Zähne zeigen

Artikel veröffentlicht am 26. November 2008
Artikel veröffentlicht am 26. November 2008
Europa auf den Zahn gefühlt.

Spanien, vor einigen Jahren. Julián Muñoz und Isabel Pantoja. Er: Der für Korruption bekannte Bürgermeister von Marbella. Sie: eine populäre Folkloresängerin. Jahrelang war dieses Paar in der Medienlandschaft der iberischen Halbinsel erdrückend präsent.

Eines Tages genossen Muñoz und Pantoja ihre perfekt al dente©Francesca (It. 'am Zahn') gekochte Pasta bei ihrem Lieblingsitaliener in Marbella. Und obwohl Muñoz bereits strafrechtlich verfolgt wurde, 'hatte er noch alle Zähne beisammen' (avoir toutes ses dents©Jane), wie die Franzosen sagen - das heißt, er war noch in Höchstform. Er lebte trotz des Skandals normal weiter. Solange er noch seinen 'Zahn in den Teller rammen' konnte (hincarle el diente©Fernando) - ignorierte er blauäugig die Zukunft.

Unterdessen war aber eine Bande Journalisten auf den korrupten Bürgermeister aufmerksam geworden, 'bis unter die Zähne bewaffnet' (armed to the teeth©Nabeelah) mit Kameras, Objektiven und Mikrofonen. Die Franzosen unter ihnen klapperten vor Kälte mit den Zähnen (claquer les dents©Jane), denn sie waren von dem plötzlichen Wintereinbruch in Marbella überrascht worden.

Die Sängerin wurde auf die Journalisten aufmerksam und flehte ihren Mann an, das Haus schleunigst zu verlassen - ohne gesehen zu werden. Julián Muñoz und Isabel Pantoja mussten nun wirklich einen Zahn zulegen©Katha, wenn sie ungesehen davonkommen wollten.

Das Paar verließ das Haus - Die Presse war jedoch nicht zu vermeiden. Sie stellten unzählige Fragen. Das Paar wartete nun auf seinen Anwalt, während sich die Journalisten die Zähne an ihnen ausbissen (oder herauszogen - like pulling teeth©Nabeelah- wie die Engländer sagen). Señora Pantoja, die den Presserummel wohl eher gewohnt war als ihr Göttergatte, sagte kurzum unter einem wahrhaftigen Blitzelichtgewitter: “Dientes, dientes, que es lo que les jode©Pedro” ('Zähne zeigen - Zähne zeigen: Oh wie ich sie hasse'), ein Satz, der auch heute in Spanien noch oft zitiert wird.

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