Zwischen Kredit und Kreativität: Die Generation Y in Polen

Artikel veröffentlicht am 16. April 2012
Artikel veröffentlicht am 16. April 2012
Jaja, die junge Menschen von heute: Sie bummeln trotz Hochschulabschluss durch die Welt und surfen als „digital natives“ durchs Netz. Vor allem aber sind sie ehrgeizig und darauf bedacht, Karriere zu machen. Das sagt zumindest die amerikanische Definition der Generation Y. Aber trifft sie auch auf die jungen Polen zu?

"Y" ist für mich wie "X": eine Unbekannte. Die polnische „Generation Y" ist mehr oder weniger undefinierbar. Es fällt schwer, eine Masse von Individuen wie ein homogenes Gebilde zu betrachten. Genauso schwierig ist es, eine Definition dieser Generation zu finden, die auch für andere Länder gilt.

"Es gibt eine Kreditkrise, aber keine Kreativitätskrise", steht auf dem Plakat geschrieben.Theoretisch gehöre ich der Generation Y an: Ich habe zwei Master-Abschlüsse, ich reise viel und habe im Ausland gearbeitet. Der Computer ist für mich schon seit langem eher Arbeitsgerät als Spielzeug. Auch wenn ich hohe Ansprüche an mich selbst stelle, bleibe ich doch realistisch gegenüber der Arbeitswelt: Ich weiß genau, dass ich trotz meiner guten Kenntnisse der Geisteswissenschaften ohne Erfahrung nicht zum Ziel kommen werde. Ich weiß auch, dass ich Arbeit brauche, damit meine Kreativität in die Tat umgesetzt werden kann. Dafür allerdings muss ich ganz unten an der Leiter anfangen!

Was die Studienqualität betrifft -machen wir uns doch nichts vor- jeder weiß, wie der Unterricht an den Universitäten abläuft. Außerdem wäre es ein Irrtum, zu glauben, dass ein Diplom ein Beleg für Können sei. Ein Abschluss dient nur als Ausweis für eine "Reise" durch die Praktika, die Aus- und die Weiterbildungen. Und die Tatsache, andere Länder kennengelernt zu haben, wird zur Belastung. Sie treibt uns der Frage, warum wir es nicht anderen gleichtun. Warum machen wir es nicht wie die Schweden, die halbtags arbeiten, genügend zum Leben verdienen und gleichzeitig auch noch ihre Freizeit genießen können?

Ja, unsere Realität ist bitter!

Warum machen wir es nicht wie die Schweden, die halbtags arbeiten , genügend zum Leben verdienen und gleichzeitig ihre Freizeit genießen können?

Na gut, wir waren die Ersten, die Informatik als Schulfach eingeführt haben – aber erst auf dem Gymnasium. So konnten wir in einer realen Welt aufwachsen, weit weg von high tech und virtuellen Hobbies. Stattdessen haben wir mit anderen Kindern auf dem Schulhof gespielt und gelernt, mit der Hand zu schreiben. Erst dann kam unsere Begeisterung für die Technik auf, wie auch bei allen anderen, aber mit dem kleinen Unterschied: Wir haben uns ihr auf pragmatische Art und Weise angenähert. Sie ist ein Werkzeug, um ein Ziel zu erreichen, und kein Ziel an sich. iPods und Smartphones sind praktisch, denn sie ermöglichen es, sich zu entspannen oder Zeit zu sparen. Und Zeit ist Geld. Wenn wir also dank dieser neumodischen Geräte effizienter sein können, warum nicht? Die anderen tun das, also tun wir es auch!

Wir passen uns an, weil wir keine Wahl haben

Wir, die Generation Y, sind voller Ambitionen. Das ist nicht mit Arroganz zu verwechseln. Die meisten von uns haben sehr viel Mühe in ihre persönliche Entwicklung gesteckt und wir sind immer bereit, unsere Fähigkeiten zu erweitern. Ganz im Gegensatz zu unseren Kollegen jenseits des Atlantiks passen wir uns ohne Weiteres an Dresscodes und Überstunden an. Wir passen uns an, weil wir keine Wahl haben: In Krisenzeiten ist es besser, sich zu fügen. Die Arbeitslosigkeit kann selbst die Besten treffen.

Wir behaupten, wir hätten klar definierte politische Überzeugungen. Doch in Wahrheit stellen wir sie nicht öffentlich zur Schau, sondern beschränken uns auf Political Correctness. Die Politik bleibt ein Zeitvertreib, neben all den anderen wie Mode, Technik, Musik und Sport. Obwohl man in letzter Zeit sehen konnte, dass z.B. die Kritik an ACTA auch in Polen zugenommen hat, darf unser Einfluss nicht zu hoch eingeschätzt werden. Wir sind viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt und vergessen alles andere. 

Die Autorin dieses Artikel Pani Ka inszeniert sich ganz im Stil der Generation "Schweizer Franken": Ein schönes Leben auf PumpEs ist nicht leicht, eine Gemeinsamkeit für die Vertreter der Generation Y zu finden – außer ein Kredit in Schweizer Franken vielleicht. Dieser gefährliche Kredit, den wir bereits haben oder in naher Zukunft bekommen. Wir sind bereits oder noch nicht verschuldet. Unsere Generation ist auf dem besten Wege, eine „Generation der Schweizer Franken“ zu werden. Doch keine Angst: Mit unserer Hartnäckigkeit und unserem Einfallsreichtum werden wir unsere Kredite zurückzahlen und uns gleichzeitig einen hohen Lebensstandard und eine rosige Zukunft sichern!

Eine Übersetzung von Silke Nagel

Fotos (in der Reihenfolge des Textes): (cc)calleecakes/flickr.com, (cc)Perrenque/flickr.com, (cc)art crimes/flickr.com sowie Porträt von Pani Ka