Woodstock liegt in Polen

Artikel veröffentlicht am 4. Juli 2005
Artikel veröffentlicht am 4. Juli 2005

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Unter dem Motto „Liebe, Freundschaft und Musik“ kommen sich seit 1995 Deutsche, Polen und andere Europäer beim zweitägigen Festival „Haltestelle Woodstock“ näher - umsonst und draußen.

Der Bus, mit dem alle Gäste des Festivals „Przystanek Woodstock“ („Haltestelle Woodstock“) transportiert werden können, muss erst noch erfunden werden. Bis zu 400.000 Menschen kommen laut Veranstalter jedes Jahr auf das größte „umsonst&draußen“-Festival Europas – nach Polen. Doch keine Angst, dieses Jahr findet das Festival direkt an der deutsch-polnischen Grenze in Kostryn (Küstrin) nur etwa 100 km hinter Berlin statt. Vom 5.-6. August 2005 können Deutsche und Polen nicht nur die Musik von der jeweils anderen Seite der Oder kennen lernen, sondern vor allem sich gegenseitig. Nötig ist nur ein wenig Zeit und ein Zelt.

Das Dankeschön-Fest

Seit 1995 veranstaltet die Stiftung „Großes Orchester zur Festtagshilfe“ von Jerzy Owsiak das Festival als Dankeschön. Sie bedankt sich damit bei den freiwilligen Helfern, die jedes Frühjahr Geld für medizinisches Geräte sammeln, die später an Kinderkrankenhäuser in Polen verteilt werden. Ein Festival der Superlative für eine Arbeit der Superlative. Allein im Jahr 2004 kamen durch die Spenden knapp sieben Millionen Dollar zusammen.

Umsonst und draußen heißt es hier aber ebenfalls für die bis zu 30 Bands. Die meisten der Gruppen sind zwar eher Geheimtipps, doch selbst deutsche Stars wie die „Toten Hosen“ aus Düsseldorf, die 2004 dabei waren, bekommen nicht mehr als 100 Zloty (etwa 25 Euro) Aufwandsentschädigung. Dennoch ist die Bühne jedes Jahr zwei Tage lang unter dem Motto „Liebe, Freundschaft und Musik“ voll besetzt. Dieses Jahr haben sich bereits über 300 Bands bei der Stiftung für einen Auftritt beworben.

’Peace Patrols’ und Wasserschlachten

Auch für ein wenig Ostalgie ist gesorgt. Das Festival findet auf einem ehemaligen Militärgelände kurz hinter Kostryn statt. Und weil ja eher eine familiäre Atmosphäre herrscht, heißen die Ordner hier „Peace Patrols“ und es wird auf die Absperrung vor der Hauptbühne verzichtet. Statt dessen können Graffiti-Künstler dort an den Holzwänden ihr Können unter Beweis stellen. Auch auf die üblichen Wasserschlachten an den über 150 Wasserstellen muss nicht verzichtet werden. Für Essen und Trinken ist kostengünstig auf dem Festivalgelände gesorgt. Und wer seinen Freunden zu Hause von seiner neuesten Eroberung erzählen möchte, kann dies umsonst und bequem vom Internetcafe aus machen.

Wenn dann am Vorabend des Festivals die ersten Autos über die B1 von Berlin über die erst 1992 gebaute Oderbrücke rollen, sind die Deutschen dem großen, unbekannten Polen wieder ein kleines Stück näher gerückt. Vor allem durch den persönlichen Austausch wird dieses Festival im deutsch-polnischen Jahr 2005 - abseits der politischen Absichtserklärungen - die Menschen einander näher bringen.

Przystanek Woodstock

5. bis 6. August 2005

http://www.wosp.org.pl/en/przystanek/2005/index.php