Zahltag: Vergewaltigt und selbst schuld

Artikel veröffentlicht am 9. März 2016
Artikel veröffentlicht am 9. März 2016

„So wie die angezogen ist, muss sie sich nicht wundern, wenn etwas passiert… “, diese unreflektierte Vorstellung ist immer noch in den Köpfen einiger Männer in Bezug auf Frauen und Gewalt verankert.  In Frankreich denken 27% der Männer so. 

Eine Woche vor dem Weltfrauentag am 8. März hat eine Zahl in Frankreich für Aufsehen gesorgt: 27%. Eine von IPSOS und dem Verein Mémoires Traumatiques et Victimologie (Traumata und Opferforschung) in Auftrag gegebene Studie hat gezeigt, dass 27% der Franzosen, Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung werden, mitverantwortlich halten, weil sie im Moment des Übergriffs zu sexy angezogen seien.

Als Vergehen werden den Frauen unter anderem zu kurze Röcke, zu tiefe Ausschnitte und ein provokantes Verhalten vorgeworfen. Das Ergebnis dieser Untersuchung erinnert an Meinungsumfragen aus dem Internet ohne wissenschaftlichen Anspruch. Doch bei dieser Studie handelt es wirklich um eine wissenschaftliche Studie mit statistischen Stichproben. 

Sie zeigt außerdem, dass Frauen Stereotypen und Klischees über ihr eigenes Geschlecht nicht anfechten, sondern eher bestätigen: 22% der befragten Teilnehmerinnen stimmten der Behauptung zu,  dass Frauen Spaß an gezwungenem Sex empfinden könnten. Weitere 17% bekräftigten das Klischee, dass Frauen ‘nein‘ meinen, wenn sie ‘ja‘ sagen.

Die Gründe für dieses schockierende Ergebnis liegen nicht in kulturellen Missverständnissen oder der Naivität einiger Studienteilnehmerinnen, sondern in Ein- und Vorstellungen der Leute, die die Forscher als „niederschmetternd“ bezeichnen. Frauen wird unterstellt, dass sie alleine keine Entscheidungen treffen könnten. Auch wenn die Zahl der Menschen, die so denken, klein ist, schlägt das Thema trotzdem hohe Wellen, auch außerhalb Europas. In Großbritannien kämpft seit letztem Jahr die Kampagne #thisdoesntmeanyes gegen Vorurteile und sexistische Verhaltensweisen. Es gibt noch viel zu tun…