Gesellschaft

Ab ins Ausland? 'Ein oft unterschätzter Bonus'

Artikel veröffentlicht am 19. Februar 2008
Artikel veröffentlicht am 19. Februar 2008
Daniel Porot ist Autor zahlreicher Karriere- und Bewerbungsratgeber für die Arbeitssuche auf dem europäischen Markt. Er unterrichtet an verschiedenen europäischen und amerikanischen Institutionen und Universitäten. Im Interview beschreibt er die Vorteile eines Auslandsaufenthalts.

Was für Vorteile hat es, die erste Berufserfahrung im Ausland zu sammeln?

Sie beweist dem künftigen Arbeitgeber, dass man flexibel und offen für Neues ist und vermittelt dem Globetrotter eine doppelte Kultur. Der junge Mensch öffnet für sich das Tor zu einer neuen Welt, auch wenn es sich nur um kurze Aufenhalte von beispielsweise drei Monaten handelt. Später kann er seine Horizonte dann erweitern, indem er sich durch die Erfahrungen, die er in der anderen Unternehmenskultur gemacht hat, für seine weitere Tätigkeit inspirieren lassen.

Gibt es auch Nachteile?

Das Problem ist, dass die jungen Leute nicht wissen, wie sie mit diesen Qualitäten gewinnbringend auf ihrem Lebenslauf punkten können. Man muss diese Art von Erfahrung so darstellen, dass der Arbeitgeber sofort den Nutzen sieht, den er daraus für sein eigenes Unternehmen ziehen kann. Ich habe einen jungen Italiener kennengelernt, der bei Nokia in Finnland gearbeitet hat und dem es gelungen ist, seine Technologie-Kenntnisse genau auf den italienischen Markt abzustimmen. Er hat sich durch jede seiner Erfahrungen weiter entwickelt.

Besteht das Risiko, nach der Rückkehr im eigenen Land keine Stelle mehr zu finden?

Nein, denn der Gang ins Ausland ist keine Flucht. Die wirkliche Flucht ist häufig der lange Weg derjenigen Studenten, die einen akademischen Abschluss nach dem anderen erwerben. Dieses Sammeln von Wissen ist schön, aber es bewirkt auch, dass man anfängt, sich vor der Realität zu drücken. Ins Ausland zu gehen ist ein schwieriger Schritt. Vor allem wenn man geht, bevor man einen Job gefunden hat. Aber auch dieser Mut ist ein Bonus, der häufig unterschätzt wird.

Wie zieht man aus dieser Art von Berufserfahrung Gewinn?

Auf dem Lebenslauf, indem man in drei Worten die Fähigkeiten zusammenfasst, die man sich angeeignet hat. Aber auch im Vorstellungsgespräch. Alles hängt dabei vom Arbeitgeber ab: Wenn Absolvent und Unternehmen zueinander passen, sollte es klappen. Deshalb muss man sich die Unternehmen ganz gezielt aussuchen. Ich denke, es ist wichtig, sich nicht nur auf die ausgeschriebenen Stellen, also den 'offenen' Markt, zu beschränken. Sicherlich ist das einfach und verführerisch. Aber man hat auch mit viel Konkurrenz zu kämpfen. Man sollte vor allem die Entscheidungsträger auf dem 'heimlichen' Arbeitsmarkt - dem der Initiativbewerbungen - erreichen.