Berlin

1989: Das Jahr, in dem alles begann

Artikel veröffentlicht am 30. September 2014
Artikel veröffentlicht am 30. September 2014

Vor zehn Jahren schlossen sich Polen und andere ehemalige Sowjetstaaten der Europäischen Union an. Vor 25 Jahren fiel der Eiserne Vorhang. Diese Zahlen regen an, Polens holprigen Weg zur Gegenwart und Zentralosteuropas komplizierte Geschichte zu betrachten.  

Es war einmal... Die Geschichte beginnt 1989, als die Sowjetunion wie ein Kartenhaus zusammenfiel und seine Verbündeten verlor. Das erste Mal seit Jahren konnten die Bewohner von Ländern wie Polen (damals bekannt als Volksrepublik PolenPRL) dorthin reisen, wohin ihre Fantasie sie zog, nämlich in Richtung Freiheit. Polen gedieh aus der Asche seiner kommnunustischen Vergangenheit und wurde ein starker, unabhängiger Mitspieler in der Region.

"Danse macabre" der Kommunisten

Die Geschichte beginnt zwar 1989, aber nicht für mich. Meine Generation musste nicht unter der kommunistischen Herrschaft leiden. Ich wurde dreieinhalb Jahre nach dem bedeutsamen Juni 1989 geboren. Daher muss ich mich auf die Erinnerungen derer verlassen, die das Pech hatten, den danse macabre der Kommunisten erlebt zu haben. Meine Freunde, Eltern und Verwandte mussten mir im Studium und in der Schule alles erzählen. Die Ära der Kommunisten hat maßgeblich die Erinnerungen der Jugendlichen in den 1980er- und 1990er Jahren geprägt. Sie waren es auch, die während der ersten Freiheitsjahre ganz vorne mit dabei waren und die Verwandlung des Kommunismus in Demokratie beobachteten.

Ich atme vor Erleichterung auf, dass ich das kommunistische Polen nicht erleben musste, wenn ich den Geschichten meiner Mutter und ihrer Freunde lausche, die Schutz vor der ZOMO (motorisierte Reserven der Bürgermiliz) suchten oder an illegalen Demonstrationen und regierungskritischen Aufständen teilnahmen. Aber wenn sie erzählen, dass sie nach 1989 unvorstellbar glücklich waren, weil Polen Schritt für Schritt aus der Finsternis des Kommunismus stieg und sie als Studenten die ersten Reisen ins Ausland machten ohne verdächtigt zu werden, eigentlich illegal einwandern zu wollen, dann weiß ich, dass ich ihre Gefühle nie ganz nachvollziehen werden könne, weil ich bereits in einem freien Land geboren wurde.

Als die letzten Freiheitsrufe verstummten, bemerkten die Leute, dass sich eine Kleinigkeit verändert hatte und nun ein langer und lästiger Weg in eine bessere Zukunft begann. Dunkle Straßentore und Vorplätze lösen keine Erinnerungen mehr an die blutrünstige Bürgermiliz und den UB (kommunistischer Sicherheitsdienst) aus, sondern sind heute Spielplätze einer neuen Generation. Ich bin stolz darauf, zu dieser Generation zu gehören. 

Beyond the Curtain: 25 Jahre offene Grenzen

Vor 25 Jahren fiel der Eiserne Vorhang. Vor zehn Jahren traten acht postkommunistische Staaten der EU bei. Aber was wissen wir wirklich über unsere Nachbarn jenseits der Grenze? Schreibt an berlin(at)cafebabel.com, um Teil des Reporterteams zu werden!