschmack – Hefe – gesiebtes Mehl.

Belag:

Karamellisierte Zwiebeln – angebratene Kirschtomaten – in Scheiben geschnittene Erdbeeren – Balsamico-Essig – Traubenkernöl

Zubereitung:

1. Pizzateig mit dem Tomatenpüree bestreichen, mit Käse, Zwiebeln und Tomaten bestreuen, mit den in Scheiben geschnittenen Erdbeeren belegen.

2. Die mit Olivenöl besprenkelte Pizza im vorgeheizten Ofen bei 160°C 15 bis 25 Minuten goldbraun backen.

3. Mit Balsamico-Essig beträufeln. Die leicht abgekühlte Pizza mit Basilikum, Petersilie und ein paar weiteren Erdbeerscheiben garnieren. Guten Appetit!

Illustrationen: Teaserbild (cc)Anne Marthe Vidvey/flickr; Im Text (cc) Wink-.../flickr