Gesellschaft

Die Waffen der Kölner Frauen

Artikel veröffentlicht am 31. Juli 2009
Artikel veröffentlicht am 31. Juli 2009
Mehr als ein Drittel der deutschen Fernsehprogramme werden in Köln produziert. Unter den acht Sendern, die in der „Medienstadt“ am Ufer des Rheins angesiedelt sind, sind zum Beispiel auch die Redaktionen von frauTV, eines jungen Senders mit feministischem Einschlag, und der altbekannten Frauenzeitschrift Emma.

Für was sind Frauenzeitschriften und -magazine bekannt? Tausende kleine Duschgel- und Parfümproben? Werbung bis zum Abwinken? Immer neue Gerüchte über die Celebrities? Psychotests auf allen Gebieten? Wer das für die Quintessenz der Frauenpresse hält, hat noch nicht die Alternativen frauTV und Emma entdeckt, die sich mit Frauenthemen auseinandersetzen und dabei dank des von Komplexen befreiten Geschlechterdialogs unbeirrt eine feministische Linie fahren. Angesichts der albernen, oberflächlichen und konventionellen Frauenmagazine tut eine Reise nach Köln jedem gut.

Ein Magazin für Mauerblümchen und Racheengel

FrauTV: Die Sendung für Mauerblümchen, Rasseweiber, Racheengel, Göttinnen, Muttis, Omis, Bräute, Lesben, Luder, Ehefrauen, Singlefrauen, Zicken, Hexen, Backfische, Modepüppchen, Jungfrauen, gute Feen… und natürlich auch für Männer.“ Im Intro stimmt frauTV auf die Sendung ein. Auch wenn der Sender eine ähnliche Altersgruppe wie Closer (ein französisches Magazin, das sich auf die Berichterstattung rund um Celebrities spezialisiert hat; A.d.R.) und eine so breite Leserschaft wie Marie Claire (eine französische Modezeitschrift; A.d.R.) anvisiert, veranstalten die Chefredakteurin Lisa Ortgies und ihre Mitarbeiterinnen keinen Markt der Eitelkeiten, sondern achten darauf, dass ihre Zuschauerinnen auch ihren intellektuellen Hunger stillen können. Denn bei frauTV geht es um so unterschiedliche Themen wie Abtreibung, Diät, die Zeugen Jehovas und Liebessucht. „Ein heutiges Frauenmagazin braucht keine Kampfansagen, sondern einen offenen und klaren Blick auf frauenrelevante Themen, die mit journalistischer Sorgfalt und mitunter auch mit einer Portion Charme und Humor behandelt werden. Und frauTV ist schon lange keine Sendung mehr, die nur für Frauen spannend ist. Der Männeranteil bei den Zuschauern liegt durchschnittlich bei 32 Prozent!“ sagen die Erfinderinnen.

Das Schlachtschiff der Feministinnen

(Emma.de)Unter den Zeitschriften, die Frauenthemen anders angehen, gibt es natürlich auch noch die Emma. Die verantwortlichen Redakteurinnen, die sich in Köln um Alice Schwarzer, die Gründerin der monatlich erscheinenden Zeitschrift scharen, behandeln meist hochpolitische Themen aus kämpferisch offensiver und provozierender Perspektive. Die symbolische Wichtigkeit der Vulva in vielen Kulturen, die Diskussion um ein mögliches frauenfeindliches Motiv des Amokläufers von Winnenden, der Kampf um das Recht auf Abtreibung in Deutschland und seine Entwicklung sind einige der Themen der Juli- und Augustausgabe 2009 der Emma.

In allen deutschsprachigen Ländern erhältlich wird die Emma sowohl von jungen als auch von älteren Frauen gerne gelesen, wenn man denn den Leserinnenzuschriften Glauben schenken mag. Sie profitiert vor allem von dem hohen Bekanntheitsgrad Alice Schwarzers, der Gallionsfigur des deutschen Feminismus, deren Ansichten jedoch nicht von allen Frauen der jüngeren Generation geteilt werden. Daher ist die Emma für viele gleichbedeutend mit einem Protestgeist, der schon länger aus der Mode gekommen ist.

Ein Kölner Turm in Frauenhand

Hinter dem Kölner Frauenmediaturm, einem mittelalterlichen Gebäude, das eine Bibliothek und ein Dokumentationszentrum des Feminismus beherbergt, stößt man noch auf die Journalistin, die einmal an der Seite von Simone de Beauvoir und des Mouvement de libération de la femme (MLF, auf Deutsch „Frauenbewegung“; A.d.R.) gekämpft hat. In der Bibliothek reihen sich Bücher aneinander, auf denen die Gesichter und Namen so berühmter Künstlerinnen und Politikerinnen wie Louise Bourgeois, Maria Lassnig, Cindy Sherman, Niki de Saint Phalle, Elfriede Jelinek und sogar Angela Merkel abgebildet sind. Hier stößt man auch auf das Frauen- und Lesbenmagazin Krampfader und erkennt dabei, wie weit man hier von so aufreizenden Titeln wie Cosmopolitan und Glamour entfernt ist.

Neben der besonders für Frauen interessanten Literaturauswahl ist der Frauenmediaturm auch sehr stolz auf seinen Thesaurus. Dieses Wörterbuch vereint alle Wörter, die das gängige deutsche Vokabular verändern, um gegen Sexismus in der Sprache und gegen die durch sie vermittelten traditionellen Bilder zu kämpfen. Es handelt sich also um eine Art Handbuch der political correctness, das nicht nur bei den eigenen gender studies hilfreich ist. Für den Kampf um die Einrichtung dieses Zentrums in einem historisch wichtigen Kölner Turm brauchten die Initiatorinnen einen langen Atem. Alice Schwarzer konnte schließlich den Bayernturm in Besitz nehmen, der der Legende nach seinen Bewohnern Allmacht verleiht. Gisela Manderla, die Vorsitzende der Frauen Union Köln stellt fest: „Heute ist der Umstand, das dieser für Köln so wichtige Turm in Frauenhand ist, allgemein anerkannt.“

Vielen Dank an Yvonne und das Kölner cafebabel-Localteam!