Eurogeneration

Einfach ausgeschnitten: Die Türkei auf dem Euro

Artikel veröffentlicht am 4. Oktober 2007
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Artikel veröffentlicht am 4. Oktober 2007
Gehört die Türkei nun zu Europa oder nicht? Diesmal haben die üblichen, meistens eher inhaltsleeren philosophisch-geographischen Debatten innerhalb der europäischen Instititionen immerhin zwei pdf-Dokumente produziert. Darin: ein neues Gesicht für den Euro.

Auf der einen Seite der Entwurf der Europäischen Kommission, die vorschlägt, die Türkei inklusive Anatoliens in die Europakarte einzugliedern (rechts). Auf der anderen der Vorschlag des Rates der europäischen Union, in dem die einzelnen Staaten repräsentiert sind und der das Land ganz diskret ‚unter den Tisch‘ fallen lässt (links). Wer das nicht glaubt, findet im Anhang die entsprechenden Dokumente.

Angestoßen haben die Kontroverse zwei Europaabgeordnete der Radicali Italiani, Marco Cappato und Marco Pannella, mit ihrem Antrag, antitürkische Münzen aus dem Verkehr zu ziehen. Denn auf den Euros aus den ersten Mitgliedsstaaten der EU, die wir alle in unseren Geldbeuteln haben, ist ein kleines Stück Türkei zu sehen. Auf den Münzen, die z.B. in Slovenien im Umlauf sind, das seit dem 1. Januar zu Euroland gehört, ist die Türkei hingegen verschwunden. Auf Veranlassung des Rates. Nun fordern die Radicali, diese 31 Milliarden Münzen umgehend auszutauschen. Ein kühner Plan ...

Aber, wenn wir mal vom Europa auf der Münze absehen, was sollen wir vom geplanten EU-Beitritt der Türkei halten? Noch ist nichts entschieden, die Verhandlungen gehen weiter und auch in den Foren von cafebabel.com wird heiß diskutiert. Ich kann nur sagen, dass ich während meines Erasmusjahres einen netten Jungen aus Istanbul kennengelernt habe, Dogan Mert, den ich hier grüße und von dem ich nicht behaupten könnte, dass mir seine Kultur fremder erschienen sei als zum Beispiel die deutsche oder die schwedische. Um ehrlich zu sein, er kam mir fast ein bisschen neapolitanisch vor...

Da sieht man es wieder, wie schon bei Erri De Luca zu lesen war: Die mediterrane Identität ist doch stärker als jede andere. Aber das ist ja wohl ein anderes Thema... oder?