Brüssel

Frauenrechte: Wo befinden wir uns?

Artikel veröffentlicht am 3. März 2015
Artikel veröffentlicht am 3. März 2015

Im Rahmen des Evaluationsprogramms der Kampagne Peking +20 hat die l'Association pour les Nations Unies (APNU) in Belgien letzten Donnerstag eine Frühstucksdebatte zum Thema Frauenrechte organisiert. Für  Cafébabel ein guter Anlass um die Frage zu stellen: Wo befinden wir uns heute?

20 Jahre danach: Wo befinden wir uns heute? 

Machen wir einen kleinen Zeitsprung: Wir befinden uns im Jahr 1995, die ganze Welt tanzt "Macarena", Bill Clintin ist Präsident der USA und in Peking findet die vierte Weltfrauenkonferenz statt. Das Hauptziel: "Der Kampf für Gerechtigkeit, Entwicklung und Friede." Das waren wirklich schöne Aussichten...

Zwanzig Jahre danach ist es Zeit die Bilanz zu ziehen aus den Bemühungen von Regierungen,  NGOs und Zivilgesellschaft um die Gleichheit von Frauen und Männern zu gewährleisten, sowohl auf rechtlicher Ebene als auch in der Praxis. Trotz enormer strukureller Fortschritte auf internationaler Ebene, wie der Gründung von UN Women, dem Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau und die aktuelle Kampagne #HeforShe, bleiben große Diskrepanzen zwischen dem Recht und der Praxis auf lokaler Ebene.  Frauen bleiben weiterhin gefangen in ihrer Geschlechterrolle und diese steorotypischen Bilder sind oftmals der Ursprung von Ungerechtigkeiten.

(Zum Nachlesen: eine interaktive Infografik veröffentlicht vom "Guardian" zeigt Frauenrechte Land für Land.)

Was sind die Ziele des neuen Ministeriums?

Cafébabel hat bei der Konferenz, organisiert von APNU in den Räumlichkeiten der Wallonie-Bruxelles International, assistiert, um aus erster Hand den Aktionsplan des neuen frankophonen Ministeriums für Frauenrechte, geführt von der Ministerin Isabelle Simonis, kennenzulernen. Während ihres Redebeitrags schlug sie eine Herangehensweise in "3 Achsen" vor:

Erste Achse: "Regierung der Gleichberechtigung"

Vor allem geht es dabei um eine Verordnung zum Thema "Gender", die erlaubt die Auswirkungen der jeweiligen politischen Programme auf die beiden Geschlechter zu messen, wobei hier die Analyse der Genderdimension miteinbegriffen ist. Um die Ziele der Verordnung zu erreichen schlägt Madame Simonis vor, verschiedene Beamte der  Fédération Wallonie-Bruxelles auszubilden, damit diese besseres Verständnis des Konzepts "Gender" entwickeln sowie diesen Begriff und seine Bedeutung richtig definieren können. Schließlich wird eine Steuer- und Auswerteeinheit für die regelmäßigen Berichterstattung über die Wirksamkeit der Verordnung auf der Grundlage sehr spezifischer Kriterien verantwortlich sein.

Zweite Achse: Forderung von Frauenrechten

Es handelt sich dabei um die Arbeit für die effektive Anwendung zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen gemeinsam mit feministischen Vereinen und Bewegungen. Letzten Dezember wurde "Alter Egales" gestartet, eine Versammlung für Frauenrechte, im Rahmen derer die Teilnehmerinnen über das Arbeitsthema für das Jahr 2015 abstimmen konnten. Die Wahl fiel schließlich auf das Thema "Recht der Gleichberechtigung in der Arbeit".

Dritte Achse: ein interministerieller Aktionsplan

34 Maßnahmen für die tatsächliche Gleichberechtigung in der fédération Wallonie-Bruxelles wurden aufgelistet. Darunter: die Diversität in öffentlichen Ämter fördern, die Stereotypen im Verhältnis zu bestimmten Berufszweigen abschaffen sowie der Kampf gegen die "gläserne Decke".

Die Bilanz in Belgien

Belgien ist immer noch weit davon entfernt, den Zielen der Konferenz in Peking aus dem Jahr 1995 zu entsprechen. Es besteht immer noch eine Abweichung im Einkommen zwischen Männern und Frauen in Höhe von 23% sowie eine schlechte Stellung der Hausarbeit, die zu 80% dem weiblichen Geschlecht zufällt. Zum Zeitpunkt des Pensionsantritts verdient eine Frau gar  39% weniger als ein Mann, so Professor De Schutter.  

Auch wenn die Schaffung eines Ministeriums, das sich mit dem Thema beschäftigt, ein erster Schritt ist und es dem Aktionsplan nicht an Ambition fehlt, es bleibt viel zu tun um den Status von Frauen und Familie zu verbessern. Frauen sind tatsächlich öfter gewungen sich zwischen dem Berufsleben und Familienleben zu entscheiden. Die letzten Statistiken der UNO zeigen, dass das Alter von Müttern bei der Entbindung sich zwischen den Jahren 2000 und 2010 signifikant erhöht hat. Es muss daher der Weg gefunden werden diese Rechte der "dritten Generation" gelten zu lassen, die eine freie Wahl der Lebensrealität ohne sozialen oder kulturellen Druck ermöglichen. Dafür muss eine Betonung auf die Effektivität der unterschiedlichen Legislaturperioden gelegt werden, die ein Gleichgewicht zwischen Familienleben und Berufsleben im Auge haben.   Es ist eine große Gelegenheit für Belgien, in dieser Materie durch innovative Politik einen Fortschritt zu erreichen, der neue Synergien zwischen Regierungsorganen und politischen Akteuren in dem Bereich schafft.

Lektorat und Korrektur des Stils im Original: Maude Theunen