WM-Prognosen 2010: Wetten, dass...?

Artikel veröffentlicht am 9. Juni 2010
Artikel veröffentlicht am 9. Juni 2010
Umfragen, Prognosen, Vorhersagen und Prophezeiungen: Im Rahmen des wichtigsten internationalen Sportereignisses - der Fußball-WM 2010 in Südafrika - erreicht die Welt der Prognosen wieder einmal einen Höhepunkt.
Während die Engländer ihren Favoriten per Börsennotierung bestimmen, sehen die Italiener und die Spanier den Sieger eher in den eigenen Reihen - eine kleine Auswahl der europäischen Prophezeiungen.

Auf ihrer Internetseite hat die spanische Tageszeitung El Mundo Deportivo ein Abstimmungssystem entwickelt, das es den Usern ermöglicht, das Stadion vorauszusagen, in dem die jeweilige Mannschaft ausscheiden wird. Auf ebendieser Webseite florierender Prognosen ist es zudem möglich, den Spieler vorher zu sagen, der DIE Offenbarung der WM 2010 sein wird. Soso also! Die Spanier ernennen dabei zwei Spieler der eigenen La Roja: Pedro alias Pedro Rodríguez Ledesma und JesusNavas, als dritten Kandidaten, weit abgeschlagen den Slowaken Marek Hamsik. Eine witere "Überraschung": Die lieben Spanier sehen laut dieser Umfrage weder ihren Nachbarn Portugal noch Frankreich in den Achtelfinals.

Wird er die Offenbarung der WM 2010?

Frankreich: Die größten Fußball-Ignoranten

Die Franzosen hingegen haben keine Zeit, sich um die Fußballweltmeisterschaft zu kümmern. Keine einzige französische Tageszeitung hat ihren Lesern angeboten, wenigstens den Sieger des Turniers vorher zu sagen. Liegt das an der abergläubischen Natur ihres Nationaltrainers Raymond Domenech? Die französischen Medien scheinen derweil mehr an der Europameisterschaft 2016 (die erst kürzlich Frankreich zugesprochen wurde) als an der laufenden WM interessiert zu sein. Auf der Internetseite der Tageszeitung Le Monde, können die User ihre Meinung dazu abgeben, ob die Europameisterschaft wichtige Konsequenzen für die französische Wirtschaft und die Entwicklung neuer Infrastrukturen mit sich bringt.

Niederlande: Fußball ja, aber nicht ohne Bier!

In den Niederlanden, auf der Webseite Telegraaf.nl, haben die Holländer auf die Frage, ob ihre Nationalmannschaft über die Viertelfinals kommen werde, ein einstimmiges und optimistisches „Na klar, sicher werden sie die Viertelfinals überstehen“ abgegeben. Aber ein ganz anderes Thema beschäftigt die Fans der Oranjes derweil noch mehr. Aus Sicherheitsgründen ist es den holländischen Fußballfans neuerdings verboten Bier zu trinken, während sie die WM-Spiele auf Großbildschirmen unter freiem Himmel verfolgen. Folglich findet man in einer Umfrage der Tageszeitung AD Sportwereld.nl viele holländische Fußballfans, die sich gegen dieses Bier-Verbot aussprechen.

Deutschland: präzise

Laut der Sportzeitung La Gazzetta dello Sport ist England (und wohlverstanden sein italienischer Nationaltrainer) Favorit. In der wichtigsten Sportzeitung Italiens, La Gazzetta dello Sport, wurde Favorit Spanien von der Liste der möglichen Thronfolger 2010 unerklärlicherweise komplett ausgeschlossen. Anstelle setzt man hier auf Fabio Capellos England...und Marcello Lippis Italien natürlich!

Die genauesten Prognosen liefern aber die Deutschen. Auf Süddeutsche.de existiert sogar eine Rangliste der bestnotierten Mannschaften, ganz nach dem Modell der Aktienkurse an der Börse. Spanien läge nach dieser Rangliste auf Platz eins. Deutschland sei etwas schwächer, köne mit einem starken Spiel aber mehr und mehr an Wert zulegen. 

Börsennotierter Fußball

Zwei JP Morgan Chase-Analysten in London sind sogar soweit gegangen, das Evaluationssystem der Börse für den Fußball zu übernehmen - samt Statistiken, Daten und der Klassifizierung der FIFA. Das soll dabei helfen, den zukünftigen Weltmeister zu prognostizieren, sowie die Resultate der Spiele. Ihren Prophezeiungen nach würde England die Niederlande im Elfmeterschießen besiegen, somit ins Finale kommen und dort die WM 2010 gegen Spanien gewinnen - somit unterscheiden sich die Engländer (Börse hin oder her) also nicht sehr stark von den selbstbewussten Italienern. 

Verschwörungstheorien

Es existieren auch zahlreiche Prognosen, die auf Verschwörungstheorien bauen. Die Resultate der WM hingen von politischem Druck ab. Geschichtliche Referenzen zu diesem Thema sind zahlreich vorhanden, wie z.B. die berühmte Partie Argentinien-Peru 1978. Nach dem Willen der Militärobersts des Argentinischen Regimes soll den Albicelestes ins Finale geholfen worden sein, um dort schlussendlich sogar Weltmeister im eigenen Land zu werden. Die WM 1990 in Italien, die Deutschland gewonnen hat, stünde im Kontrast zur Last der Wiedervereinigung ein Jahr nach dem Mauerfall in Berlin. Auch an der WM 2002 in Südkorea und Japan sei etwas faul gewesen, glaubt man diversen Theorien, als die Mannschaft von Südkorea wider erwartet bis ins Halbfinale gelangte. Zum Abschluss in puncto Verschwörungstheorien ist auch der Weltmeistertitel der Italiener 2006 zu nennen, der durch den Bestechungs-Skandal von Calciopoli getrübt wurde. Dieses Jahr prognostizieren die Anhänger von Verschwörungstheorien, dass eine afrikanische Mannschaft ein sehr gutes Turnierresultat abliefern würde.

Trotz dieser Hellseher-Manie - eine Weltmeisterschaft lässt sich niemals in Umfragen und Wettbüros gewinnen. Es sind die kleinen, unerwarteten Details, die speziellen Momente - so wie das Tor von Pirlo gegen Ghana, das Italien gerettet und der Squadra Azzurra 2006 zur Weltmeister-Trophäe verholfen hatte - die zählen. Und was sagt Giovanni Trapattoni, Ex-Nationaltrainer der italienischen Nationalmannschaft und aktueller Nationalcoach der Iren, der die WM am Fernseher verfolgen muss? „Wegen Henry und seiner verfluchten Hand“. Dennoch lässt es sich Trapattoni nicht entgehen, auch eine Prognose zu machen: „ Die Mannschaft von Maradona ist technisch und mental gesehen stärker als die von Brasilien. Meiner Meinung nach wird es also Argentinien machen.“

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