Gesellschaft

Belgien legalisiert Sterbehilfe für Kinder

Artikel veröffentlicht am 14. Februar 2014
Artikel veröffentlicht am 14. Februar 2014

Belgien erlaubt als erstes Land weltweit unter strengen Voraussetzungen die aktive Sterbehilfe für Kinder. Das Parlament beschloss am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz. Einige Kommentatoren loben die belgische Gesellschaft für die respektvolle Debatte vor der Entscheidung. Andere sehen einen Tabubruch, der Folgen nicht nur für Belgien hat. 

De Standaard - Belgien: Eine erstaunlich respektvolle Debatte

Die Diskussion um aktive Sterbehilfe für Minderjährige wurde in Belgien überraschenderweise mit großer Ernsthaftigkeit geführt, lobt die liberale Tageszeitung De Standaard: "Die Debatte hat gezeigt, dass Respekt entscheidend ist. Es ist gut, innerhalb gesellschaftlich akzeptierter Grenzen, die Möglichkeit zu schaffen, über das eigene Schicksal zu bestimmen. Aber es ist auch unwiderlegbar, dass dieser größere Raum für individuelle Entscheidungen die Gesellschaft beeinflusst. Sowohl das leidende Individuum als auch die Gesellschaft haben ein Recht sich zu äußern. Beide verdienen es, vom Gesetz geschützt zu werden. Nur mit gegenseitigem Respekt kann ein gutes Gleichgewicht gefunden werden. Das bleibt eine dauerhafte Aufgabe. Es ist bemerkenswert, dass in einem Land, das in so vielen Bereichen so polarisiert ist, diese Debatte heftig aber doch ernsthaft geführt wurde. Das ist ein Zeichen für Reife." (Artikel publiziert am 14.02.2014

Rzeczpospolita - Polen: Ein Angriff auf die Zivilisation an sich

Die menschliche Gesellschaft an sich sieht nach der belgischen Entscheidung die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita in Gefahr: "Der Chef der niederländischen Ärzte-Vereinigung, Karl Gunnig, hat einmal treffend gesagt: 'Wir haben immer vorausgesehen, dass die Liste der Folgeprobleme sehr lang wird, wenn wir einmal die Tötung als Lösung zugelassen haben.' Mit der Entscheidung der Belgier sehen wir diese Aussage wieder einmal bestätigt. ... Stellen wir uns doch einmal ein Kind vor, dessen Krankheit eine große Belastung für die Eltern darstellt. Nun werden diese versuchen, so auf ihren Sprössling einzureden, dass er schließlich um Sterbehilfe bittet. Damit hat man eine weitere Grenze überschritten, ein neues Tabu gebrochen und einen Schritt vollzogen, der letztlich zur Zerstörung unserer gesamten Zivilisation führen kann." (Artikel publiziert am 14.02.2014

Pravda - Slowakei: Sterbehilfe für Kinder überschreitet Grenzen

Über Leben und Tod von Kindern kann man nicht entscheiden, findet die linke Tageszeitung Pravda: "In unserer heutigen Welt scheint vieles zulässig zu sein. Doch ungeachtet dessen gibt es eine natürliche Grenze, die man nicht gern überschreitet. Und so ist auch für viele liberal denkende Menschen in der Diskussion um die Sterbehilfe für Erwachsene nur schwer vorstellbar, dass diese auch für Kinder gelten soll. Minderjährige sind für ihre Taten nicht verantwortlich. Sie dürfen schon in anderen Angelegenheiten, die deutlich weniger grundsätzlich sind als die Frage von Leben oder Tod, nicht entscheiden. Die heutige Medizin ist in der Lage, mögliche Erkrankungen schon am Fötus zu erkennen. Trotzdem entscheiden sich betroffene Eltern für das Kind. Und zur allgemeinen Überraschung sind dann manche dieser Kinder bei der Geburt völlig gesund. Welcher Arzt hat so viel Courage zu behaupten, dass ein Kind unheilbar krank ist? ... Niemand hat das Recht, Gott zu spielen." (14.02.2014) 

La Repubblica - Italien: Ideologische Grabenkämpfe fehl am Platz

Anstatt ein ideologisches Gefecht über das belgische Gesetz zu führen, sollten wir uns ernsthaft mit der Frage von Leben und Tod befassen, mahnt die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Wenn man mit so einem schrecklichen Thema konfrontiert ist wie der Sterbehilfe für Kinder - und der Sterbehilfe für Neugeborene als schrecklichem Unterkapitel - ist es ratsam, innezuhalten. ... Eine solche Haltung kann vielleicht als opportunistisch oder gar feige ausgelegt werden. Doch sie bedeutet nicht, dass man der Verantwortung entflieht, weil sie zu groß ist - was auch legitim wäre. Sondern diese Haltung zwingt im Gegenteil dazu, sich weder hinter absoluten Prinzipien noch hinter improvisierten Kommentaren über Entscheidungen Dritter zu verschanzen, sondern sich der Frage von Leben und Tod wirklich zu stellen und mit sich selbst ins Gericht zu gehen." (14.02.2014) 

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