Gesellschaft

Athen: Auf den Spuren deutsch-griechischer Klischees

Artikel veröffentlicht am 3. August 2010
Artikel veröffentlicht am 3. August 2010
Es ist inzwischen bekannt: die deutschen wie die griechischen Medien haben die Krise genutzt, um ihre Absatzzahlen zu steigern. Venus gegen Hakenkreuz - die Presse hat sich gegenseitig mit Berichten über die Unterschiede zwischen den beiden Ländern in Krisenverhandlungen überboten. Eine ernsthafte Analyse der wirtschaftlich und politisch fragilen Situation Europas wurde nicht geliefert.
In Athen hat sich ein in Berlin lebender italienischer Journalist mit der Kamera auf den Weg gemacht. Er will die soziale Realität der Griechen unter dem Einfluss der Krise filmen. Hier in bewegten Bildern eine Reihe von Meinungen über die deutsch-griechischen Spannungen, die Gründe für Griechenlands Pleite und Zukunfts-Erwartungen.

Juli 2010. In Berlin wird eine neue griechische Botschaft gebaut, mitten in der Innenstadt, in Tiergarten. Ein positives Zeichen, weit weg von den Keulenschlägen, die von den Medien beider EU-Länder ausgeteilt wurden. Seit das europäische Darlehen von 120 Millionen Euro für Griechenland nach monatelanger deutscher Blockade genehmigt wurde, hat die deutsche Presse ihre diffamierende Kampagne gegen die Hellenen eingestellt.

In Athen hat cafebabel.com Protagonisten beider Lager getroffen. Hans Peter Hoffman, der Leiter des Pressedienstes der deutschen Botschaft in Athen, schlägt eine posttraumatische Analyse der "wahren" Beziehungen zwischen den beiden Ländern vor. Antonis, ehemaliges Mitglied der griechischen Handelskammer, beantwortet unsere Fragen im Hilton, weit weg von den politischen und wirtschaftlichen Problemen, die sein Land erschüttern.

In Athen ist nachts immer was los und die Straßen sind voller Nachtschwärmer. Auch die Krise wird das nicht ändern. Fernab von deutschen und europäischen Medienberichten schildert uns Gregoris, ein junger Theaterdirektor, seinen Standpunkt zu den Schwierigkeiten, die Griechenland durchläuft. Ioannis, ein junger Ingenieur, der im schicken Viertel Pyschico als Barmann arbeitet, spricht hingegen über seine Meinung zu Angela Merkel.

Es wäre leichtsinnig, die wirtschaftlichen und politischen Spannungen in Griechenland - und somit im Zentrum Europas - als einfache „Seifenblase“ abzutun. Eines ist nämlich sicher: die Griechen und alle Europäer werden sich mit dem Ursprung des Wortes "krisis" auseinandersetzen müssen, welches „Wahl“ bedeutet. Eine Entscheidung muss also getroffen werden.

Ein großes Dankeschön an das Team von cafebabel.com in Athen!

Artikellogo ©karstalipp/flickr

Videos ©Gabriele Nugara: YouTube/GiobertiWunderKammer