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Blickwinkel Indien: eine Fotogalerie

Artikel veröffentlicht am 22. Januar 2014
Artikel veröffentlicht am 22. Januar 2014

Wie kann man In­di­en neu ins Bild ban­nen, wo sich die­ses Land doch schon viel zu oft den gie­ri­gen Lin­sen der Fo­to­gra­fen preis­ge­ben muss­te? Die far­ben­fro­he Wilde zwi­schen Kash­mir und Kanya­ku­mari ist wahr­schein­lich der ein­zi­ge Ort, an dem es schreck­lich ein­fach ist, ein gutes Foto zu ma­chen - aber gleich­zei­tig auch un­glaub­lich schwer.

Als ich Loui­se Nee­r­vo­ort 2011 an einem un­er­träg­lich schwü­len Abend in Goa zum ers­ten Mal traf, fiel mir als ers­tes ihr Schal auf - und ihre Ka­me­ra. Drei Jahre spä­ter sind viele der Bil­der, die sie da­mals schoss, über cur­ry­po­wer ver­streut, als vi­su­el­le In­spi­ra­ti­on zu Tex­ten über eines der ver­lo­ckends­ten, ver­wir­rends­ten und über­wäl­ti­gends­ten Län­der die­ser Erde.

Die­ses Mal je­doch geht es aus­schließ­lich um Fotos. Es ist immer noch das glei­che In­di­en, aber wie sieht es mit dem Blick­win­keln aus?

Am Ufer des Howrah, der zäh­flie­ßend das ganze Stadt­ge­biet Kolk­at­tas durch­zieht, tref­fen sich in glü­hen­der Hitze die Ein­woh­ner die­ser ehe­ma­li­gen Haupt­stadt. Ri­tu­el­le Wa­schun­gen gehen über in ein ganz nor­ma­les Rei­ni­gungs­be­dürf­nis, da Ba­de­zim­mer mit flie­ßen­dem Was­ser in vie­len är­me­ren Vier­teln immer noch die Aus­nah­me sind. 

In­di­en leuch­tet in Rot, Gelb und Sa­fran - oder so könn­te man mei­nen. Dabei gibt es doch kei­nen Grund, die un­zäh­li­gen Ab­stu­fun­gen von Blau, Grün, Azur und Tür­kis zu über­se­hen, in deren Schat­tie­run­gen der In­di­sche Ozean vom Fest­land Be­sitz er­greift. Seine Wel­len bran­den bis an die Kör­per der Men­schen und in ihre Hem­den hin­auf, wie am Ma­ha­lax­mi Dhobi Ghat in Mum­bai zu be­obachten. 

Auch wenn In­di­en vor allem als Land ver­brann­ter Fel­der be­kannt ist, gibt es hier doch eben­so üppig grüne Gär­ten mit saf­ti­gen Wie­sen und dicht be­laub­ten Bäu­men. Die­ses dunk­le Idyll er­streckt sich rund um das Vic­to­ria Me­mo­ri­al im Stadt­zen­trum von Kolk­at­ta

Wo liegt der Kern Asi­ens? Mög­li­cher­wei­se in sei­nem kauf­män­ni­schem Zen­trum, dem Bazar. Wie jede an­de­re Me­tro­po­le zählt auch Mum­bai Tau­sen­de von die­sen wim­meln­den klei­nen Plät­zen, wo man so gut wie alles ver­kau­fen, kau­fen oder tau­schen kann. Doch weit fas­zi­nie­ren­der, da we­ni­ger er­forscht, sind die Rän­der die­ser kauf­män­ni­schen Brand­zen­tren: Kaum nur hört man hier das leise Brum­men des Ba­zars, doch der Ver­kehr lenkt schon ein und passt sich an die lang­sa­me­re Spa­zier­ge­schwin­dig­keit an. Hier haben die Ge­mü­se­händ­ler und Chai-Ver­käu­fer ihre Stän­de noch nicht auf­ge­schla­gen, aber man kann schon die Ge­wür­ze, das Wachs, die frit­tier­ten Sü­ßig­kei­ten und das Mo­tor­öl rie­chen. 

Stei­ne, Moos und ein biss­chen Luft: Viele Bau­ten in der wei­ßen Stadt Push­kar schei­nen wie aus Gips ge­staltet, der nach­träg­lich in gel­ben und grü­nen Pas­tell­tö­nen be­malt wurde. Vor roter Erde und la­ven­del­blau­em Him­mel lie­ben die Tau­ben die tro­cke­ne und san­di­ge Luft Ra­jast­hans

Egal wie ver­kom­men und kom­mer­zi­ell Va­ra­na­si mitt­ler­wei­le auch sein mag, so sind viele Men­schen doch immer noch von Ehr­furcht er­grif­fen, wenn auch nur der Name der hei­li­gen Stadt fällt. Wäh­rend Var­an­si von um­trie­bi­gen Händ­lern, hin­ter­häl­ti­gen Brah­ma­nen, bet­teln­den Stra­ßen­kin­dern und hung­ri­gen Hun­den nur so über­quillt, sind viele sei­ner ge­hei­men Ecken und Win­kel noch un­er­forscht: Raum für Geis­ter und Ge­spens­ter aller Art, die sich nur durch ihre nach hin­ten zei­gen­den Füße von ech­ten Men­schen un­ter­schei­den las­sen. 

In­di­en ist die Hei­mat von 26 ver­schie­de­nen Af­fen­ar­ten, von denen die Ma­ka­ken zu den bös­ar­ti­ge­ren zäh­len. Wäh­rend sie Pil­gern, Händ­lern und Tou­ris­ten auf­lau­ern, die Blu­men und Früch­te tra­gend den Gan­ges in Ris­hi­kesh über­que­ren, er­freu­en sich diese Affen einer spek­ta­ku­lä­ren Aus­sicht und eines ge­sun­den Spei­se­plans.

Die Rech­te aller Bil­der lie­gen bei Loui­se Nee­r­vo­ort. Loui­se stammt ur­sprüng­lich aus Syd­ney, lebt und ar­bei­tet aber jetzt in Lon­don.