WIR SOLLEN DIE KINDER LIEBER BESCHÄFTIGEN, BEVOR SIE UNS ENTMACHTEN WOLLEN

Artikel veröffentlicht am 28. Juni 2013
Artikel veröffentlicht am 28. Juni 2013

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Dem Thema Jugendarbeitslosigkeit konnte man bei diesem EU-Gipfel in Brüssel gar nicht aus dem Weg gehen. Ist das aber überhaupt das richtige Thema, das eigentliche Problem? Hat man sich hier nicht nur einen temporären Brennpunkt erfunden? Und bei dem sogenannten “Familienfoto” der Mächtigen musste ich eher an eine Familienkonferenz denken.

Die beängstigenden Zahlen, von den die Medien in der letzten Zeit unaufhörlich berichten, schätzen die Jugendarbeitslosigkeit in den Krisenländern oft mit bis zu 60 Prozent ein. Die Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat zeigen allerdings ein etwas entspannteres Bild. Der niederländische Makroökonom Mathijs Bouman deutet darauf hin, dass die statistischen Berechnungsmethoden sich deutlich unterscheidende Zahlen ergeben können.

Dass die Jugendarbeitslosigkeit existiert und ihre Folgen gravierend sein werden, möchte ich natürlich nicht bestreiten. Ich möchte nur die plötzliche Fokussierung auf die Jugend im alterndem Europa als zu panisch und obsessiv deuten. Der verdächtig große Konsens bezüglich der Jugendarbeitslosigkeit scheint mir nur ein weiteres Beispiel des berüchtigten Krisenmanagements zu sein.

So verspricht das Programm "Youth Guarantee" jedem jungen Menschen unter 25 Jahren eine Beschäftigung nach spätestens vier Monate Beschäftigungslosigkeit. Was wird mit einer “Beschäftigung” bei der aktuellen krisenbedingten Knappheit an Jobs genau gemeint, ist eine andere Frage. Das Versprechen einer “hochwertigen” Ausbildung oder eines Praktikums ist kein richtiges Versprechen. Schon jetzt müssen viele junge Europäer jahrelang zwischen Praktika und Studentenjobs wechseln, ohne realistische Hoffnungen auf eine sozial gesicherte Stelle zu haben. Unsere prekäre Generation, die jetzt allzu plötzlich im Zentrum der Brüsseler Sorgen steht, hat bereits einen Spitznamen. Wir sind lange schon eine “Generation Praktikum”.

Die Institutionen haben sich auf sechs bis acht Milliarden Euro geeinigt – angesichts der Ausmaße des Problems ist es “ein Tropfen auf dem heißen Stein” laut dem Präsidenten des Europäischen Parlaments Martin Schulz. Diese Summe ist auch im Verhältnis zu den Bail-Out-Paketen verschwindend klein. Es wird von dem ernierdrigenden, mindestens zwei Größenordnungen kleineren Preis gesprochen, der hiermit der Zukunft der Jugend beigemessen wurde.

Weitere Maßnahmen sollen nächste Woche in Berlin diskutiert werden. Ob sich die Situation der Jugend durch die neuen Initiativen deutlich verbessert werden kann, bleibt sehr fraglich. Fraglicher noch ist es, dass diese “das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit und Handlungswilligkeit demokratischer Institutionen” zurückgewinnen können. Das sinkende Vertrauen in “Europa” ist ein Misstrauen den politischen Institutionen gegenüber, das berechtigte Zweifeln, ob die Institutionen überhaupt demokratisch und legitim sind. Von deren notwendig grundlegenden und strukturellen Demokratisierung ist allerdings noch keine Rede.

Ja, es muss u.a. in Zusammenarbeit mit der EZB dafür gesorgt werden, dass das “billige Geld” nicht hauptsächlich für spekulative Investitionen der Großkonzerne auf Kosten des sozialen Zusammenhalts verwendet wird, sondern dass Prinzipien einer sozialbewussten Investitionspflicht herausgearbeitet werden, von der die Arbeitsplätze schaffende mittel- und kleinunternehmerische Realwirtschaft profitieren kann. In diesem Punkt stimme ich mit Herrn Schulz überein. Aber das allein reicht nicht. Noch immer betont man vor allem die monetären und die wirtschaftlichen Aspekte der EU. Man hätte allerdings schon lange das Ziel einer politischen Union entschiedener anpacken müssen.

Die Sorgen um die Jugend sind m.E. paternalistischer Natur und aus einer gefährdeten Autoritätsposition, die alles, nur nicht die eigenen Fehler anerkennen will. Es klingt ein bisschen wie ein besorgter Argwohn den überall auftauchenden sozialen Bewegungen und Protesten gegenüber. “Du kannst dir keinen Job finden? Wir helfen dir schon damit. Hauptsache ist, dass du beschäftigt bleibst und nicht auf die Straße gehst, diesen Chaoten anzuschließen.”