Berlin

Schule mit Rock und Revolver

Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2009
Artikel veröffentlicht am 12. Februar 2009
La journée de la jupe Frankreich, Belgien, 2008, 87 min Regie: Jean-Paul Lilienfeld Darsteller: Isabelle Adjani, Denis Podalydès, Yann Collette, Jackie Berroyer, Khalid Berkouz, Yann Ebongé, Sonia Amori, Kévin Azaïs, Sarah Douali, Hassan Mezhoud, Karim Zakraoui, Fily Doumbia, Salim Boughidene, Mélèze Bouzid Sektion: Panorama von Ole Skambraks Ähnlich wie der Film „La classe“ (Laurent Cantet,
Goldene Palme Cannes 2008) nimmt auch der Film „La journee de la jupe“ des französischen Regisseurs Jean-Paul Lilienfeld ein aktuelles gesellschaftliches Thema in den Fokus: Die schier unerträglichen Bedingungen an französischen Schulen, die unter Personalmangel, verhaltensauffälligen Schülern und ethnischen Konflikten leiden. Die Schule ist ein sozialer Brennpunkt, an dem unterschiedliche soziale Klassen, Religionen und Kulturen aufeinanderprallen. Doch sie ist auch die Bühne, auf der Probleme der Gesellschaft wie Rassismus, religiöse Konflikte, Sexismus und Vorurteile ausgetragen werden. Dass guter Wille und Kampfgeist von Seiten der Lehrer nicht unbedingt mehr ausreichen, um die Schüler in Schach zu halten, stellt der Film anhand der völlig überforderten Lehrerin Sonia Bergerac (Isabelle Adjani). Diese greift angesichts ihrer tyrannischen Klasse eines Tages zur Pistole und führt radikale neue Unterrichtsmethoden ein. Die sonst so engagierte Lehrerin findet sich auf einmal in einer handfesten Geiselnahme wieder: Mit aufgeregten Polizisten und Politikern, panischen Eltern, einem hilflosen Schulleiter und voyeuristischen Medien, die sowohl entscheidend zum Verlauf der Handlung beitragen als auch als effektives politisches Druckmittel eingesetzt werden. Als die Situation schließlich eskaliert, sind es nicht nur die Revolverschüsse, sondern auch die vielen emotionalen Zusammenstöße aller Beteiligten, die den Film „Heute trage ich Rock“ zu einer ergiebigen psychologischen und sozialkritischen Studie werden lassen. Obwohl Lilienfelds Drama als extreme Zuspitzung zu sehen ist und die zahlreichen Nebenhandlungen streckenweise ablenken, ist er doch keine einfache Schuldzuweisung an die Schule als Institution. Denn in dieser Geschichte werden Bildungspolitiker, Lehrende und Schüler gleichermaßen in die Mangel genommen. Die Botschaft: Auch wenn die besagte Lehrerin mit Rock und Revolver nicht unbedingt besser unterrichtet – alle müssen dazu beitragen, die Schule wieder zum Ort des Lernens und nicht des Kampfes werden zu lassen.

photo: Berlinale