Zahltag: 124 Flüchtlinge in Spanien

Artikel veröffentlicht am 10. Juni 2016
Artikel veröffentlicht am 10. Juni 2016

Im Herbst 2015 verpflichtete sich Spanien 16 000 Geflüchtete aufzunehmen, die an den Küsten Griechenlands und Italiens angekommen waren. Acht Monate später sind erst 124 von ihnen in Spanien. Was ist der Grund? Unser Zahltag der Woche.

Laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) kamen 2015 1 015 078 Personen über das Mittelmeer. Die Europäische Kommission beschloss 160 000 von ihnen, die sich bereits in einem Mitgliedsland der EU befanden, umzuverteilen. Spanien verpflichtete sich damals 16 000 Geflüchtete aufzunehmen. Nach einigem Hin und Her, Debatten, Versprechen und guten Absichten ist die Wirklichkeit heute eine andere.

Die spanischen Flüchtlingshilfskommission (La Comisión Española de Ayuda al Refugiado - CEAR) hat Daten der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und der Europäischen Kommission von 2016 in einem Bericht zusammengetragen. Demnach kamen 204 311 Personen nach Europa, von denen die EU bisher 1 911 umverteilt hat. Spanien hat bis jetzt 40 Personen aus Italien und 84 aus Griechenland aufgenommen. Das macht zusammen 124 Personen. Von 16 000!

Die Zahl steht in krassem Gegensatz zur ursprünglichen Zusage, auch wenn sich die Situation nach Aussage des amtierenden Innenministers, Jorge Fernández Díaz, im Juni ändern wird. Auf seiner Webseite gibt das spanische Innenministerium an, dass das Land bis Ende des Monats 586 Personen aufgenommen haben wird: aus Griechenland, Italien, dem Libanon und der Türkei. Gewerkschaften wie die UGT (Unión General de Trabajadores) stehen der aktuellen Regierung kritisch gegenüber: „Mehr als die Hälfte der Geflüchteten wurde von der Regierung in der Vorwahlkampfzeit aufgenommen. Es bleibt (deshalb) abzuwarten, ob das Ganze nicht wieder zum Stillstand kommt, sobald die Wahlen vorbei sind.“

Für Spanier ist das Phänomen von Menschen auf der Flucht nichts Neues. Wie die Historikerin Alicia Alted in ihrem Buch Die Stimme der Besiegten: das republikanische Exil von 1939 (La voz de los vencidos: el exilio republicano de 1939) zeigt, passierten während des Spanischen Bürgerkriegs (1936–1939) rund 465 000 Menschen die Grenze nach Frankreich