Wirtschaftskrise: Schlechte Karten für faule Spanier

Artikel veröffentlicht am 9. Dezember 2008
Artikel veröffentlicht am 9. Dezember 2008
Es ist an der Zeit, dass sich ein maßloses Spanien einer kritischen Selbsteinschätzung und Strukturreformen stellt.

Die bedrohliche Krise des internationalen Finanzsystems, mit den plötzlichen Einbrüchen an den Börsen und einer allgemein pessimistischen Stimmung, hat die Schwächen des spanischen Modells für Wirtschaftswachstum klar aufgezeigt. Die Alarmglocken schrillen und gesamtwirtschaftliche Indikatoren fangen an, die Schwächen der spanischen Wirtschaftsstruktur zu offenbaren. Dies sind schwere Zeiten für die spanische Volkswirtschaft, welche einen schnellen Rückgang der Beschäftigungsverhältnisse, die Schließung zahlreicher Firmen und ein Sinken der Immobilienpreise erlebt.

Null Wettbewerbsfähigkeit und Innovation

In Spanien arbeiten die Menschen wenig, schlecht und ineffizient...

In Spanien arbeiten die Menschen wenig, schlecht und ineffizient, und das Land scheint sich in einem Zustand ständiger Ferien zu befinden. Dem allgemeinen Index der Wettbewerbsfähigkeit zufolge, der kürzlich vom Economist veröffentlicht wurde, befindet sich Spanien auf Platz 30, weit hinter Ländern wie Irland, China, Taiwan, Israel, Estland, Malaysia, Chile, Indien und Südkorea. Fast alle Staaten der Europäischen Union übertreffen Spanien im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit - was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass spanische Arbeitnehmer angesichts offizieller Feiertage, Wochenenden, langer Wochenenden, Weihnachts- und Sommerferien mehr Zeit in den Ferien als bei der Arbeit verbringen.

Ein anderer erwähnenswerter Aspekt betrifft Forschung und Entwicklung in den Unternehmen; im oben erwähnten Index erscheint Spanien überhaupt nicht unter den ersten 24 Plätzen, die Länder wie Taiwan, Island, Holland, Singapur, Österreich, Slowenien und sogar Griechenland umfassen. Trotz seines Anspruchs einer der größeren, reicheren Staaten der Erde zu sein, landet Spanien zum Beispiel auf dem dreizehnten Platz für angemeldete Patente. Auch unter den ersten 24 Ländern auf dem Index zu Informationstechnologie und Kommunikation glänzen die Spanier mit Abwesenheit.

©Chesi Fotos CC/flickr

Ineffizienz und Staatsverschuldung

Auf dem Index für wirtschaftliche Freiheit liegt Spanien mit Platz 27 wieder hinter den meisten EU-Staaten, wie auch hinter theoretisch weniger entwickelten Ländern wie Chile, Estland, Zypern, Litauen, Taiwan und sogar Trinidad und Tobago. Schon vor Jahren hatte die Weltbank darauf hingewiesen, dass es in Spanien fast unmöglich sei, eine neue Firma zu gründen, weil dies einen Papierkrieg und ein schon fast sowjetisches Maß an Bürokratie erfordere. Dies zeigt sich auch im letzten Bericht der Weltbank, einer Analyse von 178 Volkswirtschaften: Spanien befindet sich bezüglich der Einfachheit, eine erfolgreiche Firma zu führen, auf Platz 38, kommt aber auf Platz 118 für Neugründungen.

Eine tiefgreifende Arbeitsmarktreform wäre nötig, um Arbeitskräfte produktiver und weniger teuer zu machen.

Der Staat ist verschwenderisch, arbeitet schlecht und gibt mehr aus, als er einnimmt. Nimmt man wieder die diesjährigen wirtschaftlichen Indikatoren des Economist als Grundlage, so liegt Spanien - lediglich von den USA übertroffen - bei der Staatsverschuldung auf Platz zwei, obwohl es den ersten Platz in der EU für die Verschwendung von Steuergeldern einnimmt. Die öffentliche Verwaltung funktioniert schlecht und stellt sich nur im Schneckentempo auf die neuen Herausforderungen der globalen Gesellschaft ein.

Spanien nimmt einen der höchsten Plätze in Bezug auf Lohnkosten ein, wo es auf Platz 18 steht, übertroffen lediglich von den reichsten und dynamischsten Volkswirtschaften der Welt. So sind Spaniens Kosten ähnlich hoch wie die der USA, Irlands oder Japans, aber Einkommen sind lediglich halb so hoch wie in Nordamerika und deutlich niedriger als in Japan - kurz gesagt: Spanien produziert weniger gut und in niedrigeren Mengen, aber für fast dieselben Preise. Eine tiefgreifende Arbeitsmarktreform wäre nötig, um Arbeitskräfte produktiver und weniger teuer zu machen.

Ein Blick von außen

Spanische Geschäftsleute haben Schwierigkeiten damit, ihre Taschen zu packen, im Ausland zu investieren, Fremdsprachen zu sprechen und außerhalb Spaniens Unternehmen aufzubauen und Verkäufe abzuschließen. Im Vergleich zu gleichrangigen Staaten - der EU, den USA und den am weitesten entwickelten Länder der Erde - ist Spanien eines der Länder, das am wenigsten exportiert, weit hinter Italien, Frankreich, Deutschland, Japan, den USA und Kanada (deren Bevölkerung übrigens viel kleiner als die spanische ist).

Dies ist die aktuelle Lage. Es ist nötig, sich von der vorherrschenden Selbstzufriedenheit bezüglich gewisser nationaler Fragen zu lösen, die spanische Volkswirtschaft allgemein neu zu bewerten und den verfaulten, triumphalistischen Themen, die von den spanischen politischen und wirtschaftlichen Führungskräften gefeiert werden, zu entfliehen. Ohne die notwendige Selbstkritik ist es unmöglich, Krisensituationen zu überwinden und Lösungen für die offensichtlichen Probleme der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu finden, die allzu deutlich werden, wenn sie aus einer objektiven, rationalen Perspektive und frei von falsch verstandenem Patriotismus betrachtet werden. Es ist an den Spaniern, sich zu entscheiden.