Zahltag: Panama Papers in Zeiten von Wikipedia

Artikel veröffentlicht am 11. April 2016
Artikel veröffentlicht am 11. April 2016

Es ist eine beeindruckende Menge Geheimdokumente, die den Zeitraum zwischen den 1970ern und 2016 abdecken. Monatelange Recherchen von hunderten Journalisten. Und nur 9 Minuten, um auf Wikipedia einen Eintrag über besagte Panama Papers zu erstellen.

Am 3. April 2016 um 17 Uhr 50 veröffentlicht der Guardian die Meldung: „Panama Papers, wie die Reichen und Schönen der Welt ihr Geld in Übersee verstecken“. Es vergehen gerademal 9 Minuten, bis das Ergebnis von monatelangen Recherchearbeiten in einem anderen Artikel verdichtet wird. Es handelt sich dabei nicht um einen Artikel einer journalistischen Redaktion, sondern um den Eintrag eines Teams virtueller, freiwilliger Redakteure, die sich quasi in Echtzeit ans Werk machen, den Wikipedia-Artikel über die Panama Papers anzulegen.

Seit der Artikel zum ersten Mal online ging, wurde er mindestens 724 Mal von 223 verschiedenen Personen verändert, im Durchschnitt einmal alle zweieinhalb Minuten. Eine partizipative Arbeit der Koordinierung, der Diskussion und der Quellenrecherche, die parallel zur Berichterstattung der großen Medien verläuft. Ganz zu schweigen von den Freiwilligen, die den Artikel in verschiedene Sprachen übersetzen.

Das Phänomen Panama Papers, aufgedeckt durch die wertvolle Arbeit des ICIJ, verdankt ihren Namen einem illustren Vorläufer: am 13. Juni 1971 wurden 7000 Seiten geheime Dokumente über Vietnam kopiert. Sie endeten in der New York Times. Gesammelt wurden diese Dokumente vom amerikanischen Verteidigungsministerium: es war das Jahr der Pentagon Papers.

Von Fotokopien bis zum Internet ist es ein enormer Sprung. Wir werden nie wissen, ob die 9 Minuten von Wikipedia ein Rekord sind. Aber eins ist sicher: wer sich nach einiger Zeit über das „Datenleck des Jahrhunderts“ informieren möchte, wird wahrscheinlich eher bei Wikipedia als beim Guardian landen.