Eurogeneration

Als Italiener in Paris: Eurogeneration oder Arbeitsmigrant?

Artikel veröffentlicht am 4. Oktober 2007
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Artikel veröffentlicht am 4. Oktober 2007
Wenn Italiener ins Ausland gehen, hat das seine Gründe. Die wenigsten verlassen ihre Heimat aus purer Neugierde, weil sie die Reiselust packt oder sie neue Herausforderungen suchen. So wie die Mehrzahl der jungen Westeuropäer, die es heute dank der Mobilitätsprogramme der EU zum Studieren oder Arbeiten in die Hauptstädte des Alten Kontinents zieht.

Der Entschluss, wegzugehen, ist in Italien meist aus der Not geboren. Aus der Enttäuschung über eine korrupte, oder noch schlimmer, eine von familiären Verflechtungen dominierte Gesellschaft. Im Süden des Landes herrscht die Vetternwirtschaft nahezu unumschränkt und im Prinzip hat sie ganz Italien im Griff. Sie erinnert nicht zufällig an das, was Roberto Saviano in Gormorrha ‚das System‘ nennt: eine Gesellschaft, in der Einzelinitiativen unterdrückt und das Leistungsprinzip ignoriert werden, die ihre kreativen Köpfe zuerst unauffällig an den Rand und dann ins Abseits drängt.

Im Ausland hört man dann Geschichten von frustrierten Chirurgen, die es leid sind, auf der Wartebank zu sitzen, da „der Professor ohnehin nur seine Verwandtschaft unterrichtet“, wie mir kürzlich ein Freund erzählte. Von Journalisten, die das Gerede von mindestens zwanzig Jahren Erfahrung nicht mehr hören wollen, wenn sie in Frankreich mit 21 Jahren schon ihre erste Reportage veröffentlichen können. Von Mozzarellaverkäufern, die sich lieber in Paris als fliegender Händler verdingen, anstatt zuhause um einen Hungerlohn für mehr oder weniger ‚schmutzige‘ Jobs betteln zu müssen.

Die Gesichter, die Andrea Decovich und Valentina Maccarinelli hier eingefangen haben, erzählen zum Glück andere Geschichten. Von der Liebe zu Paris, von Träumen, die wahrgeworden sind. Und von der Leidenschaft, seinen eigenen Weg zu machen. Aber sie lassen ahnen, dass ihr eigenes Bel Paese – und Italien ist wirklich ein schönes Land! – dort, wo die Wirtschaft sich auf das Nullwachstum einpendelt und die Löhne nur ein schlechter Scherz sind, nicht mehr allzu schön sein kann...

© 2007 Decovich&Maccarinelli/ PhotoCast.org

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PhotoCast.org

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