Zwischen zwei Welten

Artikel veröffentlicht am 18. Mai 2016
Artikel veröffentlicht am 18. Mai 2016

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Kritik des Filmes „Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten“: Eine junge Auswanderin muss sich zwischen ihren irischen Wurzeln und ihrer neuen Heimat in New York entscheiden. Ein Film über Liebe, Familie und was Heimat bedeutet.

Es ist die Geschichte einer jungen irischen Frau, die auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben in der fünfziger Jahren nach Amerika auswandert. Doch als sie endlich beides findet, wird sie von ihrer alten Umgebung eingeholt.

“She thought it was strange that the mere sensation of savouring the prospect of something could make her think for a while that is must be the prospect of home.”

("Sie dachte, wie merkwürdig es war, dass das Gefühl einer Vorfreude auf etwas in ihr für kurze Zeit den Gedanken aufkommen ließ, dass es sich um die Aussicht auf Heimat handelte.")

- Colm Tóibín, „Brooklyn“

Der Film beruht auf einem Buch des Autors Colm Tóibín, der 1955,wie auch die Protagonistin Eilis, in Enniscorthy geboren ist und sich sehr mit der irischen Gesellschaft und dem Thema der Emigration beschäftigt, was es bedeutet in der Fremde zu leben und sich eine Heimat zu suchen. „Brooklyn“ wurde 2009 veröffentlicht. Wie das Zitat verdeutlicht, handelt das Buch von einer jungen Frau, die einen Ort sucht, den sie Heimat nennen kann. Zu Beginn versucht sie ihren Schmerz vor der Welt zu verstecken, kann jedoch ihr Heimweh nicht verbergen, also nimmt sie sich zusammen und versucht anders mit ihrer neuen Situation klarzukommen. Und dann trifft sie auf Tony, einen jungen italienischen Klempner mit einer großen Familie. Und Eilis beginnt, sich eine Heimat zu schaffen. Doch das Unvorstellbare geschieht, ihre Schwester in Irland stirbt. Ihre Mutter muss nun um sich selber sorgen. Eilis muss sich zwischen ihrem Wunsch, ihr neues Leben in Brooklyn weiterzuführen, und ihrer Pflicht ihrer Mutter und Schuldgefühlen ihrer Schwester gegenüber entscheiden. Sie reist also zurück nach Irland.

Vieles hat sich in ihrer Heimatstadt verändert, als Eilis Lacey dort wieder zurückkehrt. Doch gewöhnt sie sich schnell wieder ein und lebt ihr Leben weiter, als ob sie sich nie auf den Weg in die neue Welt gemacht hätte.

Sie verliebt sich sogar in einen jungen Mann aus dem Ort, wundervoll gespielt von Domnhall Gleeson. Aber in ihrer Suche nach Heimat verläuft sie sich : Sie ist hin-und hergerissen zwischen zwei verschiedenen Welten und zwei Männern. Tóibíns Werke sind durchzogen von einer unerklärlichen und undefinierbaren Sehnsucht. Die Sehnsucht nach einer Heimat, die es nicht mehr gibt. Was soll Eilis nun tun? So tun, als ob sie Irland nie verlassen hätte und sich wieder in die irische Gesellschaft einordnen? Oder akzeptieren, dass sie sich in der Zeit, die sie in Amerika verbracht hat, verändert hat und sich nicht so einfach wieder in das kleine Dorf in Wexford einfügen kann?

Bevor ich jedoch abschweife, komme ich nicht umhin, die hochtalentierten Schauspieler zu erwähnen, die in diesem Film zusammengekommen sind. Saoirse Ronan liefert hier ganz offensichtlich eine ihrer besten Darbietungen, vor allem wenn man berücksichtigt, wie wichtig er für sie war.  Der Werdegang von Eilis ähnelt dem Ihren. Saoirse Ronan ist in der Bronx, einem anderen Viertel von New York, geboren und ist mit ihren irischen Eltern nach Irland gezogen als sich noch sehr jung war. Ihre Eltern haben sogar im Rathaus von Brooklyn geheiratet, ähnlich wie Eilis und Tony im Film. Ihr lag dieser Film also sehr am Herzen und sie wollte, dass der Film gut aufgenommen wird, insbesondere vom irischen Publikum. Sie hat sogar darum gebeten, den grünen Badeanzug aus dem Film als Andenken behalten zu dürfen.

Emory Cohen spielt Eilis späteren Ehemann Tony und ist besonders beeindruckend : Ein frisches Gesicht und so richtig für diese Rolle. Er wird aufgrund seines Aussehens und seines Talentes, verspielte und doch tiefe Persönlichkeiten zu spielen, mit Größen wie Marlon Brando verglichen. Emory Cohen stellt Tony mit einer solchen Ehrlichkeit und Verletzlichkeit dar, dass man sich nur zu gerne von ihm verzaubern lässt. Ein wahrer Kinoheld aus den 50er Jahren, geboren im Jahre 1990. Ich hatte ihn sogar schon vorher einmal in einem Film gesehen. Er spielt Bradley Coopers geistig verwirrten Sohn im Film The Place Beyond the Pines. Seine Darbietung, sowie die von Dane DeHaans (der Sohn von Ryan Gosling), haben mich damals schon sehr beeindruckt. Beide sind so jung, spielen ihre Rollen aber mit einer solchen Tiefe. Es sollte sich lohnen, Emory Cohens Karriere im Auge zu behalten. Von ihm können wir noch mehr erwarten.

Eine weitere Glanzleistung liefert die brillante Julie Walters. In diesem Film zu spielen war auch für sie eine sehr emotionale und persönliche Erfahrung. Ihre Mutter war Irin, der Film wurde für sie eine Reise in ihre eigene Vergangenheit. Es ist somit auch viel nachvollziehbarer, wie auf den Punkt gebracht die Darbietung ihrer Figur ist und auch wie authentisch ihr Akzent wirkt.

Die Ruhe in Tóibíns Roman spiegelt sich im Film wunderbar wider. Nick Hornby muss an dieser Stelle für seine großartige Arbeit als Drehbuchautor gelobt werden, denn er hat das Buch adaptiert und somit die Grundlage für diesen sehr rührenden Film geschaffen. Nick Hornby ist der Ehemann von Amanda Posey, einer der Produzenten des Filmes. Man sieht also, um was für ein kleines aber ambitioniertes Werk es sich handelt. Der BAFTA für besten britischen Film ist somit ein sehr verdienter Preis.

Nur eine Frage bleibt offen: Wird Eilis zu Tony zurückkehren? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich den Film anschauen, aber ich sage schon mal Folgendes: Wir alle können uns selber eine Heimat zu schaffen, die den Hoffnungen, Wünschen, Dramen und Enttäuschungen unseres täglichen Lebens ein Zuhause gibt. Das habe ich aus diesen Film gelernt.