Gesellschaft

'Ecce Homo' die Zweite: Spanische Rentnerin löst Weltuntergang aus

Artikel veröffentlicht am 18. Dezember 2012
Artikel veröffentlicht am 18. Dezember 2012
Das schwer gehütete Geheimnis um die weltweit wohl unbekannteste Freske - die sogenannte EU-Freske - war der Schlüssel für die Existenz der Europäischen Union, als diese 1951 gemalt wurde. Aber Europas bekannteste Rentnerin hat es noch einmal getan und mit Restaurierung Nummer zwei einen Weltuntergang heraufbeschworen, der in der EU beginnen sollte.

Unsere Reporter haben Cecilia Gimenez aus dem spanischen Zaragoza in einer Bergregion in Serbien ausfindig machen können, wo sie sich mit ihrer 27-jährigen Enkelin, Juanjaja versteckt hält. Es wird gemunkelt, dass Juanjaja ihrer Großmutter geholfen haben soll, die höheren Teile der EU-Freske zu restaurieren. Beide haben dem Interviewtermin* mit cafebabel.com zugestimmt und beteuern ihre Unschuld.

cafebabel.com: Cecilia, Sie erlangten im August weltweite Berühmtheit  für ihre stümperhafte Restaurierung der Ecce Homo-Freske aus dem 19. Jahrhundert in Borja.

C: Ich habe es bereits gesagt: Ich habe es einmal getan, und ich würde es wieder tun.

cafebabel.com: Sie haben es erneut getan und die EU-Freske mit grau, schwarz und weiß überpinselt. Was einige im August als Vandalismus bezeichneten, hat nun im Dezember die Apokalypse herbeigeführt. Sollte das ein theologisches Augenzwinkern an die ‚christliche Union‘ sein, wie der türkische Premier die EU einst bezeichnet hatte?

J: Der Weltuntergang war sowieso unaufhaltsam, seit der Papst anfing zu tweeten. So wurde er zumindest davor bewahrt, ein weiterer Slacktivist zu werden, Gott habe ihn selig.

cafebabel.com: Stimmt es, dass Sie während der Restaurationsarbeiten neonfarbene Strumpfmasken trugen?

J: Das ist nur böse Verleumdung seitens der Russen, die zusammen mit den Chinesen übrigens hohe Summen für Kerzen ausgegeben haben, um uns auch zum Weltuntergang sehen zu können.

cafebabel.com: Es gibt Gerüchte, dass Juanjaja während ihres Erasmusaustauschs in Ankara eine Beziehung zu einem halb-mayanischen Studenten aus den französischen Pyrenäen führte?

J: Ich bin mir heute darüber bewusst: Ekahau war meine einzige große Liebe. Aber unsere Geschichte endete in der Türkei, denn wir wussten, dass wir in der echten Welt keine Überlebenschancen hätten. Das hat übrigens nichts mit der apokalyptischen Theorie der Maya zu tun. Die Welt wäre sowieso untergegangen.

cafebabel.com: Cecilia, eine Quelle bestätigte uns, sie kannten Pablo Picasso persönlich?

C: Wir haben in Katalonien oft Urlaub gemacht, wo einer meiner Cousins in Salvador Dalis Garten in Lligat Tomatenpflücker war; er hat immer allen erzählt, wie inspirierend doch sein Freund Picasso sei. Ich war sieben Jahre alt, als Picasso Guernica malte; meine Arbeit an der EU-Freske ist gar nicht so weit entfernt von seiner künstlerischen Darstellung des spanischen Bürgerkriegs. Auch die EU wurde von ihren brodelnden Nationalismen zerstört. Meine Restaurierung der Freske hat nicht den Weltuntergang herbeigeführt.

cafebabel.com: Was meinen Sie zu internationalen Aussagen wie ‘Europa hat 2012 alles gesehen, was es sehen musste’?

J: Letztes Jahr war wirklich ein Alptraum mit speienden Vulkanen und Atomwolken aus Japan. 2012 war das Jahr der Menschen. Es gab zwei große Sportevents – die Olympischen Spiele in London und die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine.

C: 2012 haben Frauen und Männer von Ost nach West Bälle gekickt, Speere geworfen und Kugeln gestoßen. Doch dann fielen Männer aus Flugzeugen, um Gottes Willen, saßen in kleinen Räumen in Ecuador und verkörperten die Paranoia der Existenz der Welt, kamen zurück von den Toten, um Länder zu regieren, die sie verwundet zurückgelassen hatten.

J: Oma, ich habe doch gesagt, es war das Jahr der Leute, doch die EU-Weisen haben aus ihnen vor ihren eigenen Augen PIIGS gemacht. Mit den Freunden, die ich während des Erasmusstudiums getroffen habe, habe ich selbst den Skype-Kontakt abgebrochen, sie wollten der Natur näher sein und haben der Großstadt für Felder und Kühe den Rücken gekehrt, dort, wo das Leben noch bezahlbar scheint. Doch auch hier zeigte sich die Zerstörung, die nicht mehr rückgängig zu machen war. 2012 war das Jahr, in dem die Bürger die Krise tatsächlich am eigenen Leib zu spüren bekamen, das Jahr, in dem sich die Sparpolitik selbst in den verwinkeltsten Ecken niederschlug.

C: 2012 war aber auch das Jahr, in dem die EU den Friedensnobelpreis gewann. Schön und gut, nun muss die EU in Frieden ruhen. Und die drei weisen Männer aus Deutschland, Belgien und Portugal waren keine Engel.

cafebabel.com: Cecilia, Sie haben ihre Arbeit als professionelle Künstlerin auf ebay versteigert: Jetzt, da der Untergang der EU den Weltuntergang und das absehbare Ende Ihrer Karriere einleitet, wie sehen Ihre nahen Zukunftspläne aus?

C: Man hat mir empfohlen, der spanischen Tradition nach um die Jahreswende 12 Weintrauben zu essen. Doch Spanien ist dem Untergang geweiht… naja, es wäre sowieso längst nach meiner Schlafenszeit gewesen. Aber sollte der Weltuntergang mit dem Untergang der EU enden, hat man mich gebeten eine Weihnachtssingle im Balkan auf den Markt zu bringen. So käme auch mehr Geld für den Eurovision Songcontest 2013 für den Rest von uns zusammen, wenn die EU aus dem Spiel ist.

cafebabel.com: Möchten Sie diesem apokalyptischen Interview noch irgendetwas hinzufügen?

C: Wie Picasso zu sagen pflegte: Alles was man sich vorstellen kann, ist real.

*fiktives Interview

Illustrationen: Teaserbild (cc)Davi Ozolin; Junge (cc)Stephen Brace/; Manga (cc)Tim Riley 澳大利/Tim Riley offizielle Seite; Video (cc)Olympic Channel YouTube