Zahltag: 7 Tage britisches Chaos

Artikel veröffentlicht am 4. Juli 2016
Artikel veröffentlicht am 4. Juli 2016

Vor etwa einer Woche hat sich die britische Insel entschieden, die EU zu verlassen. Seitdem überschlagen sich die Nachrichten und bieten ihren Zuschauern ein Popcorn-würdiges politisches Drama - auch wenn dieses für die Briten, die das Chaos durchleben müssen, eher weniger fesselnd ist. Die After-Brexit-Woche in Zahlen

Für die Zahl der Woche haben wir dank der Nachwehen des Brexit diesmal wirklich die Qual der Wahl. Wenn man beginnt sich anzuschauen, was diese Woche auf der Insel so los war, dann sind die Zahlen erstaunlich. Los geht es mit der britischen Wirtschaft, die langsam zerbröselt. Auch wenn wir jetzt kein Geld mehr nach Brüssel schicken müssen, innerhalb weniger Tage haben wir soviel Geld verloren, wie wir in den letzten 24 Jahren an die EU geschickt haben. 

Nach dem Reue-Ausbruch der Brexiter (und dem Horror der Remainer), haben bereits über 4 Millionen Menschen eine Petition unterschrieben, die für ein zweites Referendum wirbt. Schottland und Nordirland haben beide angekündigt, dem Vereinten Königreich im Fall des Austritts den Rücken zu kehren. Über 180.000 Londoner haben eine weitere Petition unterzeichnet, die sich für die Unabhängigkeit der Hauptstadt einsetzt. Alle drei Teile des Landes stimmten gegen den Austritt aus der Europäischen Union.

Während das Verinigte Königreich also Gefahr läuft, in seine Einzelteile zu zerfallen, haben die Politiker in Westminster ihren Job völlig verfehlt. Ein guter Job sähe nämlich folgendermaßen aus: das krisengerüttelte Land mit starker Führung wieder aus der Misere zu ziehen.

Wir könnten euch jetzt auch was vom Wettberwerb der fünf Kandidaten um die neue Spitze der Tories erzählen (der ehemalige Brexit-Befürworter Boris Johnson hat das sinkende Boot bereits verlassen), die nach David Camerons Rücktritt als künftige Premierminister zur Auswahl stehen. Außerdem sind da noch die 172 Labour-Abgeordneten, die in einem Misstrauensvotum gegen Parteichef Jeremy Corbin gestimmt haben, der jedoch nach wie vor bleibt wo er ist und einen Rücktritt ablehnt.

Und dann ist da noch die britische Jugend, die die Alten noch nicht einmal für ihr Unglück und ihre versaute Zukunft verantwortlich machen kann. Es sieht nämlich so aus, als hätten nur 36% der 18-24 Jahre Alten sich überhaupt entschieden, wählen zu gehen. Wenn ich ehrlich sein soll, würde ich das Popcorn gerade lieber zur Seite schieben und mal eine eine kleine Politik-Pause einlegen.