Gesellschaft

Brüssel: Globale Unternehmer gipfeln grün

Artikel veröffentlicht am 21. Januar 2011
Artikel veröffentlicht am 21. Januar 2011
Vor drei Jahren hatte die Griechisch-Dänin Nike Kondakis zufällig einen alten Fallschirm gefunden und kurzerhand beschlossen, dass dieser ein tolles Material für ein neues Kleid hergebe. Heute ist die Jungunternehmerin mit 28 Jahren Besitzerin einer eigenen kleinen Modefirma, welche in Kenia aus gebrauchten Fallschirmen Couture und aus Totholz Schmuck herstellt.

"Mode war - ökologisch gesehen - schon immer mein Hobby, da ich alte Dinge gern zu etwas Neuem umgestaltete", erklärt Nike Kondakis. Sie ist eine der zwanzig jungen 'green entrepreneurs' aus der ganzen Welt, die an dem Co-Creation Workshop teilnehmen, welchen die Generation Europe Foundation (GEF) Anfang Dezember 2010 in Brüssel organisiert hat. "Dann habe ich ein Jahr in Kenia an einem Entwicklungsprojekt mit Massai-Mädchen gearbeitet. Ein Jahr später übergab ich das Projekt lokalen Managern und gründete schließlich meine eigene Firma." Drei Tage lang sammelten die Jungunternehmer in Brüssel gemeinsam mit Vertretern aus dem Sozial-, Privat- und Öffentlichkeitsbereich Ideen, wie nachhaltige grüne Projekte in ihren jeweiligen Ländern besser umzusetzen seien. 'Nachhaltig' heißt dabei sowohl respektvoller Umgang mit der Umwelt als auch Rentabilität der Projekte.

Brüssel – Gastgeber in grün

Ähnliche Kongresse rund um grüne Themen finden häufig in der Europahauptstadt statt. Es ist sicherlich die Nähe zu den zentralen Beschlussorganen – dem Europäischem Rat und dessen Umweltbüro – oder auch die kosmopolitische Atmosphäre der Stadt, die Brüssel zum Mekka in puncto grüne Brainstormings macht. Zudem arbeitet die Stadt mit der Green Streets Conference, der kommenden ICLEI European Convention 2011 und der Green Week - der größten Jahreskonferenz über das Europäische Umweltprogramm, die im Mai 2011 zum elften Mal stattfindet, zusammen.

Der grüne Trend hat nun schon seit Jahren den Planeten erfasst. Es ist also nicht weiter überraschend, dass 'grün' auch in der freien Marktwirtschaft salonfähig geworden ist. Nike hat sieben Angestellte und fertigt dabei maßgeschneiderte Kleider für über tausend Dollar das Stück an. Sie ist nicht etwa Idealistin, die sich den Kampf gegen den Umweltsünder Modeindustrie auf die Fahnen geschrieben hat, sondern vielmehr eine gerissene Geschäftsfrau, die ihre originelle Idee erfolgreich umsetzt. Wird sie gefragt, was sie gegen das mangelnde Umweltbewusstsein in Kenia unternimmt, gibt sie die Antwort eines Politikers: "Ich kann das nicht beheben. Darauf war ich auch nie aus."

Öko-Business

Jean-Claude Bwenges aufstrebende Firma Entreprise la Perfection arbeitet an verschiedenen grünen Projekten mit den Themenschwerpunkten erneuerbare Energien, Biogas und Informations- und Kommunkationstechnologien (ICT). "Grüne Unternehmen zu unterstützen und sich gegen umweltschädliche Firmen zu aufzulehnen ist ein zentraler Weg, Umweltverschmutzung zu bekämpfen und damit den Planeten zu retten", sagt der Ingenieur und Unternehmer aus Ruanda in seiner Broschüre. Vis-à-vis gibt der 29-Jährige allerdings zu verstehen, dass die Motive seiner Wahl für umweltfreundliche Projekte weitaus weniger romantisch gewesen seien. "Mit 'grün' geht man kein Risiko ein. Bei anderen Technologien können die Behörden nach drei Jahren kommen und die Produktion stoppen. Wenn man sich auf die grünen Technologien konzentriert, kann man hingegen sogar ihre Unterstützung bekommen."

Langsam aber sicher erreichen wir das, was in den Worten Stien Michiels, dem GEF Workshop Guide, die "Heirat zwischen Geschäftswelt und Umweltschutz" ist. "Es gibt viele sozial engagierte Menschen, die daran arbeiten, die Welt besser zu machen, die jedoch glauben, dass alles Business böse sei", sagt Didem Uygun, 22 Jahre und grüner Blogger und Aktivist aus der Türkei. "Es handelt sich um nachhaltiges Business – man macht Geld, um dieses anschließend wieder in die Umwelt und in soziale Projekte zu investieren. Zudem sind die Resultate auf dem Markt besser messbar. Einer dieser Unternehmer ist der 22-jährige Tariq al Olaimy aus Bahrain. Er ist Co-Gründer und Direktor von Al Tamasuk (arabisch für 'Zusammenhalt'), einem preisgekröntem Unternehmen, welches Über Krankheiten wie Diabetes aufklärt und sich in Prävention und Schulung spezialisiert hat.

"Ich habe lange darüber nachgedacht wie man diese Probleme im Sinne einer sozialen Unternehmenskultur angehen könnte", sagt Tariq, "aber der Auslöser war dann schließlich die Global Entrepreneurship Week in Bahrain im Jahr 2009. Es gab da einen Gründer-Wettbewerb – nach dem Motto stell eine Idee vor und bekomm das Startkapital dafür. Ich lernte meine Co-Gründer dort kennen, wir verstanden uns prima, und ich gewann!" Die Diabetes-Workshops der Organisation werden von blinden Seminarleitern in kompletter Dunkelheit abgehalten, um so der sehenden Bevölkerung zu vermitteln, was es heißt, wegen diabetischer Retinopathie erblindet zu sein. Die Gehaltschecks kommen von den geschäftlichen Workshops, für welche Al Tamasuk Geld nimmt. Gewinne werden investiert, um gratis Workshops an Schulen abzuhalten.

Man möge zwar behaupten, dass Arbeit und Ideale nicht immer eine glückliche Hochzeit eingehen. Denn wer richtet denn schließlich den größte Umweltschaden an, wenn nicht die großen Unternehmen und Firmen? Der zweite Blick enthüllt jedoch ebenso marxistische Paradigma. Sich um die Umwelt zu kümmern wird deutlich profitabler als sie zu verschmutzen: Und das ist es doch, was wir alle wollen oder?

Dieser Artikel ist Teil unserer cafebabel.com Reportagereihe Green Europe on the ground 2010/2011.

Fotos: (cc)kygp/flickr; ©Diana Duarte