Brüssel

Netzsicherheit: eine rein informatische oder politische Sache?

Artikel veröffentlicht am 23. Oktober 2014
Artikel veröffentlicht am 23. Oktober 2014

Regierungen geben immer mehr Geld für sie aus, Unternehmen integrieren sie peu à peu in ihre Haushaltsstrategien und auch Privatpersonen entwickeln ein wachsendes Bewusstsein über ihre Bedeutung. Die Netzsicherheit macht sich in Politik und Strafrecht breit; sie zwingt sich unserer Wirtschaft und unserem Privatleben auf. Worum handelt es sich? Klartext.

Cafébabel bietet euch diesen ersten Artikel als Einführung zu einem Dossier über Netzsischerheit an. Sein Ziel: ein Phänomen zu enthüllen, welches uns alle angeht aber bei dem wir noch nicht so recht durchblicken. 

Die Sicherheit von was denn genau?

Der Ausdruck "Netzsicherheit" bezieht auf die Informations- und Netzwerksicherheit. Es geht darum Netzwerke und die Information, die zwischen Geräten und dem Internet ausgetauscht werden (Computer, Smartphones, Tablets), zu schützen. In anderen Worten bedeutet Netzsicherheit die Sekuritisierung des Cyber space, das mittlerweile das pulsierende Herz der alltagtäglichen Tätigkeiten von Menschen, Organisationen und Regierungen, beruflich und privat, darstellt, und das mit einer wachsenden Menge an sensiblen Informationen zu tun hat.

Netzsicherheit betrifft genau so sehr die Privatperson, die sich weigert, dass ihre privaten Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, als auch das Unternehmen, das sich z.B. vor dem Risiko der Wirtschaftsspionage schützen will, aber auch von Regierungen, die vertrauliche Dokumente schützen wollen.  Okay, so weit alles klar. Ist die Netzsicherheit also bloß ein Fall für den Informatiker?

Cyber steht zwar davor, drin ist aber vor allem Sicherheit

Nein! Mit Netzsicherheit geht nämlich der Wandel von Bräuchen, beruflichen Routinen,  Analyse- und Deutungsrastern einher. Man sollte eher Netzsicherheit als eine Subkategorie der Sicherheitspolitik begreifen, das mit dem Präfix "cyber" angereichert wird. Digitale Kriege, Netzkriminalität und Cyber-Attacken sind nichts anderes als Neologismen, Übertragungen aus unserer Alltagssprache, die sich aber speziell auf die Tätigkeiten innerhalb eines gesonderten Raums beziehen: das Cyber-Space. Cyber-Abwehr, zum Beispiel, gehört eher zum Register des Militärs und der Regierung als zum zivilen Bereich, ebenso wie traditionell die Verteidigung. Allerdings bedeutet sie dort die Verteidigung der Netzwerke und -Informationen. Man muss also wahrlich kein Geek sein, um von Netzsicherheit sprechen zu können. Sie ist vor allem eine politische und gesellschaftliche Frage. Deswegen sind nationale Strategien notwendig, um sowohl den Staat als auch seine Zivilgesellschaft zu schützen und zu schulen. Die britische Zeitung The Economist bezeichnet sogar das Cyber-Space als "der fünfte Bereich", nach dem territorialen, maritimen und luftraumtechnischen Raum sowie dem Weltraum.

Warum Sicherheit um jeden Preis?

Weil dieser Raum mindestens genau so verwundbar ist wie die anderen, und sogar mehr. Die schnelle Entwicklung der Netzwerke und Kommunikationssysteme hat den Cyber-Space zu einer vitalen Infrastruktur gemacht. Er ist weder neu noch eine Verlängerung unseres Alltags, sondern tatsächlich die tragende Säule unserer wirtschaftlichen und sozialen, beruflichen und privaten Tätigkeiten. Mögliche Schäden im Cyber-Space hätten einen wesentlich teureren Preis als vorgelagerte Sicherheitsinvestititionen. Es gibt nahezu keine Organisation mehr, die kein Computer, keine Angestellten ohne Mobiltelefon, Banken ohne online-Dienstleistungen oder Regierungen ohne Systeme für den Austausch digitaler Daten kennt.

Nun aber ziehen diese privaten und vertraulichen Daten  Kriminelle genau so stark an, wie ein Geldbeutel, der aus der Handtasche ragt; außer dass der Gewinn der Beschaffung ohne Vergleich steht. Hacker haben die Entstehung neuer Möglichkeiten beobachtet, durch die man frei abrufbare und nicht oder nur geringfügig geschützte Informationen aus dem Cyber-Space zu persönlichen oder kriminellen Zwecken missbrauchen kann. Die Ausspähung von Bankendaten, Geldwäsche, die Veröffentlichung von streng vertraulichen Staatsakten oder die Fernsteuerung von Energieinfrastrukturen, die tausende von Heime bedient, sind nur einige Beispiele. Von unwesentlichen Auswirkungen zum Hauptangriff auf eine Gesellschaft, das macht die Netzsicherheit zu einer politischen Frage.

Ganz gleich, ob es darum geht die Nutzer zu sensibilisieren, die Schaffung von Minimalstandards gegenüber Unternehmen durchzusetzen oder die Ausbildung von Beamten im zivilen und militärischen Bereich, um Cyber-Attacken gegen den Staat besser vorzubeugen und zu erkennen: Der Cyber-Space muss reguliert und beschützt werden.