Gesellschaft

AMAP und Co: Wenn sich die Landwirtschaft körbeweise an die Uni einlädt

Artikel veröffentlicht am 5. April 2011
Artikel veröffentlicht am 5. April 2011
Das System der französischen Verbrauchervereinigung für die Beibehaltung der bäuerlichen Landwirtschaft (Association pour le Maintien d’une Agriculture Paysanne, kurz AMAP) hat sich seit zwei Jahrzehnten auch in Europa stetig weiterentwickelt. In den letzten Jahren haben sich auch mehr und mehr landwirtschaftliche Studenten-AMAP zusammengeschlossen.
Eine Reise von Nantes bis Palermo zwischen Sortierern und Karotten.

Ein System, das sich Portemonnaie und Stundenplan anpasstDie Verbrauchervereinigungen für die Beibehaltung der bäuerlichen Landwirtschaft (AMAP) bieten ihren französischen Anhängern Lebensmittel für gute Qualität. Zudem beziehen sie ihre Lebensmittel oft aus biologischer Produktion und reduzieren die Kosten ihres Einkaufs, indem sie Produkte aus der lokalen Landwirtschaft bevorzugen und diese somit unterstützen. Die Hersteller bieten eine Qualitätsgarantie und Preise, die sich sehen lassen können. Die AMAP haben es sich außerdem zum Ziel gesetzt, gegen die globale Erwärmung zu kämpfen: Sie setzen auf kurze Wege und fördern den Dialog zwischen der landwirtschaftlichen Welt und der Großstadt.

In den verschiedenen europäischen Ländern läuft das Modell unter unterschiedlichsten Namen. Das Prinzip bleibt jedoch immer das gleiche: Reciproco in Portugal, GASAP in Belgien, Landwirtschaftsgemeinschaftshof in Deutschland, ACP in der Schweiz, GAS in Italien, ASC in Spanien, Pergola-associates in den Niederlanden, Landbrugs Lauget in Dänemark oder CAS in englischsprachigen Ländern.

AMAP an der Uni: ein Leitfaden

In Frankreich geben Studierende durchschnittlich 37% ihres Budgets für Lebensmittel aus, das sind ca. 190 € im Monat. Diese Summe muss aber nicht zwingendermaßen bedeuten, dass man sich auch ausgewogen ernähren kann. Deshalb haben einige Studenten aus dieser Realität heraus Uni-interne AMAP gegründet. Da wären zum Beispiel Mathilde, die Mitglied im AMAP-Verein Fac Verte (Grüne Uni) in Tours ist und Joachim, Mitglied der Paniers de Gaston (Gaston-Körbe) in Marseille. Sie erklären cafebabel.com, wie man als Student einen AMAP-Verein an der Uni einrichten kann. Beide Vereine verkaufen wöchentlich Körbe mit Bio-Produkten an die Studenten ihrer Unis.

Die Basics:

Stabiler Grundpreis: Jeder Korb kostet 5 EuroAusgewogene lokale Varietäten: Von Sellerie über Lauch, Karotten, Äpfel und Petersilie sind vielseitige saisonale Produkte in den 60 Lebensmittel-Körben in Tours und Marseille vorhanden.Flexibilität: Die unterschiedlichen Stundenpläne der Studenten erfordern Flexibilität im Verkauf. Meistens wird in den Abendstunden gearbeitet.Rezeptvorschläge: Für abstruse Gemüsesorten werden Rezeptvorschläge inklusive mitgeliefert.Kommunikation: Eine E-Mail der Universität an alle interessierten Studenten kann eine wertvolle Unterstützung beim Planen und Verkaufen sein.Semesterferien: Eine Frage, die sich allen europäischen Studenten stellt, die das AMAP-Abenteuer wagen wollen: Wie kann der Vertrieb aufrecht erhalten werden, wenn die Studenten im Sommer mehrere Monate abwesend sind?

Echter Anreiz und Mittel zum Kampf gegen den "Selbstmord in der Landwirtschaft"

Laurent Jouve, ein Gemüsegärtner aus Oudon, in der Region Loire-Atlantique, versorgt 4 AMAP-Projekte in der Region von Nantes, darunter 2 Studentenvereinigungen: Bulliver und Fac Verte. Bis 2007 verlor er monatlich Geld mit der Kooperative, mit der er bis dato seine Produkte vertrieb. Heute hat er sein Geschäftsmodell umgestellt, beliefert mehrere AMAP und kann mittlerweile davon seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Vorteile:

Eine unabhängige Buchführung dank der Vorabzahlung der Kunden und dem Wegfall der Großhändler.Optimisierte Produktionsverhältnisse, da der Verkauf noch vor der Lieferung abgeschlossen wird. Somit werden traditionelle Verluste auf dem Markt vermieden.

Nachteile:

Das Anbieten von bis zu 12 Varietäten an Obst und Gemüse verhindert Größenvorteile in der Massenproduktion einer einzigen Varietät.

Für ihn waren die AMAP ein neuer StartWenn bei Laurent Jouve alles rund läuft, dann auch, weil er seinen Job mit Freude ausübt und dafür Anerkennung erntet. Die AMAP haben es ihm sogar kürzlich ermöglicht, einen Mitarbeiter einzustellen. Auch der direkte Kontakt zu den Kunden ist ein Anreiz für den Bauern, der damit den Eindruck gewinnt "nicht umsonst zu arbeiten" und im gleichen Atemzug seinen Beitrag gegen den medienpräsenten Selbstmord in der Landwirtschaft leistet.

Solidarische und kollektive Gärten

In Aix-en-Provence wird zudem darüber nachgedacht, mit der karitativen Hilfsorganisation Emmaüs zusammenzuarbeiten, um auch prekäre Studenten mit Obst- und Gemüsekörben zu versorgen. In Frankreich investiert die Gewerkschaft Fac Verte zusätzlich auf nationalem Niveau in die Schaffung neuer Kollektivhöfe- und Gärten.

Weitere AMAP-Studenten auf dem französischen und italienischen Campus:

Papill’on in Montpellier, Zest in Toulouse, les paniers de l’ETU in Poitiers, Fac Verte in Aix en Provence oder Energie citoyenne in Perpignan. In Italien existieren weitere Initiativen: Palermo, Turin, Padua oder Roma Tre in Rom sind Vorreiter. Zögert nicht, uns Projekte aus Euren Ländern vorzustellen!

Fotos: HP (cc)istolethetv/flickr ; Intext ©Fanny Hélène