Wohin mit den Roma im neuen Europa?

Artikel veröffentlicht am 27. April 2004
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Artikel veröffentlicht am 27. April 2004

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Die europäische Erweiterung wird die Frage der Roma überall wieder in den Vordergrund rücken. Wird die neue Union die nötige Willensstärke aufbringen, um das Leben dieser Gemeinschaft zu verbessern?

Die Erweiterung und die damit einhergehende Grenzöffnung verursachen den EU-Mitgliedstaaten schlaflose Nächte. Am meisten beunruhigt viele die erwartete Einwanderungswelle der Roma. Die Öffentlichkeit ist überzeugt, dass sie vor allem in Staaten mit großzügigen Sozialsystemen streben werden. Die EU nimmt diese Möglichkeit ernst und hat entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen, doch die Frage ist, ob diese Schritte tatsächlich notwendig sind.

Die Situation der Roma-Bevölkerung Europas ist tragisch. Drei Viertel leben von Sozialhilfe, viele Roma-Kinder werden in Schulen für Lernbehinderte geschickt, wenn sie denn überhaupt die Schule besuchen. Ihr Leben in Siedlungen, die häufig weder Wasser noch Strom haben, erinnert an eine vergangene Epoche. Wohlmöglich am tragischsten jedoch ist die Tatsache, dass die Menschen Mittel- und Osteuropas nichts wissen von den furchtbaren Lebensbedingungen der Roma und es vorziehen, Hilfsbedürftige weit jenseits ihrer Landesgrenzen zu unterstützen.

Die Wurzel des Übels

Seitdem die Roma im neunten und zehnten Jahrhundert erstmals auf dem europäischen Kontinent auftauchten, schlägt ihnen Misstrauen und Angst entgegen. Es ist diese Angst auf der jene Vorurteile und jener Hass erwachsen sind, die bis in die Gegenwart in Europa verbreitet sind. Die österreichische Kaiserin Maria Theresa (1717-1780) gewährte ihnen Asyl und Schutz in ihren Ländern, was ihnen erlaubte, sich über Mittelosteuropa auszubreiten. Die Einstellung des Staates gegenüber dieser ethnischen Gruppe veränderte sich erneut mit dem Aufkommen des Kommunismus. Während die Partei den Roma Arbeit, Sozialfürsorge und Bildung garantierte, versuchte sie, sie in die Gesellschaft zu integrieren und zu assimilieren. Dies verursachte eine tiefgreifende und anhaltende Identitätskrise der Roma. Die anschließende Wiedergeburt der Demokratie 1989 drängte die Frage der Roma zurück an den Rand des politischen Lebens.

Roma im Jahre 2004

Unter dem kommunistischen Regime hatte sich Intoleranz statt Toleranz entwickelt und als das Regime zusammenbrach, breitete sich diese Intoleranz offen aus. Skinheads, in ihrem Bestreben die „nationale Identität“ zu bewahren, haben zahlreiche gewalttätige Anschläge gegen die Roma-Minderheit verübt. Andere Nicht-Roma halten sie für unehrlich und faul. Die mittelalterliche Gewohnheit der Pfandleihe ist wieder zu einem täglichen Bestandteil des Lebens der Roma geworden – mit tragischen Folgen. Im Angesicht existentieller Armut sind sie gezwungen, Geld zu hohen Zinsraten von wohlhabenderen Roma zu leihen. Bis zu 80% der Roma-Siedlungen leiden unter dieser Entwicklung.

Die Integration in die Gesellschaft verursacht weiterhin Probleme. In der Vergangenheit hielten die Vajda, die Führer der Roma, Verbindung zu den Nicht-Roma-Gemeinden, doch in letzter Zeit haben die Vajda an Einfluss verloren, so dass ein Machtvakuum entstanden ist, das konkurrierende Roma-Clans zu füllen versuchen. Versuche, die Institution der Vajda zu stärken, blieben bisher ohne Erfolg. Andere Roma, die versuchen, sich zu integrieren, drohen aufgrund der traditionellen Lebensweise ihrer eigenen Gemeinschaft von ihr ausgeschlossen zu werden.

Was kann man tun?

Alle zukünftigen EU-Mitglieder mussten die Minderheitenrechte garantieren. Doch die Realität ist eine andere. Lösungen sind dringend erforderlich. Bildung muss dabei die höchste Priorität zukommen. Vorschulkinder der Roma nehmen an Integrationskursen teil und Erwachsene schreiben sich in Programmen ein, die ihnen erlauben sollen, gleichberechtigt am demokratischen Leben teilzunehmen.

Aber die Roma-Gemeinschaft kann es nicht alleine schaffen. Die Gesellschaft als Ganze muss ihnen durch Anerkennung ihrer Werte und Identität helfen. Die Roma-Frage verbindet bereits Mittelosteuropa und wird bald auch den Rest der europäischen Gemeinschaft betreffen. Unwissen ist das Übel, Dialog ist der Weg nach vorn. Es ist zu hoffen, dass die dringendsten Schritte bald unternommen werden, um dieses Ziel zu erreichen.