Gesellschaft

18 Wochen Mutterschutz: Schwere Geburt

Artikel veröffentlicht am 8. Oktober 2008
Artikel veröffentlicht am 8. Oktober 2008
Vladimír Špidla, EU-Kommissar für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit, präsentierte am 8. Oktober 2008 ein Maßnahmenpaket, um den Mutterschutz in Europa zu verlängern. Kritiker glauben, dass diese Maßnahme Frauen benachteiligt.

Am 8. Oktober präsentierte EU-Sozialkommissar Vladimír Špidla einen Gesetzesentwurf zur Anhebung der Mindestdauer des Mutterschutzes von derzeit 14 auf 18 Wochen mit voller Lohnfortzahlung. „Diese Verlängerung fördert einerseits die Bindung zwischen Mutter und Kind und ermöglicht es den Frauen andererseits, in der Arbeitswelt zu bleiben.“

Die Richtlinie, die Ziele für eine europäische Mutterschutzpolitik festlegen soll, ersetzt eine ältere noch gültige Version aus dem Jahr 1992 (92/85/EWG Frauenrichtlinie). Darin wurde festgelegt, dass der Mutterschutz in den Ländern der EU mindestens 14 Wochen dauern sollte, von denen 2 verpflichtend sind.

Mutterschutz in Europa

Deutschland; 14 Wochen; 100% Gehalt

Frankreich; zwischen 16 und 26 Wochen; 86% Gehalt

Spanien; 16 Wochen; 100% Gehalt

Portugal; 12 Wochen; 100% Gehalt

Irland; 14 Wochen; 100% Gehalt

Liechtenstein; 20 Wochen; 100% Gehalt

Tschechien; 26 Wochen; 69% Gehalt

In den letzten 16 Jahren haben viele Länder die Richtlinie, die Mindeststandards in der Politik der einzelnen Länder festlegen sollte, bereits ausgebaut.

Wenn der Text so durchgeht und zur Richtlinie wird, wird ein Prüfungs- und Übergangszeitraum notwendig sein. Bei der geltenden Richtlinie 92/82 setzte man eine 2-jährige Übergangsfrist bis zum endgültigen Inkrafttreten in den einzelnen Mitgliedstaaten. Bis 1994 mussten alle EU-Mitgliedsländer die Bedingungen und Ziele der Richtlinie erfüllen.

Ungereimtheiten

©Raphaël Goetter/flickrKritiker der neuen Maßnahmen, wie beispielsweise die spanische Plataforma por permisos iguales e intransferibles de nacimiento y adopción (PPIINA; Plattform für die Gleichheit und Unübertragbarkeit der Rechte von Geburt und Adoption), ein Verbund, der sich für die Gleichstellung beider Geschlechter engagiert, schlagen Alarm. Die Vereinigung kritisiert mittels einer Verlautbarung auf ihrem Blog , dass die Ungleichheit des Mutter- und Vaterschutzes Spiegel eines Denkens sei, « in dem sich primär die Mutter um die Kindererziehung kümmern müsse.” Die heutige Gesellschaft würde diesem Klischee jedoch nicht mehr entsprechen, argumentiert der Verein. Darüberhinaus verurteilt die PPIINA eine EU-Kommission, “die nach Gleichheit rufe, gleichzeitig aber gegenteilige Maßnahmen beschließe“. “Unübertragbar, von gleicher Dauer und mit gleichem Pflichtanteil »: So lauten die Mutterschutzrechte in Worten der PPIINA. Auch Väter sollten verpflichtend 6 Wochen nach der Geburt zu Hause bleiben können, wie es für Mütter bereits der Fall ist.