Berlin

Der Stratege

Artikel veröffentlicht am 11. Oktober 2014
Artikel veröffentlicht am 11. Oktober 2014

Banker, Künstler und Berliner Clubs – sie alle passen auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammen. Und dennoch vereint Achim Mogge alle drei. Nun präsentiert er seine Kunstwerke während der Kultour in Friedenau. 

Regelmäßig steht er im Atelier und arbeitet mit Farbe, Pinsel, Fotos und Licht. Achim Mogge macht Kunst. Die Lichtinstallationen des 60-Jährigen werden unter anderem in der Berliner Clubszene zu elektronischer Musik präsentiert, während junge Menschen feiern.

Groß, schlank, grau melierte Haare, randlose Brille und gebügeltes Hemd: Das ist der Künstler Mogge. Aber auch der Banker. Denn sein Geld verdient Mogge im Finanzwesen. Familiengeschäft, wie er sagt. Die gesamte Familie bestehe aus Kaufleuten. Aufgewachsen ist er in Hannover. Wenn man seine 24-Jährige Tochter fragt, beschreibt sie seine Herkunft als wohlhabend. Nach einem BWL-Studium in Münster wird er zunächst Trainee bei der Commerzbank. Bis er anschließend nach Berlin kommt. Nun berät er Existenzgründer und junge Unternehmen. Der Lebensweg scheint abgesichert und gut geplant. 

Im gebügelten Hemd ins Atelier

In seiner Freizeit könnte er im Garten stehen, den Rasen mähen und die Rosen stutzen. Ganz so, wie es viele Menschen seines Alters nach der Arbeit machen. Doch seit fünf Jahren widmet sich Mogge intensiv der Kunst – und das mit besonders professionellem Anspruch, so wie er an viele Dinge in seinem Leben besonders hohe Ansprüche stellt. In seinen Ateliers in Friedenau und Treptow baut er Leinwände und grundiert sie. Sogar seine Farben mischt er mit Pigmenten und Bindemittel selbst an. Einmal hat er dafür Lavasand aus einem Urlaub auf Palma mitgebracht. Anfangs besuchte er Kurse für Maltechniken an der Universität der Künste in Berlin, nun lernt er bei Angelika Margull, einer ehemaligen Professorin der FH Potsdam. Am 11. und 12. Oktober öffnet er im Rahmen der Kultour in Friedenau sein Atelier in der Südwest-Passage und präsentiert seine Werke.  

Angefangen hat alles mit einem Lebkuchenhaus: Als ihm der Bau von Hexenhäusern für seine Kinder zu langweilig wurde, baute er kurzerhand sein Berliner Wohnhaus nach. Und das erregte die Aufmerksamkeit einer befreundeten Galeriebesitzerin. Spontan stellte sie es in ihrer Galerie in Mitte aus. Manchmal brauche es eben solch einen Anlass von außen, um aktiv zu werden, findet Mogge. Auch wenn die Kunst ihn sein Leben lang beschäftigte, kam es für ihn nicht in Frage, diese zum Beruf zu machen. Bis vor einigen Jahren sei er mit seinen beiden Kindern voll ausgelastet gewesen. „Vielleicht war ich auch ein Sicherheitsmensch oder hatte zu wenig Vertrauen in meine künstlerischen Fähigkeiten. Es gab viele Leute in meiner direkten Umgebung, die ich immer für viel talentierter hielt“, erklärt er.

Old Style ist angesagt

Ihn fasziniert alles, was mit Farbe, Licht und Strukturen zu tun hat. „Strukturen haben mich schon immer interessiert, bis zum Organischen“, sagt Mogge. Alles vom Menschen Geschaffene gehorche den gleichen Gesetzen. In der Kunst könne er seine Gedanken ausleben, sagt seine Tochter. Und dennoch bereitet Mogge seine Werke von Anfang an strategisch vor. Das sind Collagen, Farbabzüge und Lichtshows. Seine Shows, die ihren Ursprung in den Lightshows aus den 1970er-Jahren von Joshua White haben, erzeugt er analog. Dafür experimentiert er mit Farben, die er extra aus den Vereinigten Staaten bestellt, filmt die Experimente ab und kombiniert dies mit anderem Filmmaterial sowie Musik. Auf Vorschlag seiner Tochter legt er Musik aus der Berliner Clubszene darunter, kontaktiert Partyveranstalter. Und so wurden seine Lightshows letztes Jahr auch im ://about blank bei einer Partyreihe der gesellschaftskritischen Zeitung Straßen aus Zucker zu Musik von Stanley Schmidt und Robert Audien präsentiert. 

Psychedelische Lichtkunst von Achim Mogge.

„Ich fand das sehr anspornend, dass diese ,old style‘ Installationen bei den heutigen Clubgängern gut ankam“, freut sich Mogge, der Künstler. „Gärtnern kann anderen Leuten Spaß machen. Aber mein Ding ist das nicht.“ Er braucht das Gefühl etwas Besonderes zu machen. Und dennoch besitzt er ein Haus in Hannover. Mit Garten. 

Dieser Artikel wurde ursprünglich bei Brennpunkt F!, dem Onlinemagazin der Jungen Presse Berlin veröffentlicht. Alle Rechte liegen bei der Autorin.

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