Zapping durch Europa

Artikel veröffentlicht am 18. November 2008
Artikel veröffentlicht am 18. November 2008
Zapping-Sendungen flimmern über Bildschirme in ganz Europa: in Italien, Frankreich, Deutschland, Polen, Spanien. Ein Streifzug durch das europäische Fernsehprogramm.

Am 17. April 1989 wurde eine Idee geboren, die das moderne Fernsehen revolutionieren sollte. Der italienische Sender Rai 3 strahlte zum ersten Mal Blob aus, einen Fernseh-Cocktail, der aus Ausschnitten anderer Sendungen gemixt wurde. Die Sendung kam ganz ohne Kommentar aus; die Anordnung der Szenen sprach für sich allein und gab Anlass zu viel Satire und Ironie. Der Titel ist an den amerikanischen Horrorfilm The Blob (Der Fleck) angelehnt, obwohl die Bilder der italienischen Sendung, neben den vielen schaurigen Bildern politischer Natur, wahrscheinlich einen Schrecken ganz anderer Art verbreiten als der Film.

Die Sendung wurde ein Hit. Der gewitzte Programmdirektor des Senders Canal Plus in Frankreich, zu dieser Zeit Alain de Greef, zögerte nicht lange, die Idee zu kopieren. Seit September 1989 wird die Sendung La minute du Zapping ausgestrahlt, die in vier Minuten die aktuelle politische und soziale Situation anhand von Programmausschnitten widerspiegelt.

In jeder Sprache profitabel

Von Frankreich aus ging es nach Spanien. 1990 nahm der neu gegründete Canal Plus España das Format als dreiminütige Unterbrechung der Sendung Lo más plus auf. Gemeinsam mit Los Guiñoles (Die Marionetten), einer anderen aus dem Nachbarland importierten Sendung, bekam es den Sendeplatz, der das Markenzeichen der Sendung ist, und auf dem sie sich bis zu ihrer letzten Ausstrahlung mehr als zehn Jahre später hielt.

Das Originalkonzept breitete sich unterdessen weiter in Europa aus. Auf den deutschen Bildschirmen war es zum ersten Mal 1993 auf Premiere unter dem Namen Premiere Zapping zu sehen. In Polen nennt es sich Łapu-capu und wird ebenfalls von Canal Plus ausgestrahlt.

Tele-Shopping mir Oliver Kalkofe

Kalkofes Mattscheibe ist ein deutsches Phänomen. Es ist der Name einer Sendung auf Pro7, in der Oliver Kalkofe die absurdesten und schrägsten Fernsehszenen nachspielt. Er besitzt die Fähigkeit, alles aufs Korn zu nehmen, was der deutsche Fernsehalltag zu bieten hat: vom politischen Korrespondenten bis zu Szenen des klassischen Tele-Shoppings. 

In Spanien stieß Homo Zapping auf große Resonanz. Es sendete nicht eine Sekunde aus Sendungen anderer Kanäle; dafür parodierte die Schauspieltruppe die beliebtesten TV-Sendungen. Und man begnügte sich nicht mit spanischen Produktionen. Weltweit bekannte Serien wie House oder C.S.I. wurden häufig von Homo Zapping „analysiert“.

Bis heute ist Sé lo que hicisteis (Ich weiß, was ihr getan habt) eine der erfolgreichsten Sendungen des spanischen Fernsehprogramms La Sexta. Der Großteil der Sendung besteht aus Veralberungen von Ausschnitten des Fernsehmülls anderer Programme. Das scheint bei der Konkurrenz nicht gut anzukommen. Kürzlich hat der Sender Telecinco einen Rechtsstreit gegen die Sendung gewonnen, der vorgeworfen wurde, durch die unerlaubte Ausstrahlung fremder Sendeinhalte gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Weit davon entfernt, sich einschüchtern zu lassen, haben sich die Drehbuchautoren die Klage zunutze gemacht, um neue komische Situationen alle Art zu kreieren, und verzeichnen dank der durch das Urteil entfesselten Debatte die höchsten Einschaltquoten in der Geschichte der Sendung.