Zum 30. Todestag des Chansonniers: Leben wie Brassens in Frankreich

Artikel veröffentlicht am 31. Oktober 2011
Artikel veröffentlicht am 31. Oktober 2011
Am 29. Oktober war der dreißigste Todestag des "allumfassenden Gottes der französischen Chanson-Kultur" - Georges Brassens (1921 - 1981). Aber lasst euch nicht von den Statistiken des französischen Atheismus hinters Licht führen: Die Franzosen glauben weiterhin - an Brassens, an Gainsbourg, an den Kommunismus und daran, dass die Champs-Elysées die schönste Straße der Welt ist.

“Das muss man einfach anerkennen”, empört sich mein französischer Kollege in der Redaktion: “Man muss es einfach zugeben. Brassens ist ein Genie!” Und ganz Europa soll es wissen, zelebrieren, soll den großen Tag fast religiös begehen: Der französische Chansonnier Georges Brassens ist seit 30 Jahren tot. - Gott ist tot, aber nicht in Frankreich.

Während ich in die Augen meines Kollegen blicke, die - wenn es um Brassens geht - zunächst euphorisch und weit aufgerissen sind,  dann aber leicht verdreht werden, genau dann nämlich, wenn die meisten seiner britischen, spanischen, polnischen und deutschen Kollegen (oder der Schmelztiegel der Zentralredaktion von cafebabel.com in Paris) seine große Bewunderung für das Idol nicht teilen, erinnere ich mich an ein Gespräch mit einer Vierjährigen.

Ich hatte Gelegenheit die junge französische Dame auf einer Party zu treffen, die ich für meine Freunde in meiner neuen Pariser Wohnung organisiert hatte. “Gefällt es dir hier?” fragte sie mich. Ich dachte, sie beziehe sich auf meine neue Bleibe und antworte ihr umgehend: "Ja, est ist sehr angenehm und…". Sie unterbricht mich: "NATÜRLICH, Frankreich ist ein schönes Land." Punkt, Ende der Diskussion! Was, ihr habt also noch nie ein Lied des großen Dichters* Georges Brassens gehört? Hmmm, und ich bekomme ganz plötzlich Lust zu fragen: “Gombrowicz, G o m b r o w i c z, was? Ihr habt noch nie von Gombrowicz gehört?!"

*Zitat aus einem der bekanntesten Romane von Witold Gombrowicz: Ferdydurke.  "Słowacki war ein großer Dichter."

Illustrationen: Homepage(cc)amanda farah/Flickr; Videos: Youtube