Zahltag: Der Terrorismus und die einsamen Wölfe

Artikel veröffentlicht am 4. Mai 2016
Artikel veröffentlicht am 4. Mai 2016

Nach jedem Terroranschlag richten wir unseren westlichen Blick automatisch auf den sogenannten IS oder andere islamistische Terrororganisationen. Dabei werden 80% aller Terroranschläge von isolierten Personen begangen, die keine Verbindungen zu organisierten Gruppen haben. Diese „einsamen Wölfe“ sind schwer zu fassen.

2015 hat das Institute for Economics and Peace (IEP), ein unabhängiger internationaler Think Tank, die dritte Ausgabe seines Global Terrorism Index herausgegeben. Der Bericht umfasst die Analyse von 140.000 terroristischen Handlungen, die zwischen 2000 und 2014 begangen wurden. Einige Ergebnisse sind nicht überraschend, zum Beispiel, dass terroristische Aktivitäten in den letzten Jahren um 80% gestiegen sind. Andere Schlussfolgerungen des Berichts halten uns dazu an, neu zu bewerten, was wir mit dem Begriff „Terrorismus“ verbinden. Das gilt besonders für Zahlen, die sich auf unsere westliche Welt beziehen.

Obwohl es oft den Anschein hat, war islamistischer Fundamentalismus im letzten Jahrzehnt nicht die Hauptursache terroristischer Attentate im Westen. Die Anschläge wurden oft von Tätern begangen, die in der Studie als „einsame Wölfe“ bezeichnet werden. Tatsächlich wurden 80% der Attacken in westlichen Ländern von isolierten Personen begangen, Anhängern von extremen rechten, nationalistischen oder systemfeindlichen Ideologien. Der Bericht bemerkt, dass diese „einsamen Wölfe“ für die Geheimdienste viel schwerer zu verfolgen sind als bekannte terroristische Gruppen.

Der Terrorismus hat heute einen bedeutenden Einfluss auf Flüchtlingsbewegungen und Migration. Dem IEP zufolge „haben 10 der 11 Länder, in denen 2014 mehr als 500 Menschen durch Terror getötet wurden, höhere Flüchtlingszahlen als der Rest der Welt verzeichnet.“ Dabei geht es sowohl um Menschen, die ihr Land verlassen als auch um solche, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. Im Jahr 2014 kamen 78% der Todesopfer weltweit aus nur fünf Staaten: Irak, Nigeria, Afghanistan, Pakistan und Syrien.