Zu Guttenberg: Wirtschaftsbaron mit Superman-Allüren

Artikel veröffentlicht am 21. September 2009
Artikel veröffentlicht am 21. September 2009
Politischer Hoffnungsträger oder adliger Schnösel? Der aktuelle deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg spaltet die Geister. Mit Aussagen über eine Karriere nach der Bundestagswahl hält sich der 37-Jährige bisher aber vornehm zurück.

Seine Stunde schlug am 7. Februar 2009. Damals hatte Michael Glos (CSU) das Handtuch geworfen und in Deutschland war plötzlich das Amt des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie vakant - ein Job, den mitten in der Finanzkrise eigentlich keiner haben wollte. Nur wenige Tage später wurde Karl-Theodor zu Guttenberg (ebenfalls CSU) als bisher jüngster Wirtschaftsminister Deutschlands vereidigt.

Obama, made in Germany?

Guttenberg polarisiert. Man kann ihn zum Hoffnungsträger einer neuen Generation von Politikern hochloben. Er glänze mit Fremdsprachenkenntnissen und einem hervorragenden Juraabschluss, stehe zu seinem Wort, sei eloquent und sogar adrett gekleidet. Oder man rauft sich die Haare darüber, dass so Deutschlands Obama aussehen soll: Adlig, klavierspielend, Besitzer eines Schlosses in Oberfranken mit Wehrdiensterfahrung bei den bayerischen Gebirgsjägern. Einer, dem scheinbar alles gelingt und der nun ins Feld zieht gegen Mindestlöhne und Staatshilfen für marode Banken.

Zündstoff für die Gerüchteküche

Die Presse nahm seinen Amtsantritt dankbar auf. Den ersten Skandal entfachte der Name des frischgebackenen Ministers. Ein anonymer Wikipedia-Autor hatte zu dessen zehn Vornamen (Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester) kurzerhand noch einen „Wilhelm“ hinzu gemogelt - Als ob Guttenbergs Ehe mit einer Urenkelin Bismarcks noch nicht geschichtsträchtig genug sei. „Müssen wir uns diesen Namen merken?“ titelte prompt die BILD-Zeitung und druckte das Namensungetüm ab. Eine weitere Ungewissheit: Woher nimmt der neue Minister seine Wirtschaftskompetenz? Bei der Jungen Union und als Bundestagsabgeordneter hatte er sich um die Außenpolitik gekümmert. Eine Spurensuche des NDR im heimatlichen Bayern ergab, dass Guttenberg das Familienvermögen verwaltete und dabei Herr über drei Mitarbeiter gewesen war.

©zuguttenberg.de/ cafebabel.com

Steuern runter, Opel raus

Der Krise begegnet er mit markigen Sprüchen und der Erinnerung daran, dass sich Leistung wieder lohnen muss.

Wirtschaftskompetenz hin oder her: In seiner siebenmonatigen Amtszeit hat sich Guttenberg Respekt verschafft. Im ZDF-Politbarometer liegt er auf Platz 2 der „wichtigsten“ Politiker - direkt hinter Angela Merkel. Der Krise begegnet er mit markigen Sprüchen und der Erinnerung daran, dass sich Leistung wieder lohnen muss. Im Klartext: Die Steuern müssen sinken und der Staat hat auf dem Markt nichts verloren. Das Konjunkturpaket II, von der Bundesregierung im Januar 2009 verabschiedet, trägt Guttenberg mit. Doch sollte Väterchen Staat anschließend in die Nachtwächterrolle zurückkehren, die ihm der Liberalismus traditionsgemäß zuschreibt. „Ich bin ein erklärter Kritiker protektionistischer Ansätze“, betonte Guttenberg im Februar gegenüber der FAZ .

Seine Feuertaufe bekam er in den USA: Die Pleite des Autokonzerns General Motors bedrohte auch die deutsche Tochterfirma Opel. Guttenberg sprach sich für eine Insolvenz von Opel aus und kalkulierte dabei den Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland ein. Dass er damit sein Wort gegen das der Kanzlerin erhoben hat, kam in der Öffentlichkeit gut an. Nach zähen Verhandlungen und einem Rückzieher des Ministers ist Opel nun aber doch unter der Haube. Seine verpatze Amerika-Tour adelte Guttenberg mit dem Glamour-Faktor und Fototerminen auf dem Times Square.

„Müssen wir uns diesen Namen merken?“

Kurz vor der Bundestagswahl ist er bemüht, nun auch mal richtig jung zu wirken. Er streift sich auf bayerischen Markplätzen ACDC-Hemden über und rockt was das Zeug hält. Oder er sammelt in dem von der Jungen Union Bayern kreierten Computerduell 'Sanieren oder Ruinieren' mit Finanzminister Peer Steinbrück die Goldbarren auf, die der SPD-Mann aus dem Fenster wirft. Jung, dynamisch und voller Potenzial? Zukunftsträume in Richtung Kanzleramt verbieten sich adligen Manieren von selbst: Nicht einmal über die Zeit nach der Bundestagswahl 2009 würde er spekulieren, bitte! Im Vergleich mit dem letzten Spitzenkandidaten der CSU wäre Guttenberg klar im Vorteil: Er ist weltgewandt und spricht hochdeutsch. Aber dass er sich bei seinem Internetauftritt im Trachtenjäckchen zeigt, wird ihm der Rest der Republik nicht verzeihen.