Yann, 29, bei der Local Democracy Agency in Gjilan/Gnjilane, Kosovo

Artikel veröffentlicht am 13. Januar 2009
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Artikel veröffentlicht am 13. Januar 2009
Mit dem europäischen Freiwilligen Dienst, auch European Voluntary Service oder EVS genannt, können sich junge Europäer zwischen 18 und 30 gegen eine kleine Aufwandsentschädigung mehrere Monate lang im Ausland gemeinnützig engagieren. 2006 haben mehr als 4500 Jugendlichen an diesem Programm teilgenommen, auch auf dem Balkan (1).
Der Franzose Yann Cassaro, 29, arbeitet als Freiwilliger in Gjilan/Gnjilane, einem kosovarischen Städtchen an der Grenze zu Mazedonien und Serbien.

 Jeden Morgen fängt der Tag von Yann, 29, mit einem warmen türkischen Kaffee an. Wenig später bestellt er einen Trinkjoghurt und ein Burek in einem kleinen Imbiss auf dem Weg zur Arbeit. Dieses typisch balkanische Essen besteht aus einem gerollten Teig mit Spinat-, Käse- oder Fleischfüllung und wird zu jeder Uhrzeit gerne gegessen, auch zum Frühstück, wie es sich der Franzose nach fast einem Jahr im Kosovo zur Gewohnheit gemacht hat.

Der junge Mann ist inzwischen ziemlich bekannt unter den Bewohnern von Gjilan, von der serbischen Bevölkerung auch Gnjilane genannt. Die kleine Stadt mit überwiegender albanischer Mehrheit liegt mit dem Bus keine Dreiviertelstunde von der Hauptstadt Prishtina entfernt. Auf dem Weg zum Büro trifft Yann ständig auf Bekannte, egal welche Uhrzeit es ist. Nach lokaler Sitte begrüßen sie sich mit dem Spruch „A je lodh?“ „Bist du müde?“. Yann antwortet kurz und geht dann seinen Weg weiter zu seinem Arbeitsplatz, der Local Democracy Agency of Kosovo, kurz LDA, einem kleinen Büro mitten in der Stadt.

Die kleine NGO von Yann hat sich zum Ziel gesetzt, die zivile Gesellschaft im Kosovo vor Ort zu unterstützen und lokale Projekte in der Region zu fördern. Vor seiner Arbeit als Volontäre war Yann damit beauftragt worden, den Infopunkt des Zentrums zu betreuen und weiter auszubauen. Dazu konnte er auch im Laufe des Jahres Vorträge organisieren, die Webseite der Agentur LDA verschönern und mit der Beteiligung von Pfadfindern ein Projekt mit Romakindern auf die Beine stellen.

Im Kosovo hat Yann Momente von historischer Bedeutung miterlebt, wie im Februar die Tage nach der Unabhängigkeitserklärung des Landes. Doch als Mitglied einer apolitischen Struktur möchte der studierte Politikwissenschaftler zu dem Thema Unabhängigkeit keine Aussage treffen. „“, erwidert Yann.

Schlüsselmomente und viele viele Kaffees

Ich nehme mir nicht die Freiheit, darüber überhaupt eine Meinung zu haben

Mehr als die politischen Angelegenheiten hat ihn im Kosovo die „“ der Leute geprägt. Besonders die Leichtigkeit, mit der man mit Unbekannten ins Gespräch kommt, hat ihn sehr beeindruckt, meint Yann. „“, sagt er. Mit ein paar Lehrstunden konnte Yann Grundkenntnisse der albanischen Sprache erwerben, die er im Alltag benutzt. Wenn sein Wissen nicht ausreicht, greift der junge Mann auf das Englische oder Französische zurück oder redet mit Händen und Füssen.

informelle ArtGleich will man einen zum Kaffee einladen und mit ihm plaudern, auch wenn es sich da vielleicht nicht unbedingt um tiefsinnige Gespräche handelt

  „“, so Yann. Im Kosovo ist er aus Zufall gelandet. Jetzt freut er sich, ein lehrreiches Auslandsjahr hinter sich gebracht zu haben, in dem er viel von Land und Leuten mitbekommen konnte. Nach Yanns Meinung hätten sich aber diese Kontakte in einer Großstadt wie Prishtina längst nicht so leicht ergeben wie in dem kleinen Gjilan, wo „“.

Ein einmaliges „Austauscherlebnis“

Während des Studiums hatte ich keine Erfahrung im Ausland gesammelt. Der EVS war für mich die einfachste Lösung, mal weg zu gehen

jeder jeden kennt

In ein paar Wochen geht das Freiwilligenjahr von Yann zu Ende. Im Moment sucht der junge Mann einen Job. Wenn es geht, würde er gerne auf den Balkan bleiben. Nach elf Monate im Land kann er jetzt schon eine Bilanz seines europäischen Freiwilligendienstes ziehen. „“, meint Yann. „“, erzählt er. „“, sagt Yann zum Schluss.

Als EVS lernt man, sich in einem unbekannten Land selber zu helfen und die eigenen Vorurteile zu überwindenIch weiß jetzt ein bisschen besser, was ich später im Leben machen möchteAls EVS habe ich auch was über mich selbst gelernt

Margot Reis für LDA Kosovo Mit freundlicher Unterstützung von Stefanie Gruber

1 Hochrechnung 2006, Quelle : Injep, http://www.injep.fr/IMG/pdf/8psvefr_output.pdf