Zu Gast bei Feinden

Artikel veröffentlicht am 26. Juni 2006
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Artikel veröffentlicht am 26. Juni 2006

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Jedes Land hat seine ganz eigenen Fußballerinnerungen, die häufig tief sitzende Rivalitäten schüren. Es gibt Niederlagen, die man nicht vergisst...

England: Das Wembley-Tor (das keines war)

Endspiel der Weltmeisterschaft 1966 im Londoner Wembley-Stadion: Deutschland spielt gegen den Gastgeber England. Nach neunzig Minuten steht es zwei zu zwei. Die Verlängerung soll entscheiden, welche der beiden Mannschaften den Weltmeistertitel nach Hause nehmen darf. Plötzlich trifft ein Schuss von Geoff Hurst die Latte, der Ball setzt hinter der Torlinie auf – oder auch nicht. Es war ein Scheintor.

Der Schiedsrichter war sich unsicher und befragte den Linienrichter. Gültig. Den Engländern wurde ein Tor angerechnet. Wenige Minuten später schossen sie das vierte Tor und wurden Weltmeister. England hatte Grund zum Jubeln. Bei den Deutschen dagegen sitzt der Stachel der Enttäuschung immer noch tief. Schließlich war es ja kein Tor...

Tschechoslowakei: Das Panenka-Tor

Während dem Endspiel der Europameisterschaft 1976 reichen weder die regulären neunzig Minuten noch die Nachspielzeit aus, um das Spiel zu entscheiden. Die Tschechoslowaken stehen kurz vor dem Sieg im Elfmeterschießen gegen Deutschland. Die ganze Verantwortung lastet auf dem Schuh von Antonin Panenka. Wenn er den Elfmeter verwandelt, sind die Tschechoslowaken Europameister.

Der Spieler nähert sich dem Ball. Kurz bevor er schießt, nimmt er wahr, dass der deutsche Torwart Sepp Maier nach links hechten will. Panenka setzt die Fußspitze unter den Ball, hebt ihn an und lupft ihn in Richtung Tor. Das runde Leder schwebt in die Mitte des Tors. Sepp Maier hat keine Zeit mehr zu reagieren und kann das Tor nicht verhindern. Noch bevor der Ball im Tor ist, wirft Panenka die Arme in die Höhe und feiert den Sieg der Tschechoslowaken – und seinen gefühlvollen Heber, der als „Panenka-Heber“ in die Geschichte eingehen wird.

Spanien: Manolo mit der Pauke

Der treueste Fan der spanischen Nationalmannschaft ist der charismatische Manuel Cáceres Artesero, 41 Jahre alt und besser bekannt als Manolo el del bombo („Manolo mit der Pauke“). In Spanien ist Manolo sehr populär und ist bereits in verschiedenen Werbespots aufgetreten.

Während manche ihn für übergeschnappt halten, werfen ihm andere vor, ein Marketing-Produkt zu sein. Dies ist bereits die siebte Weltmeisterschaft, die Manolo von der Tribüne verfolgt. Mit seiner unverwechselbaren Baskenmütze und der Pauke in den Händen ist „der zwölfte Spieler der spanischen Mannschaft“ eine Art Hirte der spanischen Fußballfans, der über ein umfangreiches Repertoire patriotische Lieder verfügt.

Trotzdem machen ihn einige abergläubische Stimmen für das Pech der Nationalmannschaft verantwortlich und fordern seinen baldigen Rückzug. Der Journalist Juan Moreno schrieb unlängst in der Süddeutschen Zeitung einen offenen Brief an die spanische Fan-Ikone: „Hast du nie daran gedacht, dass der Einzige, der immer da war, der alle Niederlagen in den über 20 Jahren verbindet, du sein könntest? [...] Du hast Scheiße an der Trommel, unendlich viel Scheiße, seit 20 Jahren. Bitte, Du spürst es doch auch. Sei stark. Pack deine Sachen. Verschenk deine Karte. Geh heim. Tu es für dich, für uns. Für Spanien. Bitte.”

Italien: Die Euphorie von Tardelli

Wer die Weltmeisterschaft 1982 in Spanien miterlebt hat, hört sicher immer noch das Freudengeheul von Marco Tardelli, für viele der ausgelassenste Tor-Jubel der Fußballgeschichte. Tardelli schoss im Finale gegen Deutschland in der 69. Minute das entscheidende Tor. Von seinen Gefühlen überwältigt, begann er wie verrückt zu schreien und und über den Platz zu rennen. Er rannte und rannte und rannte – völlig ziellos, wie er selbst zugab – bis ihn seine Mitspieler umarmten.

20 Minuten später war Italien Weltmeister.

Portugal: Fahnen auf den Balkonen

Obwohl in der portugiesischen Mannschaft Fußballgrößen wie Eusebio Ferreira Da Silva oder Luis Figo spielten, hatte sie kein Glück bei internationalen Turnieren. Der Teamchef der Portugiesen, Luis Felipe Scolari, wollte die Serie der schlechten Ergebnisse durch eine Volksmobilisation beenden. Während der Europameisterschaft 2004, bei der Portugal Gastgeber war, bat Felipe alle Portugiesen, die Nationalflagge in die Fenster und auf die Balkone zu hängen.

Zehntausende Fahnen färbten die Fassaden der Städte rot und grün. Das gesamte Land war sich bewusst, dass die Stunde der Wahrheit gekommen war. Ganz Portugal stand hinter der Mannschaft. Zum Schluss hatte Griechenland jedoch das treffsichere Team und nahm den Titel mit nach Hause. Die Portugiesen müssen sich wohl ein anderes Mittel gegen die bösen Geister suchen.

Holland und Deutschland: Auf in die Spuck-Schlacht

Die Spiele von Holland gegen Deutschland haben eine ganz besondere Atmosphäre, eine tiefe Rivalität, die auf dem Fußballfeld geboren wurde. Im Achtelfinale der Weltmeisterschaft 1990 bespuckte der Holländer Frank Rijkaard, heute Trainer des FC Barcelona, den deutschen Spieler Rudi Völler. Der erste Versuch schlug fehl, doch der zweite traf gezielt die Mähne des Deutschen.

Die Proteste von Völler nutzten nichts, der Schiedsrichter hatte bereits das salomonische Urteil gefällt und verwies beide des Platzes. Am Ende gewann das deutsche Team zwei zu eins. Dieses Mal bekamen die holländischen Fans keine Gelegenheit, das berühmte „Schade Deutschland, alles ist vorbei, alles ist vorbei, alles ist vorbei“ zu singen.

An diesem Artikel haben mitgearbeitet: Nils Elzenga (Holland) und Bruno Barreira (Portugal)

Illustrationen: Henning Studte