Gesellschaft

Das François-Hollande-Syndrom

Artikel veröffentlicht am 6. Oktober 2006
Artikel veröffentlicht am 6. Oktober 2006
Am 8. März ist Weltfrauentag. Inzwischen wissen Frauen immer besser, wie man sich durchsetzt und die Männer auf die Plätze verweist.

Glaubt man dem Online-Magazin Bloomberg, dann ist die Sozialistin Ségolène Royal die einzige, die im Rennen um die französische Präsidentschaft den Kandidaten der Mitte-Rechts-Koalition, Nicolas Sarkozy, noch einholen kann. Royal ist frisch, intelligent und lernwillig. Ihr Charme und ihr sicheres Auftreten haben die französischen Wähler schon jetzt eingenommen. Aber sie hat damit auch ihren eigenen Lebenspartner François Hollande, Chef der Sozialistischen Partei, aus dem Rampenlicht gedrängt. Auch er hat einmal davon geträumt, in den Elysée-Palast einzuziehen, jenes prunkvolle Anwesen, das französischen Präsidenten als Amtssitz dient.

Aus der Traum: das Lächeln seiner eleganten Ehefrau, ehemalige Ministerin und heute Präsidentin der Atlantik-Region Poitou-Charentes, sowie einige Schnappschüsse, die sie im Bikini zeigen, zieren nun die Cover der Boulevardmagazine. Selbst seriöse Blätter propagieren in Schlagzeilen die neue „Ségomania“.

Alphamännchen an der Macht

Wie ein „alter Elefant“ muss sich der so linke wie linkische Hollande gerade vorkommen – so bezeichnen Franzosen nämlich eingessene sozialistische Parteikader. Wird „Monsieur Royal“ nun in den wenig prestigeträchtigen Club vergessener Ehemänner eintreten müssen? So wie Margret Thatchers Denis, Britney Spears’ K-Fed oder Angela Merkels Joachim?

Sic transit gloria mundi. Doch Hollande steht mit seinem Schicksal nicht allein. Die Männer hat das Schicksal der Moon-Boots ereilt: Sie sind aus der Mode gekommen. Sicher: Die europäische Politik wird auch heute noch Alphamännchen beherrscht. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und mehr als 150 weibliche Abgeordnete des schwedischen Parlaments sind da nur Ausnahmen. Denn wie UK Government institution festhält, sind im Durchschnitt nur 35 Prozent der Abgeordneten in den nationalen Parlamenten Frauen.

Das Blatt wendet sich

Dementsprechend schlecht sind die Arbeitsmarktbedingungen. Denn noch immer hindert eine unsichtbare Barriere Frauen daran, so genannte „C-level“-Positionen einzunehmen, wie Führungsstellen im Managementdeutsch genannt werden. Laut einer Studie des Ethical Investment Research Service sind weniger als zehn Prozent der französischen, deutschen und britischen Geschäftsführer weiblich. In Italien und Spanien haben sich die Träger der Y-Chromosome eine unerschütterlich Bastion aufgebaut: Mehr als 95 Prozent der Chefpositionen werden dort von Männern besetzt. Wo auch immer sie arbeiten, europäische Frauen verdienen im Durchschnitt 15 Prozent weniger als Männer.

Doch das Blatt wendet sich. Viele der weiblichen Angestellten, heißt es nun, seien besser ausgebildet, arbeiteten härter und kommunizierten besser als ihre männlichen Kollegen. Der Economist legt noch nach: Männer stellten sich nur in solchen Jobs besser an, die eine gute „Hand-Auge-Koordination“ erforderten. In diese Kategorie fällt unter anderem das Jagen wilder Tiere mit Pfeil und Bogen. Jungs haben auch ein ausgezeichnetes Vorstellungsvermögen, mit dem sie dreidimensionale Objekte vor ihrem inneren Auge in verschiedene Richtungen bewegen können. Doch das können Computer inzwischen besser.

Wer verdient die Brötchen?

Immer mehr Frauen sind es, die das Familiensäckel füllen. In Frankreich und den USA verdient jede dritte Frau mehr als ihr Partner, so das französische Magazin L’Express. Dennoch bestimmen alte Rollenbilder immer noch das Denken: Männer neigen eher als Frauen dazu, Job und Einkommen als Beweis des eigenen Wertes zu interpretieren.

Werden diese Rollen vertauscht, fühlen sich viele Männer entmannt und gefangen. „Männer fühlen sich schlecht, wenn sie weniger Erfolg haben und versuchen, das daheim mit übertriebenen Ansprüchen auszugleichen“ sagt die New Yorker Psychotherapeutin Debra Burrell, Gründerin des Mars & Venus Beratungszentrums. In diesen Fällen ziehen die Männer dann meist den Ärger ihrer Partnerinnen auf sich. „Frauen sind besonders dann aufgebracht, wenn die Dinge nicht wie abgemacht laufen, und reagieren mit Verachtung und Respektlosigkeit.“

Die Paartherapeutin Harriet Pappenheim, Autorin des Buches “Wie Sie Ihre Ehe führen können, wenn sie das Geld verdient“ fügt hinzu: „Das kann für Frauen hart sein, vor allem, wenn sie Kinder haben. Wenn ihr Job sie davon abhält, genügend Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, schlägt ihr Frust schnell in Aggression gegen den Partner um“. Das wollen wir für François Hollande nicht hoffen. Schließlich haben er und Ségolène Royal vier Kinder.

In einer Welt, in der Frauen die Restaurantrechnungen begleichen und Männer das Frühstück zubereiten, sollten Hollande und Kompagnons auf Maureen Dowd, Kolumnistin der New York Times hören. Sie hat ein Buch mit dem schönen Titel „Sind Männer notwendig?“ verfasst, in dem sie phrophezeit: „Es wird eine gerechte Welt geben. Es wird korrupte Firmenchefinnen und untreue Präsidentinnen geben. Wir werden die Welt regieren – auf männliche Art, versteht sich.”