Gesellschaft

Deutschland: BBC-Weltmeister der Herzen

Artikel veröffentlicht am 14. März 2011
Artikel veröffentlicht am 14. März 2011
Auszeichnung und Denkzettel: Der britische Nachrichtensender BBC kürt Deutschland zum beliebtesten Land der Welt.

Alle Jahre wieder befragt der britische Nachrichtensender BBC eine repräsentative Anzahl an Weltbürgern. Die Frage: Welches Land von insgesamt 16 großen Nationen hat besonders positiven Einfluss in der Welt? Wie in den vergangenen Jahren lautete auch 2011 die Antwort: Deutschland. Befragt wurden 29 000 Menschen aus 27 verschiedenen Ländern. 62 Prozent von ihnen stimmten für Deutschland. Den zweiten und dritten Rang unter den weltweiten Nations-Lieblingen nehmen Großbritannien und Australien ein. Weit abgeschlagen, auf den letzten Plätzen: Iran, Nordkorea und Pakistan.

Überrascht sind darüber wohl wieder einmal nur die Deutschen selbst. Zwar betont die Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, das Ergebnis der Studie sei eine Bestätigung für die Erfolge der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Allzu viele Lorbeeren aber bereiten in Deutschland traditionell Unbehagen. Nach Jahrzehnten unermüdlicher Vergangenheitsaufarbeitung zählt zum gesellschaftlichen Konsens, dass an deutschem Wesen die Welt nicht mehr genesen soll. Beinahe reflexartig fällt einem angesichts des Auswärtssieges ein, wo es hierzulande überall hakt: Die Rekordverschuldung, die schleppende Hartz-4-Reform, der Koalitionskrach, die Integrationsdebatte. Exportweltmeister ist Deutschland seit 2009 nicht mehr, und auf dem Oktoberfest herrscht Rauchverbot.

Überrascht sind darüber wohl wieder einmal nur die Deutschen selbst.

Aber das Glück liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Wer reist, wird wissen, dass man als Deutscher noch nicht einmal den europäischen Kontinent verlassen muss, um anerkennendes Schulterklopfen zu ernten. Schließlich kommt man aus dem Land, in dem „alles“ funktioniert, das den Mercedes erfunden hat und in dem Derrick gedreht wurde. Sogar Angela Merkel wirkt aus der Ferne zupackender und zugleich mütterlicher als im alltäglichen Hick-Hack der Innenpolitik.

Die Einhelligkeit jenseits des bundesrepublikanischen Tellerrands ist nicht nur eine Nachwirkung des Fußball-Sommers 2006 oder das Resultat des Touristenansturms auf die hippe Hauptstadt. Deutschland wird gleichgesetzt mit Wohlstand und Demokratie. An dieser Außenwahrnehmung können weder kompetente Kritiker noch ewige Nörgler im Innern etwas ändern. Die arabischen Revolutionen schließlich haben einmal mehr daran erinnert, dass dies der Stoff ist, aus dem die Träume der Menschen in vielen Ländern gemacht sind. Das Siegertreppchen der Nationen ist daher sicher nicht der schlechteste Ort, um gerade jetzt noch einmal daran zu erinnern, dass Deutschlands Außenpolitik tatsächlich mehr sein muss als ein demokratisches Lippenbekenntnis. 

Fotos: HP (cc)chrskovgaard/flickr; Familienporträt (cc)faeanna/flickr