Gesellschaft

Epso unter Beschuss: nur Englisch, Französisch und Deutsch bitte

Artikel veröffentlicht am 30. Oktober 2007
Artikel veröffentlicht am 30. Oktober 2007
Das Europäische Amt für Personalauswahl Epso sorgt für Ärger. Europaweite Stellenausschreibungen wurden in nur drei Sprachen veröffentlicht.

Hundertfünfzig unbefristete Stellen für Europa-Funktionäre. Monatliche Nettogehälter von 4.012 Euro in den Bereichen Information, Kommunikation und Medienadministration - mittlerweile ein seltenes Gut im Zeitalter der Generation Praktikum. Diese Goldgrube war das ersehnte Ziel von ungefähr 12.000 Bewerbern, die von Epso, dem Europäischen Amt für Personalauswahl, als potenzielle Kandidaten ausgewählt wurden. Der Codename, unter dem die Ausschreibung am 28. Februar 2007 veröffentlicht wurde: EPSO/AD/94/07, Insidern auch als "AD5" bekannt.

Marginalisiertes Italienisch

Der Konflikt war vorprogrammiert. Das Personalamt hatte die Ausschreibung lediglich auf Englisch, Französisch und Deutsch veröffentlicht und vernachlässigte somit die zwanzig anderen offiziellen Amtssprachen der EU. Ein eindeutiger Verstoß gegen das EU-Abkommen, in dem vorgeschrieben ist, dass Ausschreibungen in allen von Brüssel anerkannten Sprachen erfolgen müssen. Diese Regel wurde von der Kommission wiederholt missachtet.

Am 20. Juni wurde demzufolge überraschend bekanntgegeben, dass die Ausschreibungsfrist wegen eines "administrativen Fehlers" verlängert werde. Sie sollte nun anstatt bis zum 28. März bis 18. Juli laufen. Die Bewerbungsleitfäden wurden in weiteren 20 Sprachen veröffentlicht, nicht wie ursprünglich vorgesehen in 19 Sprachen. Eine der europäischen Amtssprachen war ursprünglich unter den Tisch gefallen. Ein peinlicher Fauxpas, der deutlich macht, wie unbeholfen Epso mit dem Prinzip der Mehrsprachigkeit umgeht.

Der Europaabgeordnete Alfredo Antoniozzi, ein bekannter Hüter der Sprache Dantes, hatte die Debatte ursprünglich losgetreten. In seinem Antrag vom 14. Mai an die Kommission, der Epso unterstellt ist, kritisierte der Delegierte der italienischen Partei Forza Italia: "Hinter der Entscheidung, die Ausschreibungsunterlagen in nur drei Sprachen zu veröffentlichen, lag der gezielte Versuch, einer Veröffentlichungspraxis Raum zu verschaffen, in welcher wichtige Dokumente nicht mehr auf Italienisch erscheinen." Weiterhin hagelte es Kritik von María Isabel Salinas García, Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion im europäsichen Parlament: "In Anbetracht der Tatsache, dass auch im Rahmen des vorangehenden Bewerbungsverfahrens ( EPSO/AD/25/05) Fehler nachgewiesen wurden, ist es vielleicht an der Zeit, die Arbeit des Europäischen Amtes für Personalauswahl besser zu kontrollieren."

Zugegeben: "Die Praxis der Übersetzungen gestaltet sich chaotisch"

Das Problem seien Zeitverzögerungen, die aufgrund chaotischer, administrativer Prozesse entstehen - erklärt E.C., ein erfahrener Direktor der Europäischen Kommission. "Und die schlechte Handhabung der Übersetzungen, verstärkt durch die zwölf neuen EU-Mitgliedstaaten", fügt er hinzu.

Die EU-Erweiterung brachte Sprachen wie Maltesisch oder Slowenisch mit sich. 2007 wollte Irland zur Stärkung der keltischen Kultur auch Gälisch aufnehmen. In Wahrheit, betont der Funktionär, ist Brüssel in Bezug auf Multilinguimus ein einziger Widerspruch: "Obwohl die EU-Abkommen die Gleichrangigkeit der Sprachen festlegen, wird auf den Gängen der Institutionen nur Englisch und Französisch gesprochen. Selbst wenn die Möglichkeit bestünde, in der eigenen Sprache zu kommunizieren, würden sich die Leute am Ende doch auf Englisch unterhalten."

Während sich die Debatte um die Mehrsprachigkeit der Europäischen Institutionen neu entzündet - selbige kostete die EU 2005 übrigens 511 Millionen Euro - bleibt die Webseite der Epso weiterhin nur dreisprachig. Das Bewerbungsverfahren "AD5" läuft inzwischen weiter. Erste Resultate sind im Juli 2008 zu erwarten.