Zahltag: Wie stark steigt Europas Einwanderung wirklich?

Artikel veröffentlicht am 19. Juli 2016
Artikel veröffentlicht am 19. Juli 2016

Statistiken zeigen: Immigration verändert die Bevölkerung Europas. Wie viel Wahrheit steckt in den Zahlen zu einer angeblichen „Immigranten-Invasion“, die bestimmte politische Parteien in ganz Europa beschwören?

Zwischen Juli 2015 und Juni 2016 haben Statistiken zufolge mehr als 1.000.000 Menschen auf Asylsuche die Grenze zu Europa überschritten. Dabei handelt es sich vor allem um Einwanderer aus Herkunftsländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak, aber auch aus vielen anderen Gebieten, wo „offiziell“ zwar kein Krieg herrscht, aber in denen es die unzumutbaren Lebensbedingungen unmöglich machen, in Sicherheit und Würde zu leben.

Europäische Regierungen haben mehrmals Anlauf genommen, um eine gemeinsame Aufnahmepolitik zu vereinbaren. Doch es ist bereits Realität, dass die starken Migrationsbewegungen einen deutlichen Einfluss auf die jeweilige Gesellschaft jener Staaten ausüben, in denen sich die Geflüchteten niedergelassen haben, um politisches Asyl zu beantragen.

Dies belegen Ergebnisse einer aktuellen Studie des US-amerikanischen Forschungsinstituts Pew Research Center: In einigen europäischen Ländern ist die Zahl der Einwanderer in den letzten 12 Monaten um mehr als ein Prozent gestiegen. Das mag sich zwar nach wenig anhören, stellt aber für ein westliches Land einen beträchtlichen Zuwachs dar. Als Vergleichswert kann man beispielsweise Statistiken der Migrationsbewegungen aus lateinamerikanischen Staaten in Richtung USA anführen: Um hier auf ein Wachstum von einem Prozentpunkt zu kommen, muss man sich auf das gesamte Jahrzehnt zwischen 2005 und 2015 beziehen.

Das Land mit dem größten Wachstum dieser Zahl ist Schweden (1,5 %), wobei man beachten muss, dass Immigranten und Immigrantinnen dort im Jahr 2015 ganze 16,8 % der Gesamtbevölkerung ausmachten (für 2016 wird ein Anstieg auf 18,3 % prognostiziert). Darauf folgen Ungarn mit 1,3 %, Österreich mit 1,1 % und Norwegen mit 1 % Zuwachs. Im Vergleich fallen vor allem die Zahlen aus Deutschland auf, welches im Herbst 2015 seine Tore für Flüchtlinge öffnete: Der Anstieg an Einwanderern betrug hier „nur“ 0,7 %. Das genannte Forschungsinstitut bezeichnete diese Zahl als „beachtlich, aber deutlich geringer als in anderen europäischen Ländern“.

Ebenso spannend ist der Blick auf jene Länder, die sich in der Geschichte besonders starken Migrationsströmen ausgesetzt sahen, wie Frankreich und Großbritannien, die hingegen aktuell nur 0,2% Wachstum verzeichnen: eine sehr niedrige Zahl im Vergleich zu anderen Staaten des Kontinents. Und zudem eine Zahl, die keinerlei Rechtfertigung für die Anti-Immigrations-Rhetorik liefert, die Leitmotiv der Pro-„Brexit“-Kampagne im britischen Königreich war. Auch die Daten aus Italien und Griechenland, den klassischen Durchreiseländern, sorgen für Verwunderung: Beide Länder verzeichnen einen Anstieg von nur 0,1%. In Spanien gab es sogar einen Rückgang um 0,1%

Zwei Dinge scheinen offensichtlich: Es ist klar, dass Einwanderung Europa verändert. Doch sie tut es in teils anderem Ausmaß als man uns oft glauben machen will.

Migrant surge drives big increases in immigrant share for several European countries _