Zahltag: Freiwillig freiberuflich?

Artikel veröffentlicht am 1. September 2016
Artikel veröffentlicht am 1. September 2016

Gegen den Strom zu schwimmen war noch nie einfach. Und trotzdem: immer mehr junge Menschen in Europa entscheiden sich laut einer neuen Studie für die Freiberuflichkeit. Aber auch freiwillig?

Die Jobwelt ändert sich scheinbar im Minutentakt. Vielleicht wird der feste 9-to-5 Job mit bezahltem Urlaub schon bald der Vergangenheit angehören. In allen EU-Ländern steigt die Zahl der Arbeitnehmer, die - entweder aus Überzeugung oder Zwang - entscheiden, ihr eigener Chef zu werden. Die Rede ist natürlich von Freelancern, Freiberuflern, im Englischen auch ipros (independent professionals) genannt. Zu dieser Gruppe gehören Journalisten, Berater, Filmemacher, Designer, Techniker und viele andere (meist) Kreative, die selbst entscheiden wollen, wie sie ihre Arbeitszeiten organisieren, von wo und zu welchem Preis sie arbeiten wollen.

Eigentlich ideal, oder? In der Theorie schon, die Realität sieht aber um einiges chaotischer aus. Die allgemein bekannten Nachteile dieses Arbeitsverhältnis beinhalten: eine ausgeglichene Work-Life-Balance, eine beachtenswert abwesende Unterstützung der Behörden und Politik und der Zwang als Freelancer arbeiten zu müssen, um Fuß in der Jobwelt zu fassen.

Patricia Leighton, Autorin der Studie Future Working: the rise of Europe's independent professionals (Arbeit der Zukunft: Europas wachsendes Freiberuflertum) zufolge, sei die wachsende Anzahl an Freiberuflern in Europa „beachtlich“. In neun Jahren, zwischen 2004 und 2013, ist die Zahl der freiberuflich arbeitenden Zunft von 6,2 auf fast 9 Millionen angewachsen. Damit sind die Freelancer die schnellstwachsende Arbeitnehmergruppe in Europa, insbesondere in Frankreich und den Niederlanden. Auch wenn freiberufliches Arbeiten längst nicht der Status quo ist, kann man einen Trend nicht verleugnen. „In Zeiten von rasantem Wandel und Konkurrenzkultur“, erklärt Leighton, „ist es für die Europapolitik und den Business-Sektor wichtig, die Arbeitsweise von Freiberuflern und ihren Nutzen für die Gesellschaft zu berücksichtigen.“