Gesellschaft

Amflora abgesegnet: Bald Genkartoffeln auf Europas Tellern?

Artikel veröffentlicht am 3. März 2010
Artikel veröffentlicht am 3. März 2010
Die EU-Kommission hat am Dienstag die Genkartoffel Amflora zugelassen, die zur Gewinnung von Industriestärke dient. Seit 1998 hat kein genetisch veränderter Organismus mehr die Erlaubnis zum Anbau bekommen. Damit gibt Brüssel dem Druck der Agrarkonzerne nach, meinen einige Kommentatoren.

La Repubblica: „Für Welteroberungspläne war Europa von strategischer Bedeutung“; Italien

Die Zulassung der Genkartoffel Amflora in der EU ist die Folge der Geschäftsinteressen multinationaler Konzerne, meint der Slow-Food-Gründer Carlo Petrini in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica: "Europa ist für die Hersteller gentechnisch veränderter Organismen (GVO) ein verlockender Happen. Für ihre Welteroberungspläne war der Kontinent von strategischer Bedeutung, aber dann ist etwas schief gelaufen: Aufschübe, Misstrauen oder Verweigerung seitens der Bürger, gesetzlich bindende Vorsichtsmaßnahmen. Mit dem Erfolg, dass im vergangenen Jahr die Agrarfläche mit GVO-Anbau auf dem Kontinent um zwölf Prozent zurückgegangen ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass, wenn die multinationalen Hersteller von GVO in den nächsten zwei Jahren nicht an die Märkte gelangen, die ihnen bisher noch verwehrt werden, sie ihre Pläne drastisch revidieren. Sie werden dann gewaltige wirtschaftliche Verluste einstecken müssen, und das ist der wahre Grund der x-ten Offensive gegen den gesunden Menschenverstand und den Willen der europäischen Bürger, die Amflora-Kartoffel zuzulassen." (Artikel vom 03.03.2010)

Les Echos: „Genkartoffel kann Hungerproblem in der Welt teilweise lösen“; Frankreich

Lest unser Njam Miam zur echten Kartoffel: Die misstrauischen Kartoffelesser

Genetisch veränderte Nutzpflanzen könnten den Hunger auf der Welt verringern, meint die Wirtschaftszeitung Les Echos, auch wenn die Franzosen sich gegen grüne Gentechnik sperren: "In der Landwirtschaft wollen einige immer noch kein Risiko eingehen. Nach den Agrargroßmächten USA und Brasilien gehen inzwischen sogar unsere europäischen Nachbarn nach und nach zu genetisch veränderten Organismen über. Die französischen Bauern hingegen werden sich während dieser technischen Revolution in einer marginalen Position wiederfinden. Diese eigensinnige Haltung in Frankreich ist umso unverständlicher, als die so verteufelten genetisch modifizierten Organismen es erlauben würden, das Problem des Hungers in der Welt teilweise zu lösen. Sie könnten auch zu einer nachhaltigeren Entwicklung beitragen. Indem die Europäische Kommission gestern angekündigt hat, dass sie eine genveränderte Kartoffel für den Markt zulässt, hat sie die Debatte wieder in Gang gebracht. Eine gute Idee." (Artikel vom 03.03.2010)

Novinar: „Ist die neue Genkartoffel erst der Anfang?“; Bulgarien

Die Zustimmung der EU-Kommission zum Anbau der Genkartoffel Amflora wird in Bulgarien die Kontroverse um mögliche Gesetzesänderungen noch weiter verschärfen, meint die Tagezeitung Novinar: "Was bedeutet dieser EU-Beschluss? Dass die Union ihre Politik gegenüber genetisch veränderten Organismen (GVO) ändert? Dass die neue Kartoffel erst der Anfang ist und weit mehr Genpflanzen nach Europa stürmen werden? Dass die Genlobby enormen Druck auf die EU ausübt und sie dem nachgibt? Dass es unausweichlich ist, genetisch veränderte Lebensmittel zu akzeptieren, da wir alle im selben Boot sitzen? Wer weiß. Dieser Beschluss wird uns in Bulgarien mit Sicherheit sehr durcheinander bringen. Kommt er doch zu einer Zeit, in der wir zaudern und in den Debatten um GVO Für und Wider aufeinanderprallen."

(Artikel vom 03.03.2010)

Foto: ©Jordan Prestrot/flickr