Zahltag aus Italien: Ärzte gegen Abtreibung

Artikel veröffentlicht am 29. März 2016
Artikel veröffentlicht am 29. März 2016

Abtreibung ist in Italien immer noch ein heikles Thema - mit vielen Gegnern. Besonders beeindruckend sind die Zahlen bei Ärzten, die Abtreibungen aus Gewissensgründen ablehnen: 7 von 10 Medizinern weigern sich, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen.

1978 war ein wichtiges Jahr für die Rechte der Frauen: In Italien wurde das Gesetz 194 verabschiedet, durch das Schwangerschaftsabbrüche legalisiert wurden. Seitdem sind mehr als 30 Jahre vergangen, aber für Frauen ist es immer noch extrem kompliziert, ungewollte Schwangerschaften abzubrechen. Nicht nur wegen der physischen und psychischen Auswirkungen einer Abtreibung, sondern weil es immer schwieriger ist, einen Arzt zu finden, der den Eingriff durchführen will.

Ein neuer Bericht des italienischen Gesundheitsministeriums hat Daten aus den Jahren 2013 und 2014 ausgewertet. Er zeigt, dass sich 70 % der italienischen Ärzte weigern, Abtreibungen durchzuführen. Eine Zahl, die weiter ansteigt: 2005 waren nur 59 % der Mediziner gegen eine Abtreibung.

Die Entscheidung, aus Gewissensgründen keine Abtreibungen durchzuführen, verträgt sich nicht mit dem Recht der Frauen, eine gesetzlich festgelegte Dienstleisung zu bekommen. Das zwingt Frauen zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Die Gesundheitsbehörden sind verpflichtet, genug Ärzte zu beschäftigen, die keine Abtreibungsgegner sind. Aber oft gibt es nicht genug Ärzte, um die Nachfrage nach Abtreibungen zu decken. Dadurch entstehen Verzögerungen in der Ausführung der Operationen, mit verheerenden Auswirkungen für die Frauen und die überlasteten Ärzte. In einigen Regionen, wie Molise (93,3 %) und Basilicata (90,2 %), übersteigt der Anteil der Abtreibungsgegner 90 %.

Eine weitere Studie von Ipsos hat ermittelt, dass die italienische Gesellschaft generell Abtreibungen ablehnender gegenübersteht als andere europäische Nationen. In Italien ist die Ansicht verbreiteter, dass Abtreibungen nur und ausschließlich in solchen Fällen praktiziert werden sollten, wenn die Mutter in Gefahr ist – nicht aus anderen Gründen.

Wer in Italien abtreiben will, muss nicht nur das Gewicht dieser Entscheidung tragen, sondern auch noch hoffen, einen Arzt zu finden, der eine Abtreibung mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Und dass die Warteliste nicht zu lang ist.