Gesellschaft

Das cafebabel-Unwort des Jahres 2009

Artikel veröffentlicht am 22. Dezember 2009
Artikel veröffentlicht am 22. Dezember 2009
Es ist wieder so weit - die Jahreswende steht vor der Tür. 2009 in einem (Un)wort zusammenfassen? Keine leichte Aufgabe. Das cafebabel-Team hat es trotzdem versucht.

Ist es möglich 365 Tage, 8760 Stunden und über 3 Millionen Sekunden in nur einem Wort zusammen zu fassen? In Deutschland ist dies möglich - und zwar bereits seit 1977: In diesem Jahr hat sich die Gesellschaft für deutsche Sprache nach der Finanzkrise von 2008 für das Wort Abwrackprämie entschieden, das deutsche Paradebeispiel der Krisenlösung im Automobilsektor. Durchaus interessanter ist jedoch die sprachkritische Aktion „Unwort des Jahres‘, die 1991 von Wissenschaftlern der Uni Frankfurt ins Leben gerufen wurde, um grobe, manchmal unangemessene oder verletzende Termini eines Jahres Revue passieren zu lassen. Peanuts (1994), Herdprämie (2007) oder notleidende Banken (2008) hießen die Kandidaten der letzten Jahre. Für 2009 suchen die cafebabel-Redaktionen nun europaweit nach dem (Un)wort des Jahres 2009.

Die englischsprachigen Babelianer konnten sich gut mit dem vom New Oxford American Dictionary für 2009 nominierten unfriend ('entfreunden') identifizieren. Mit einem Klick kann man sich damit in virtuellen Netzwerken wie facebook oder StudiVZ eines 'Freundes' entledigen.

Dieser negative Einstieg zieht sich wie ein roter Faden durch die meistvorgeschlagenen cafebabel-Worte des Jahres 2009: recession, referendum oder auch unemployment (Arbeitslosigkeit). Dana, eine lettische Kollegin, schlägt sabrukums ('Kollaps') vor. Angesichts der Wirtschaftslage des baltischen Tigers 2009 ist diese Wahl nicht weiter verwunderlich. Władek, vom cafebabel-Team in Warschau, tendiert seinerseits zum polnischen niepewność ('Schwebe'), ein Zustand, der seiner Meinung nach auf die allgemeine wirtschaftliche, politische und gesundheitliche Krise folge.

Die französischen Babelianer blicken mit dem Wort népotisme ('Vetternwirtschaft') besonders auf das politische Jahr 2009 in Frankreich zurück - ein Seitenhieb auf die Nominierung von Sarkozys Sprössling Jean für einen Pariser Spitzenposten.

Die Italiener entscheiden sich einstimmig für escort und verweisen, ähnlich wie es der Cavaliere 2009 vorgemacht hat, auf die enge Verbindung zwischen Politik und Privatem in Italien.

In Deutschland steht beispielsweise Kopftuchmädchen, der vom Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin geprägte, ausländerfeindliche Begriff, als Unwort des Jahres 2009 zur Debatte. Schöner finden wir jedoch den Westerwilli - den schwarz-gelb gestreiften, neuen besten Freund von Biene Merkel, der seit seiner Nominierung zum Außenminister mit dem Guido-Mobil auch auf ausländischem Parkett glänzen muss - sein Einstieg 'in English' war eher kläglich.

Aus der Slowakei kommt im Rahmen des 2009 verabschiedeten, umstrittenen Sprachgesetzes der Vorschlag jazyk ('Sprache'). Das slowakische Sprachgesetz sieht vor, dass in öffentlichen Einrichtungen nur noch Slowakisch benutzt werden darf und sorgte für Unfrieden mit den ungarischen Nachbarn, die ihre Minderheitenrechte untergraben sehen. Laut Michaela aus Bratislava „wurde die Sprache zu einer Waffe instrumentalisiert, die die Menschen nun gegeneinander verwenden“.

Sprachen sind auch in Belgien das Motto des Wortes 2009: Cyrielle schlägt in diesem Sinne das Wort uniformité vor! Denn „niemand kann einen Konflikt nur auf Basis verschiedener Sprachen lösen (Französisch, Flämisch in Belgien). Die Schweizer kriegen das doch auch hin…“.

Eine positive Note für 2009 kommt aus Katalonien. Mauro stimmt für triplet (Dreier), denn seine Mannschaft, der FC Barcelona, hat 2009 3 wichtige Siege nach Hause gebracht.