Berlin

European Shooting Stars 2013: Luca Marinelli

Artikel veröffentlicht am 25. Februar 2013
Artikel veröffentlicht am 25. Februar 2013
Interview: Sandra Wickert // Fotos: Katarzyna Świerc Seit seiner Verkörperung des sensiblen, in-sich-gekehrten Mattia in Saverio Costanzos „Die Einsamkeit der Primzahlen“ ist Luca Marinelli vom absoluten Geheimtipp zum gefragten Nachwuchsschauspieler avanciert.

Neben seiner Fähigkeit, die unterschiedlichsten Charaktere glaubwürdig und lebensnah darzustellen, wird immer wieder sein hypnotischer Blick erwähnt. Während der European Shooting Stars 2013 sprechen wirin einem Round-Table-Interview mit dem nominierten Italiener über Lampenfieber. Lieblingsfilme und ein ganz klein wenig auch über die Liebe.

internet0007.jpg Ein Konferenzraum, vollgepackt mit 10 Shooting Stars und gefühlt 100 Journalisten, Fotografen und Koordinatoren, die in verschiedenen Ecken versuchen, den anwesenden Jungschauspielern ein paar persönliche Worte zu entlocken. PR-Agentinnen achten penibel auf die Einhaltung der vorgegebenen Zeit, Kameras blitzen, batterieschwache Aufnahmegeräte piepsen und es ist laut, hektisch und wuselig. Und mittendrin diese Augen. Man kann gar nicht anders, als sich in Luca Marinellis intensivem Blick aus den grau-grünen Augen zu verlieren und das Geschehen um einen rum komplett zu ignorieren. So sehr bin ich zunächst gefangen, dass ich zunächst gar nicht bemerke, dass das Interview schon begonnen hat und der italienische Journalist das Wort ergriffen hat und Luca erzählt, dass er der Liebe wegen letzten Sommer nach Berlin gezogen ist. Höchste Zeit also, zur journalistischen Professionalität zurück zu kehren und meine Fragen loszuwerden.

cafebabel.com : Du bist in einer Familie aufgewachsen, in der das Thema Film schon immer eine große Rolle spielte. Wie hat sich das auf Deine Berufswahl ausgewirkt ?

Luca Marinelli : Mein Vater war Synchronsprecher und dadurch waren Filme immer präsent bei uns. Ich erzähle Dir jetzt was Romantisches : ich habe viele, viele Filme mit meiner Großmutter gesehen. Sie liebte italienische Filme und so habe ich einen Großteil meiner Zeit damit verbracht, mit ihr italienische Klassiker wie „Fahrraddiebe“ oder „Man nannte es den großen Krieg“ zu schauen.

cafebabel.com: Gibt es Schauspieler die Du bewunderst?

Aus dieser Zeit gibt es sehr viele, die ich mag : Manfredi, Gassman, Mastroianni.

cafebabel.com : Und welches Poster hing in Deinem Jugendzimmer über Deinem Bett ?

Luca : Eigentlich keins. Ach doch – Marlon Brando in „Apocalypse Now“ hängt immer noch in meinem Zimmer in Italien… dieses Bild, wo ein Käfer auf seinem Kopf sitzt. Ich schaue ihm immer in die Augen.

cafebabel.com : Du spielst oft sehr starke, polarisierende Charaktere, wie den verstörten Mattia in „Die Einsamkeit der Primzahlen“ oder einen Transsexuellen in „The Last Man on Earth“. Gibt es irgendeine Rolle, die Du ablehnen würdest ? Luca : Eigentlich nicht. Manchmal ist es schwer, einen Charakter zu formen, wenn man nicht viel Informationen erhält.

cafebabel.com : Für „Die Einsamkeit der Primzahlen“ musstest Du eine Menge an Gewicht zulegen. Wie war das für Dich ?

Luca : Es war ganz schön schwer. Es war mein erster Film und ich musste meinen Körper verändern, habe 16 Kilo zugenommen. Aber Alba (A. Rohrbacher, die die weibliche Hauptrolle spielt, Anm. d. A. ) hat mich dabei sehr unterstützt, außerdem hatte ich einen großartigen Regisseur. Da habe ich „Kino“ gelernt.

cafebabel.com : Und wie schwer war es, die Extrakilos wieder loszuwerden ?

Luca : Das war nicht so schwer. Es hat ungefähr einen Monat gedauert.

cafebabel.com : Gibt es irgendwas, was Dir an Deinem Beruf nicht gefällt ?

Luca : Was ich nicht mag…. Interviews geben (lacht). Nein, im Ernst, das ist etwas, was man anfangs nicht versteht und was man erst lernen muss. Aber das ist natürlich sehr wichtig. Die Schauspielerei ist ein wunderbarer Job, so lange man arbeitet. Aber manchmal gibt es Pausen dazwischen, die dauern mehrere Wochen oder sogar Monate. Damit muss man auch umgehen können. Ich habe sehr viel Glück mit meinem Beruf und kann mir so meinen freien Geist bewahren.

Luca erzählt, wie er sich in Berlin oft Aufführungen von Schauspielstudenten ansieht und wie er das Theaterspielen vermisst.

cafebabel.com: Hast Du immer noch Lampenfieber vor Auftritten?

Luca : Oh ja ! Das ist ein Gefühl wie kurz vor dem Sterben ! Egal ob im Theater oder eben vorher auf der Bühne bei der Pressekonferenz.

cafebabel.com: Was tust Du, um diese Angst loszuwerden?

Luca : Nicht so richtig. Ich bin ein bisschen abergläubisch. Manchmal denke ich : „Gestern habe ich das so und so gemacht, und heute mache ich das wieder genau so“. Aber manchmal passiert dann einfach nichts (lacht). Aber nein, eigentlich habe ich kein Mittel dagegen.

cafebabel.com : Man liest, Du singst gerne. Für Dich alleine oder auch vor Publikum ?

Luca : Oh nein, bisher nur alleine. Vielleicht irgendwann mal auf der Bühne.

cafebabel.com : Welche Musik magst Du und welches war das letzte Konzert, das Du gesehen hast ?

Luca : Rock ! Mein letztes Konzert…. hm…

cafebabel.com : Das scheint schon eine Weile her gewesen zu sein.

Luca : Ja… ich glaube, das war William Fitzsimmons !

Leider ist an dieser Stelle unser Interviewtermin auch schon vorbei, die PR-Dame klopft auf die imaginäre Armbanduhr und Luca muss weiter, zum nächsten Termin.

cafebabel.com: Gute Wahl. Luca, vielen Dank für dieses Gespräch!

Luca : Danke und « Tschüss. »

Videointerviews mit den 10 European Shooting Stars auf cineuropa.org und nisimasa.com