Gesellschaft

Elliot Lepers: Umweltbewusst in 90 Tagen

Artikel veröffentlicht am 4. November 2015
Artikel veröffentlicht am 4. November 2015

Dieser junge Designer und Aktivist hat eine App entwickelt, die Nutzer spielerisch und mit praktischen Aufgaben für ihre Umwelt sensibilisiert. 90 Tage dauert der Selbstversuch. Wir haben mit Elliot über sein Projekt gesprochen.  

„Es gibt Coachs, die einem dabei helfen, sportlicher zu werden oder sich das Rauchen abzugewöhnen. Mein Ziel war es, einen Trainer zu erschaffen, der das Umweltbewusstsein stärkt.“ Mit 23 Jahren hat Elliot Lepers den ersten persönlichen Öko-Assistenten entwickelt. 90 jours heißt die Applikation, die seit einem Monat für Android und auf jedem Internet-Browser verfügbar ist und den Nutzer vor Aufgaben stellt, die er im Alltag erfüllen soll. „Man kann damit anfangen, dass man „Keine Werbung“-Aufkleber an seinem Briefkasten anbringt, den Saisonkalender für Obst und Gemüse in der Küche aufhängt, den Hausputz mit weißem Essig anstatt Reinigungsmitteln erledigt“, erklärt der Ideengeber.  

Selbst Klimawandler werden

Die Idee, die hinter der Anwendung steckt: im ökologischen Wandel nicht mehr die Last, sondern das Vergnügen zu sehen. „Ich wollte etwas schaffen, das die Leute motiviert“, fährt Elliot fort. „Wir gratulieren den Leuten, die neue Herausforderungen annehmen und umsetzen, sehr schnell auf unserer App.“ Allgemein gesprochen: „Umweltschutz wird immer mit Zwängen verbunden“, meint der junge Designer. „Man hat den Eindruck, dass umweltbewusstes Handeln total anstrengend ist und nur aus Verboten besteht: nicht mehr mit den Kumpels in den Urlaub fliegen, kein Fleisch mehr essen…“.  

Die Applikation beginnt mit einem Fragebogen. Je nach Motivationsgrad des Nutzers wird der erste Schritt bzw. die erste Aufgabe festgelegt. Die Plattform gibt dem User Aufgaben vor, die er in 90 Tagen verrichten soll. Gleichzeitig informiert sie den Anwender über die Umweltwirksamkeit seiner Geste und schlägt ihm einige Links zu nützlichen Seiten vor. 8.000 Personen haben sich bis zum heutigen Tage die Applikation heruntergeladen. 15.000 Aufgaben wurden erfolgreich erfüllt. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass jedes Jahr 900.000 Kilogramm CO2 und 1.100000 Liter Wasser eingespart werden. „Wir schlagen den Leuten auch vor, ihre gemeisterten Aufgaben zu teilen. Viele sind stolz auf ihre Leistungen und wollen das auch zeigen“, ergänzt Elliot. 

Hier das Erklärvideo zum Projekt.

Vorsätze in die Tat umsetzen

Der Begründer von „90 jours“ hatte 2014 bereits Amazon Killer ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um ein Plug-In, das den Bücherkauf via Amazon eindämmen möchte. Wenn sich ein Nutzer für ein Buch auf Amazon interessiert, schaltet sich Amazon Killer ein und verrät, ob das gewünschte Buch auch in einer nahe gelegenen Buchhandlung zu finden ist. „Mir ist bewusst geworden, dass, wenn wir einfach zu bedienende Werkzeuge im Web anbieten, die Leute diese auch nutzten. Viele Leute sind intelligent und aufgeklärt, gehen den Schritt jedoch nicht“, erklärt der junge Designer. „90 jours“ wurde in der Programmierschule Simplon in Montreuil entwickelt und aus der eigenen Tasche des Projektleiters finanziert. 15.000 Euro hat er sich die Applikation kosten lassen.

Elliot Lepers ist in Öko-Angelegenheiten kein unbeschriebenes Blatt. Im Jahr 2012 hat er die Digitalkampagne von Eva Joly, der Kandidatin der Partei Europe Écologie-Les Verts, geleitet. Jetzt fiebert er der COP21 entgegen. Die UN-Klimakonferenz, die ab dem 30. November in Paris stattfindet, wird nach seiner Meinung, „die Energie von vielen jungen Leuten freisetzen, die keine Lust darauf haben, dass Ökologie zu einer leeren Worthülse verkommt.

Initiativen wie AlternatibaPlace to B oder We Are Ready Now sind der Beweis dafür, dass sich junge Leute engagieren und ein Wörtchen mitreden wollen.“ Elliot übt keine Kritik an der Veranstaltung, die einige als oberflächlich einstufen. Er ist vielmehr der Meinung, dass die Klimakonferenz „ein echter diplomatischer Erfolg“ sein wird, weil man „jeden Tag“ vom Klima sprechen wird und weil „mehr Menschen nach der COP21 als vor der COP21 auf die Umwelt achten werden“. Über den Medienrummel um die Weltklimakonferenz hinaus fügt er noch hinzu: „Wir haben lange darauf gewartet, dass sich die Politiker für die Umwelt einsetzen. Jetzt sind es die Bürger, die den Politikern den Weg weisen.“ Warum nicht in 90 Tagen?

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Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.