Berlin

Berlin Jukebox: Baladino

Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2014
Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2014

Die israelische Folkband "Ba­la­di­no" lebt zwischen Ländern, Sprachen und Kulturen. Teils in Berlin, teils in Tel Aviv nutzen sie digitale Technologien, um ihre hybride und mitreißende Musik zu Ladino-Melodien und Weltmusikrhythmen zu produzieren. Cafébabel Berlin traf zwei der in Berlin lebenden Bandmitglieder.

Ver­schie­dens­te mu­si­ka­li­sche Ein­flüs­se, ein Leben in Ber­lin und Tel Aviv, 25 In­stru­men­te wäh­rend eines Kon­zer­tes auf der Bühne: Es lässt sich er­ah­nen, dass Ba­la­di­no keine lang­wei­li­ge Main­stream-Band ist. Die Band, die 2012 ge­grün­det wurde, möch­te ihr ei­ge­nes Ding ma­chen.

Cafébabel: Wie wür­det ihr euren Stil be­schrei­ben?

Yael Ba­da­sh: Wir ma­chen Folk. Un­se­re Musik ist von tra­di­tio­nel­len Me­lo­di­en be­ein­flusst – von La­di­no (jü­di­sches Spa­nisch, Anm. d. Red.) Me­lo­di­en zum Bei­spiel. Aber wir las­sen uns auch von Musik auf der gan­zen Welt in­spi­rie­ren. 

Cafébabel: Zum Bei­spiel?

Yael: In Ber­lin hat uns tür­ki­sche Musik sehr be­ein­flusst, weil die hier eine große Rolle spielt. Wir haben sogar Un­ter­richts­stun­den ge­nom­men. Au­ßer­dem kom­bi­nie­ren wir un­se­ren Folk mit Elek­tro­ni­ca

"La ku­mi­da 'la manya­na" aus dem neuen Album "Dos Aman­tes".

Cafébabel: Dann seid ihr in Ber­lin genau rich­tig. Was be­deu­tet die Haupt­stadt für euch?

Tho­mas Moked: Meine Groß­el­tern kom­men aus Ber­lin. Und ich woll­te immer an einem Ort leben, an dem du deine Wur­zeln ver­ste­hen lernst. Denn du kannst dei­nen per­sön­li­chen Hin­ter­grund nicht ein­fach er­ler­nen. Du musst ihn leben.

Yael: Aber auch wenn du dich an einem Ort wie­der­fin­dest an dem du neu bist, dann hilft es die Kul­tur zu ver­ste­hen und zu leben. Und das wie­der­um hilft Musik zu ver­ste­hen.

Tho­mas: Au­ßer­dem hat Ber­lin die­sen ge­wis­sen Rhyth­mus. Der dir hilft run­ter zu kom­men. Ich war sehr über­rascht, mit­ten am Tag drau­ßen Leute lesen zu sehen. Hier kannst du ar­bei­ten und leben.

Cafébabel: Aber eure Band­kollegen Yon­nie Dror, Adam Ben Ezra und Yshai Af­ter­man, leben in Tel Aviv. Wie funk­tio­niert eure Zu­sam­men­ar­beit?

Tho­mas: Wenn du in der­sel­ben Stadt lebst, ist es sehr viel schwie­ri­ger, weil du ab­ge­lenkt wer­den kannst. Seit­dem wir bei­den nicht mehr in Tel Aviv leben, ma­chen wir wirk­lich ge­mein­sam Musik.

Yael: Wir fo­kus­sie­ren uns ein­fach sehr viel stär­ker auf un­se­re Ar­beit.

Tho­mas: Einen gro­ßen Teil der Ar­beit er­le­di­gen wir dabei über das In­ter­net. Du kannst Sky­pean­ru­fe mit­ten in der Nacht er­hal­ten und ge­mein­sam an Musik ar­bei­ten. Und wenn wir dann so­weit sind, tref­fen für uns für eine Woche und ar­bei­ten zu­sam­men am sel­ben Ort. Diese eine Woche ist der Knal­ler. Es ist wie eine Fern­be­zie­hung. Wenn du dich end­lich siehst, dann willst du so­fort alles zu­sam­men ma­chen.

Cafébabel: Und das ist bei Ba­la­di­no der Fall?

Tho­mas: Ja! Unser Album haben wir zum Bei­spiel in ein­ein­halb Tagen auf­ge­nom­men. Das schaffst du nur, wenn du die Leute rich­tig gut kennst. Bei denen die Dy­na­mik stimmt. Wir kön­nen auch mal auf der Bühne im­pro­vi­sie­ren. Je län­ger du mit ein­an­der ar­bei­test, desto bes­ser wird es.

Cafébabel: Ihr seid ge­ra­de von einer sechs­wö­chi­gen Tour aus den USA zu­rück. Was kommt jetzt?

Yael:  Ge­ra­de haben wir unser neues Album in Is­ra­el ver­öf­fent­licht. Und da­nach star­ten wir ein neues Pro­jekt. Im Som­mer wol­len wir unser nächs­tes Album hier in Ber­lin auf­neh­men. Na­tür­lich wird die Stadt den Stil des Al­bums be­ein­flus­sen. Und wir wol­len hier auf jeden Fall auch ein Kon­zert geben.

Eben­falls brand­neu: "Quan­do el rey Nim­rod".

Cafébabel Berlin schmeißt die Jukebox an

Keine Lust mehr auf die immer glei­chen To­phits, Ra­di­o­schlei­fen oder Spo­ti­fy-Play­lists? Ab April 2014 stel­len wir euch in der Ru­brik Juke­box junge Mu­si­ker, DJs und Live Acts aus Ber­lin vor, die noch Un­er­hör­tes zu bie­ten haben. Mehr Tracks und Play­lists gibt es auf Face­book und Twit­ter