Brüssel

Topten : Der Ratgeber der energieffizienten Geräte

Artikel veröffentlicht am 13. Juli 2017
Artikel veröffentlicht am 13. Juli 2017

Wollen Sie ein elektronisches Gerät kaufen, kennen aber deren Energieverbrauch trotz der Einführung einer auführlicher Beschreibung nicht? In dem Fall können Sie sich an Topten wenden. Topten listet die besten Geräte auf dem Markt auf und beraten die Kunden. Wir haben Sophie Attali von Topten getroffen, das Finalprojekt der Energy Awards der europäischen Woche der nachhaltigen Energie. 

Cafébabel : Wie würden Sie Topten kurz und knapp an ihr Publikum beschreiben?

Sophie Attali : Topten ist ein europäisches Netzwerk, das in 16 Ländern Europas vertreten ist. Unser Job ist es, die energieeffizientesten Geräte zu identifizieren und diese  auf äußerst präziser Weise den Verbrauchern anzugeben. Alle diese Infos sind auf unserer Webseite verfügbar. Wir bieten ebenfalls Ratschläge an, damit die Kunden  Haushaltsgeräte und elektronische Geräte sorgfältig auswählen und benutzen können.   

Cafébabel : Was ist der Mehrwert von Topten bezüglich der Energielabels, die die europäische Kommission eingerichtet hat?

Sophie Attali : Die Energielabels sind grundlegend. Ohne sie könnten wir nichts tun, da sie die Hersteller zwingen, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Es gibt auf dem europäischen Markt immer Unterschiede: in Deutschland zum Beispiel ist das Angebot an energieeffizienten Geräten viel höher als in anderen Ländern. Die Verbaucher brauchen Hilfe, um zu wissen, welche Geräte am wenigesten Energie verbauchen. Bei Topten konzentrien wir uns nicht auf das, was gut ist, sondern das, was am meisten Energie spart. Auf der anderen Seite sind die Labels Opfer ihres Erfolgs: es gibt nun mehrere Unterkategorien (A+, ++, +++) und man verliert leicht den Überblick. Zum Glück werden diese Unterkategorien verschwinden, selbst wenn das lange dauern wird, bis sie weg sind. Heute denkt man, dass ein Gerät mit dem Label A+ zu den Besten des Sortiments gehört, aber viele Geräte mit einer A+ Kennzeichnung sind höchstens mittelmäßig. Von daher ist es sinnvoll, dass Topten angibt, welche Kennzeichnung für welche Sorte Gerät die Beste ist und ihnen erklärt, dass man für jene bestimmte Sorte von Geräten eine A+++ Kennzeichnung braucht, damit das Gerät auch wirklich gut ist.  

Cafébabel : In wie weit ist der Energieverbrauch ein Ausschlagskriterium für die Wahl des Kaufs?

Sophie Attali : Das ist ein Wahlkriterium, weil das europäische Energielabel einen sehr hohen Stellenwert hat. Circa 80% der Europäer kennen das Label. Das ist schonmal ein guter Faktor, und wir wissen, dass die Leute sich damit auseinanderzusetzen, selbst wenn der Preis des Geräts vorrängig ist. Die Verbraucher denken, dass sie sparen, wenn sie sparsame Geräte kaufen. Sie denken nicht unbedingt an die Umwelt, obwohl es einen Unterschied macht.

Cafébabel : Gab es seit Einführung des Energielabels wichtige Veränderungen?

Sophie Attali : Ja, und zwar sehr große. Es gab sogar eine doppelte Veränderung: Einerseits bei den Verbrauchern, die nach Geräten suchen, die weniger Energie verbrauchen, andererseits aber auch eine Veränderung seitens der Hersteller. Als das Energielabel eingeführt wurde und ihnen bewusst wurde, dass ihre Geräte rot oder orange gekennzeichnet worden wären, haben sie selber vieles verändert. Dadurch, dass das Label vorgeschrieben und regulatorisch ist, sind alle Beteiligten gezwungen, etwas zu verändern. Die Hersteller denken jetzt, dass sie ihre Arbeit getan haben, gleichzeitig muss man weiterhin deutlich sparen. Es wäre gut, wenn die Verbraucher noch mehr auftreten würden. 

Cafébabel : Ziehen die Hersteller Nutzen aus dem Erfolg der Labels, um ihre Preise zu erhöhen?

Sophie Attali : Ja, aber das ist nicht unbedingt eine schlechte Sache. Das ist auch ein Mittel, das für sie gemacht ist, damit sie zeigen können, dass ihre Geräte leistungsfähiger sind als die der Konkurrenz. Das ist legitim, und davon profitieren sie. Manchmal übertreiben sie, denn sie nutzen das Energielabel als ein Marketinginstrument, um die Preise zu stark zu erhöhen. Aber im Großen und Ganzen sind die Hersteller, die sich auf gegenüber der Umwelt positionnieren relativ ehrlich.

Cafébabel : Was würden Sie den jungen Leuten sagen, um sie an Energiefragen zu interessieren und zu sensibilisieren?

Sophie Attali : Ich denke, dass es wichtig ist, den Zusammenhang zwischen dem Drücken eines Schalters und die Erzeugung von CO2 oder den Zusammenhang zwischen Antommüll und Raum einnehmen zu erklären. Auch wenn Solarpaneele oder Windräder bessere Alternativen als herkömmliche Energielieferanten sind, nehmen sie trotzdem Länder ein, die ansonsten zur Landwirtschaft dienen könnten oder die man so belassen könnten wie sie waren. Das Hauptziel ist es, diesen Konsum zu reduzieren. Damit dies gelingt, muss man energieeffizient sein. Das heißt, das erforderliche Konsumminimum eines Produktes zu erreichen. Zweitens muss man schlicht sein, man muss auf die Nutzung acht geben. Wenn beispielsweise jeder einen zwei Meter großen Fernsehen besitzt, können wir das Pariser Abkommen nicht mehr erreichen, da die Größe das Konsum ist. Ein jeder sollte ebenfalls seine eigene Verhaltensweisen überdenken, ohne einen Anklagediskurs oder einen abnehmenden Diskurs zu haben, und sich eingestehen, dass man nicht alleine ist. Einen energieeffizienten Kühlschrank zu kaufen ist für den eigenen Geldbeutel gut, aber das tut vor allem der Gemeinschaft gut, da jeder ein Kühlschrank besitzt. Wir müssen begreifen, dass das was man tut Auswirkungen hat.  

Cafébabel : Wird der Verbraucher zur Schlüsselfigur für einen reduzierten Energiekonsum?

Sophie Attali : Er kann nicht zu DER Schlüsselfigur werden, wenn wir ihm nicht energieeffiziente Geräte vorschlägt. Er kann sie nicht erfinden, aber er nimmt immer eine große Rolle ein. Er ist zwar mächtig, aber diese Macht ist nicht zu mobilisieren, da diese Macht erscheint, wenn er sich nicht alleine, sondern in einer Gruppe befindet. Jeder konsumiert jedoch auf einem individuellen Niveau. Es ist von daher wichtig, den Verbrauchern zu zeigen, dass sie Macht haben. Selbst wenn sie das Gefühl haben, nur etwas Kleines und Individuelles beizutragen hat das eine kollektive Auswirkung auf die Gesellschaft. Wir müssen vielleicht die neuen Technologien nutzen, um sich weniger alleine zu fühlen, wenn man sich die Mühe macht.