Brüssel

Conchita Wurst vor dem EU-Parlament: Toleranz mit Bart

Artikel veröffentlicht am 10. Oktober 2014
Artikel veröffentlicht am 10. Oktober 2014

Die Travestiekünstlerin, die seit ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest im vergangenen Mai zum Symbol der LGBT-Bewegung geworden ist, hat Brüssel besucht. Auf Einladung von Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des Europaparlaments, nahm Conchita Wurst an einer Pressekonferenz teil, bevor sie um 13 Uhr auf der Esplanade Solidarność auftrat.

Conchita Wurst war im Europaparlament zu Gast, um ihre Botschaft von Liebe, Respekt und Toleranz unter die Leute zu bringen. Sie betonte aber deutlich, dass ihr Auftritt nicht mit der Zugehörigkeit zu irgendeinem politischen Lager in Zusammenhang stehe, sondern ganz allgemein mit den Werten, für die die EU steht. Zu diesem Thema befragt, meint Terry Reintke, Europaabgeordnete der Grünen und Mitglied der LGBT-Intergruppe, „jeder Tag sollte eine Gelegenheit sein, für gleiche Rechte einzutreten.“

Die österreichische Sängerin sagt, sie könne feststellen, dass einige Schritte in die richtige Richtung gemacht worden seien. Trotzdem stehe noch ein weiter Weg bevor. Von sich selbst behauptet sie, „nicht naiv, aber optimistisch“ zu sein, und „eine Botschaft für alle“ zu haben, „die sich als Diskriminierungsopfer fühlen“. Sie gibt zu, dass ihr Künstlerstatus ihr mehr Spielraum gebe, ihre Botschaft zu vermitteln – was im Übrigen der Grund dafür ist, dass sie sich nicht vorstellen könne, eines Tages in die Politik zu gehen.

Trotz des Regens waren zahlreiche Menschen an besagtem 8. Oktober während ihrer Mittagspause zum Konzert erschienen. Conchita nutzte die Gelegenheit, um daran zu erinnern, dass die Europäische Union ein Projekt sei, das auf gegenseitiger Akzeptanz, Offenheit und Toleranz basiere, und knüpfte so an ihren eigenen Kampf für mehr Akzeptanz der LGBT-Community an. Anschließend sang sie einige Coverversionen und dann endlich den Song, mit dem sie den Eurovision Song Contest gewann, « Rise like a phoenix ».

Das Konzert sorgte für einige Kontroversen, die in erster Linie mit den Kosten zusammenhängen und dem Aussagewert des Events für die europäische Politik. Zudem haben bestimmte europäische Abgeordnete offen verlauten lassen, nicht zur Veranstaltung zu erscheinen. Bei der Pressekonferenz hat Ulrike Lunacek jedoch klargestellt, dass Conchita für ihren Auftritt kein Honorar erhalten werde.

Aus politischer Sicht ist diese Veranstaltung eine Reaktion auf Lunaceks Bericht zur Bekämpfung von Homophobie und Diskriminierung aus Gründen der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität. Auch wenn dieser Text am 4. Februar dieses Jahres vom Europaparlament in einer Plenarsitzung angenommen wurde, so handelt es sich doch tatsächlich nur um einen unverbindlichen Fahrplan, der an die Kommission Vorschläge richtet. Terry Reintke stellt klar, dass es von nun an darum gehen werde, zu sehen, wie dieser Bericht Änderungen in der Gesetzgebung verschiedener EU-Mitgliedsstaaten einleiten kann. Indessen „war Conchitas Auftritt vor dem Europaparlament ein kleiner Meilenstein und ein wichtiges Zeichen für Vielfalt, Respekt und Demokratie.“